Eine antijüdische Praxis
Die Angelegenheit der saudischen Politik gegenüber Juden ist unlängst thematisiert worden, nachdem die Website www.worldnetdaily.com berichtet hatte, die amerikanische Fluglinie Delta Airlines würde durch ihre Partnerschaft mit der Gesellschaft Saudi Arabian Airlines den «saudischen Bann gegen jüdische Reisende» in die Tat umsetzen. Der Bericht löste eine Reihe verärgerter Anfragen bei Delta und der saudi-arabischen Botschaft in Washington aus. In einer lakonischen Reaktion meinte die Botschaft, via Internet in Umlauf gebrachte Gerüchte über Flugbeschränkungen für Passagiere von Saudi Arabian Airlines seien «komplett falsch». Die Regierung von Saudi-Arabien würde amerikanischen Bürgern kein Visum wegen ihrer Religionszugehörigkeit verweigern. Jüdische Verteidigungsorganisationen meinen demgegenüber, in der Praxis würden die saudischen Behörden es Juden stark erschweren, das Land zu besuchen.
Die Diskussion rund um Delta Airlines entbrannte, als der Washingtoner Anwalt Jeffrey Lovitky von der Gesellschaft wissen wollten, welche Auswirkungen der Beitritt der Saudi Arabian Airlines zur Sky Team Alliance für jüdische Passagiere haben würde. Delta gehört der Alliance ebenfalls an. Die Antwort der US-Gesellschaft glich dem sprichwörtlichen Öl, das ins Feuer gegossen wird. Man habe volles Verständnis für die Sorgen des Anwalts, hiess es in der Stellungnahme von Delta, doch habe die Gesellschaft «keine Kontrolle» über die Aktionen der USA oder irgendeines anderen Landes. «Wenn die saudische Regierung sich bei der Ausgabe von Reisedokumenten an amerikanische Bürger diskriminierend verhält, dann muss die Angelegenheit von einer zuständigen lokalen Botschaft oder mit dem US-State Department behandelt werden.»
Diskriminierendes Vorgehen
Jüdische Organisationen wunderten sich, ob diese Stellungnahme bedeute, das Personal von Delta würde Passagiere mit jüdisch tönenden Namen fragen, ob sie ordnungsgemäss ein Visum für den Besuch von Saudi-Arabien erhalten hätten. Ein Sprecher des American Jewish Committee vertrat die Ansicht, Delta habe sich dieser «Diskriminierungspolitik» angeschlossen.
Als die Geschichte mehr und mehr in amerikanischen Medien zu erscheinen begann, versuchte Delta Airlines, den Schaden in Grenzen zu halten. Wie alle internationalen Fluglinien, meinte ein Sprecher der Gesellschaft, müsse sich auch Delta an die Gesetze halten, die in den von ihr angeflogenen Ländern gelten. «Der Passagier ist verantwortlich für die Beschaffung der nötigen Reisedokumente, wie Visa oder Impfausweise, und wir sind verantwortlich dafür, zu gewährleisten, dass er über diese Dokumente verfügt, bevor er an Bord geht.»
Diese Antwort stellte niemanden zufrieden, und Senator Mark Kirk, ein Republikaner aus Illinois, ersuchte die amerikanische Luftfahrtbehörde um eine
Untersuchung. Unter anderem ging es dem Senator darum, sicherzustellen, dass kein US-Bürger ausschliesslich wegen seiner Religionszugehörigkeit auf sein Recht zu fliegen, verzichten muss. Wenige Stunden später veröffentlichte Delta eine dritte Stellungnahme, in der die Vereinbarung mit der saudischen Fluglinie als «nichts Besonderes» bezeichnet wurde. Das Abkommen zwischen Delta und Saudi Arabian Airlines bestehe einzig darin, dass Passagiere die Möglichkeit hätten, Tickets bei verschiedenen Gesellschaften zu buchen, ähnlich den Standardabkommen, die American Airlines, US Airways und Alaska Airlines mit den Saudis unterzeichnet hätten. «Alle drei globalen Allianzen – Star mit United Airlines, Oneworld mit American Airlines und Sky Team, zu dem Delta gehört, haben Mitglieder, die nach Saudi-Arabien fliegen und die sich den dort geltenden Einreisebestimmungen unterziehen müssen», heisst es.
Einreiseverweigerungen?
Trotz aller Beschwichtigungen und Beschönigungen warnt das State Department in seinen Reiseempfehlungen für Saudi-Arabien, dass sich Berichte über Einreiseverweigerungen hartnäckig halten. «Es gibt Berichte», liest man in den Empfehlungen, «wonach US-Bürger kein saudisches Visum erhielten, weil ihre Pässe auf Reisen nach Israel hinwiesen oder andeuteten, dass der Träger des Dokuments in Israel geboren wurde.»
Die Anti-Defamation League (ADL) bezeichnete die saudi-arabische Politik für jüdische Reisende als «besonders lästig». Die bisherige Praxis des Wüstenkönigreichs, Reisende, deren Pass einen israelischen Stempel aufweist, nicht ins Land zu lassen, würde, so ADL, «dem Geist der nicht-diskriminatorischen Politik von Delta zuwiderlaufen». Darüber hinaus würde Saudi-Arabien die Einfuhr aller religiösen Objekte, islamische ausgenommen, verbieten, was religiös observanten Juden die Reise nach Saudi-Arabien unmöglich mache. ADL fordert alle Saudi-Arabien anfliegenden amerikanischen Gesellschaften auf, ihre Praxis in der genannten Sache offenzulegen. Ungeachtet der saudi-arabischen Verordnungen dürfe keine US-Fluglinie «diese Diskriminierung ermöglichen oder erleichtern».