Eine Art realer James Bond

December 23, 2011
Vom Geheimdienst ins Filmstudio. Wie aus dem Düngemittelhersteller Arnon Milchan ein Mossad-Agent und Filmproduzent wurde.
AGENT UND FILMPRODUZENT Arnon Milchan (Mitte) mit Brad Pitt und Angelina Jolie aus «Mr. und Mrs. Smith»

Er drehte grosse Hollywood-Filme, doch reich wurde Arnon Milchan durch ungleich heiklere Deals. Ein Buch enthüllt, dass der Film-Tycoon im Auftrag des israelischen Geheimdienstes Mossad Material für Nuklearanlagen besorgte. «Pretty Woman», «Der Rosenkrieg», «L. A. Confidental», «Es war einmal in Amerika» und «Mr. und Mrs. Smith» – US-Filmproduzent Arnon Milchan realisierte einige der Hollywood-Klassiker der vergangenen Jahrzehnte. Er besitzt die Rechte für die Übertragung von Tennisveranstaltungen, eine exzellente Kunstsammlung und beste Kontakte. Ein Foto von 2005 zeigt Milchan mit Ariel Sharon: Milchan hatte 100 Millionen Dollar für eine israelische Universität gespendet. Auf der «Forbes»-Liste der reichsten Menschen der Welt bewegt sich Milchan unter den ersten 300 Personen. Doch sein Vermögen machte er nicht mit Kinokartenverkäufen, Fernsehrechtevermarktung und DVDs.

Patriotisch motiviert

Sein lukrativstes Geschäftsfeld war ein ganz anderes: Der 66-jährige Israeli arbeitete jahrelang als Spion für den israelischen Geheimdienst, fädelte Waffen-Deals ein und besorgte Material für Nuklearanlagen. Eine Art realer James Bond, schreiben der israelische Journalist Meir Doron und Joseph Gelman in ihrem in diesem Herbst erschienen Buch «Confidential. The Life of Secret Agent Turned Hollywood Tycoon – Arnon Milchan». Ihre Informationen haben die Autoren einem Bericht in der Tageszeitung «Die Welt» zufolge aus erster Hand. Sie führten diverse Gespräche mit Milchan. Und der ehemalige Premierminister Schimon Peres, ein Freund Milchans, habe bekannt: «Ich war es, der ihn angeworben hat. Während meiner Zeit im Verteidigungsministerium war Arnon Milchan in zahlreiche Aktivitäten zur Beschaffung von Verteidigungsmaterial und Geheimoperationen involviert. Seine Tätigkeit brachte uns gewaltigen Nutzen, strategisch, diplomatisch und technologisch.» Ähnlich verstehe auch Milchan sein einstiges Tun als Geheimagent für Israel: als patriotisch motiviert und die Existenz Israels sichernd.

Zwei Wirkungsfelder

Begonnen hatte alles mit der Düngemittel-Fabrik in Tel Aviv, die der in der Schweiz Chemie studierende Milchan 1965, mit
21 Jahren, von seinem Vater übernehmen musste. Das Geschäft lief nicht besonders gut. Der Junior baute die Firma um, schloss internationale Vertriebsverträge und brachte das Unternehmen so auf Kurs. Im Landwirtschaftsministerium lernte der junge Fabrikant den Ex-General Mosche Dajan kennen. Wenig später nahm die inoffizielle Laufbahn Milchans ihren Anfang.
Milchan durfte die geheime Anlage zur Aufbereitung nuklearen Materials in Dimona besichtigen, und er stiess zu Lakam, einer Abspaltung des Geheimdienstes Mossad, die für das nötige Material sorgen sollte. Er organisierte Konten, falsche Firmen und fingierte Geschäftsabschlüsse, bereiste als Geschäftsmann mehrere Kontinente, um technisches Gerät zu kaufen und zu verschiffen, auch solches, das für Atomanlagen und Urananreicherung nötig ist. Noch keine 30 Jahre alt, stieg er auch in den Handel mit Hubschraubern, Raketenteilen und anderem Gerät ein. Milchan führte Auslandskonten für die Regierung und fungierte bei Transaktionen als Strohmann, heisst es in dem Buch. Der Profit aus dem Handel mit anderen Staaten, etwa dem vom Schah regierten Iran, verblieb bei Milchan.
Ende der siebziger Jahre stieg Milchan ins Filmgeschäft ein, zunächst parallel zu seinem bisherigen Wirkungsfeld. 1985 flog seine Geheimdiensttätigkeit auf. Richard Smyth, ein US-Geschäftsmann mit Verbindungen zu NATO und NASA, wurde in den USA verhaftet. Smyth war mit Milchan bekannt und hatte dessen Firmen etwa mit kleinen Elektronikrohren, die in Zünder für Nuklearwaffen eingebaut werden, beliefert. Kurz nach dieser Enttarnung, Ende der achtziger Jahre, machte sich Milchan als Filmproduzent selbständig. Mit «Pretty Woman» landete er gleich einen Kassenknüller, viele weitere folgten. Die Düngemittelfirma seines Vaters und Grossvaters aber, Milchan Bros., wurde 2008 verkauft – an einen, wie es heisst, Ex-Agenten des Mossad.