Eine antisemitisch motivierte Tat

September 12, 2008
Nachdem am Samstagabend in Paris drei Jugendliche des Bne Akiwa von arabischen Angreifern zusammengeschlagen worden sind, steigt unter den Juden Frankreichs die Angst vor antisemitisch motivierten Gewaltakten.
<strong>Multikulturelles Frankreich </strong>Das Land vereint die gr&ouml;sste muslimische wie auch die gr&ouml;sste j&uuml;dische Gemeinschaft Europas

Am letzten Samstagabend sind in Paris nach Angaben einer Sprecherin der französischen Polizei drei jüdische Teenager von einer Gruppe muslimischer Immigranten aus Afrika tätlich angegriffen und zum Teil erheblich verletzt worden. Dan Nebet, Kevin Bitan und David Boaziz, die drei Teenager im Alter von 17 bis 18 Jahren, sind Aktivisten der Jugendbewegung Bne Akiva im 19. Distrikt der französischen Hauptstadt.

Thierry Neben, Dans Vater, erklärte in einem Telefoninterview, dass die drei Jugendlichen gemäss den Auskünften seines Sohnes auf der Strasse gingen, als vier oder fünf Araber afrikanischen Ursprungs Kevin mit Nüssen zu bewerfen begannen. Als er sich zu ihnen begab und fragte, warum sie dies taten, umringten sie ihn und schlugen ihn nieder. «Als Dan und David sich einmischten», gab Dans Vater zu Protokoll, «kamen rasch mehrere Araber hinzu und begannen, die drei jüdischen Jugendlichen mit Fäusten und Ketten zu traktieren.»

Regelmässige Zwischenfälle?

Die drei Opfer wurden in Spitalpflege gebracht. Einer trug einen Nasen- und einen Kinnbruch davon, und alle hatten weitere leichtere Wunden. Nach ihrer Entlassung reichten sie bei der Polizei eine Klage ein. Die Ordnungshüter eröffneten eine Untersuchung und nahmen die Suche nach den muslimischen Teenagern auf, die angeblich an dem Zwischenfall beteiligt waren. Die drei Jugendlichen seien nach Angaben von Raphael Haddad, Vorsitzender des Jüdischen Studentenverbandes von Frankreich, während des Angriffs mit einem «Hagel von Steinen» beworfen worden. Haddad wies auch darauf hin, dass der Zwischenfall sich in der Rue Petit zugetragen hat, nicht weit von der Stelle, an der am 21. Juni ein 17-jähriger jüdischer Jugendlicher von Immigranten angegriffen und ernsthaft verletzt worden war.

Die Attacke vom Samstagabend ist das vorläufig letzte Glied in einer langen Kette rassistisch motivierter Gewaltakte in Europa im Allgemeinen, und in Frankreich im Besonderen. Frankreich weist sowohl die grösste muslimische als auch die grösste jüdische Bevölkerung in Westeuropa auf. Staatspräsident Nicolas Sarkozy hat den Angriff verurteilt, den jüdische Organisationen als antisemitischen Akt bezeichnen.

Rafi Zaush, der Emissär der Jewish Agency in Paris, bezeichnete gegenüber dem israelischen Armeeradio Attacken im 19. Distrikt als regelmässig vorkommende Zwischenfälle. Die meisten der Angriffe seien jedoch, wie er betonte, viel weniger gewalttätig und würden deshalb den Weg in die Medien gar nicht erst finden. Die französische ministerielle Kommission zur Bekämpfung von Rassismus und Antisemitismus zeigte sich besorgt angesichts der Zwischenfälle im 19. Distrikt und forderte den Pariser Bürgermeister auf, im Vorfeld von Rosch Haschana, dem jüdischen Neujahrsfest, die Präsenz der Polizei in den Strassen des Quartiers zu verstärken. Das französische Innenministerium meinte in einer Verlautbarung einerseits, der Zwischenfall sei mit relativ wenig Schaden über die Bühne gegangen, bestätigte aber, die Täter seien antisemitisch motiviert gewesen.

Es kann jeden treffen

Im 19. Distrikt leben ausgesprochen viele Juden. Thierry Nebet: «Die Atmosphäre hier ist angespannt. Jetzt muss ich meine Söhne beschützen und dafür sorgen, dass sie nicht zu viel reden, denn das haben uns die Sicherheitsorgane der Gemeinde ans Herz gelegt. Dieses Mal war mein Sohn das Opfer, doch kann es jeden treffen. Die Juden möchten in Frieden leben, doch mit den Arabern hier ist dies ein Ding der Unmöglichkeit. Wir tragen unsere Kipot auf der Strasse. Das gefällt ihnen nicht, doch für uns spielt das keine Rolle. Wenn wir unsere Kipot verschwinden lassen müssen, um besser zu leben, dann ist es besser, wenn wir auch gleich verschwinden.»

Benjamin Touati, Leiter der französischen Abteilung des Welt-Bne-Akiva, meinte: «Die Situationist sehr besorgniserregend. Nur 100 Meter vom Ort der Attacke vom Samstagabend befindet sich eine Schule der Chabad-Bewegung mit 1800 Schülerinnen.»

Yair Ettinger