Ein vergessener jüdischer Avantgardist
Der am selben Ort wie Marc Chagall, in Witebsk, 1906 zur Welt gekommene Rojak arbeitet von 1920 an mit Malewitsch zusammen, der einen grossen Einfluss auf sein ungegenständliches Schaffen ausübte. Als eines ihrer jüngsten Mitglieder nahm der Fünfzehnjährige an einer Ausstellung der revolutionären Gruppe «Unowis» (Bejaher der neuen Kunst) in Witebsk teil, der damals auch Lazar Khidekel, El Lissitzky, Lew Judin und Nikolaj Suetin angehörten. Nach kurzer wissenschaftlicher Mitarbeit am «INChUK» (Institut für künstlerische Kultur) übersiedelte Rojak aus gesundheitlichen Gründen nach Moskau, wo er von 1934 an im Architekturbüro der Gebrüder Wesnin arbeitete und sein künstlerisches Schaffen in den Hintergrund stellte. Als er 1987 in Moskau starb, geriet er trotz seines über 500 Gemälde, Collagen und Zeichnungen umfassenden Schaffens und einer Gedenkausstellung in der renommierten Tretjakow-Gemäldegalerie in Vergessenheit.
Mit ausgewählten kleinformatigen Arbeiten auf Papier erinnert nun die Galerie Schlégl an den Zeichner Rojak. Die aus den frühen Zwanzigerjahren stammenden Bleistiftzeichnungen, die durch eine farbige Komposition mit deutlicher Orientierung am französischen Kubismus aufschlussreich ergänzt werden, widerspiegeln zum einen die Nähe zu Malewitsch, zeigen aber zum anderen die tiefe Beziehung zu einer sehr gelockerten, spätkubistischen Formenwelt voll spielerischer Phantasie und zeichnerischer Poesie. Vereinzelte Buchstaben, wie sie vor allem Iwan Puni als neuartige Gestaltungsmittel propagiert hatte, die kunstvolle Imitation von Holzstrukturen und Andeutungen an Streichinstrumente bilden subtil zu Papier gebrachte Reminiszenzen an das klassische Vokabular der ersten Kubisten in Paris. Aus der Akzentuierung durch differenzierte Hell-Dunkel-Werte und aus der geheimen Rhythmen gehorchenden Flächenproportionierung spricht viel Musikalität. Ihr begegnet man auch in den farbigen Kompositionen des Suprematisten Nikolaj Suetin, den die Galerie Schlégl ebenfalls bis zum 13. November vorstellt.
Jefim M. Rojak - Der Unbekannte neben Malewitsch
Galerie Schlégl, Minervastr. 119, Zürich.
Di-Fr 14-19 Uhr, Sa 11-13 Uhr und 14-16 Uhr.