Ein unverbesserlicher Optimist
Der Israeli Yossi Gross, am 5. Februar 1947 in der ungarischen Hauptstadt Budapest geboren, ist technischer Leiter von Rainbow Medical, einer Investmentgesellschaft, die bereits 15 Start-up-Firmen auf dem Gebiet der Medizinaltechnik lanciert hat. Effektiv ist Gross, der sich selbst als unverbesserlichen Optimisten bezeichnet, der dynamische Geist hinter dem ganzen Unternehmen. Bisher hat er schon fast 600 Patente anmelden lassen – alle im Ausland und nicht in Israel, obwohl Israel weltweit an der Spitze steht, was die Zahl der P atente pro Kopf angeht. Gross, in der Branche oft bewundernd und neidvoll «Serien-Erfinder» genannt, darf für sich in Anspruch nehmen, dass von den insgesamt 30 Unternehmen, die er bisher auf dem Gebiet der medizinischen Ausrüstung auf die Beine gestellt hat, nur ein einziges ein Misserfolg war.
Rund 200 Geräte sind von Gross, der am Haifaer Technion Aeronautik- und Elektroingenieurwissenschaften studiert hat, selber entwickelt worden. «Statistische Modelle zeigen», sagt er, «dass einige unserer Unternehmen eingehen, andere nur eine niedrige Rendite erarbeiten werden, während die Mehrheit letzten Endes sehr rentabel sein wird.» Darunter versteht Gross, dass seine Start-up-Unternehmen innerhalb von zwei bis vier Jahren nach ihrer Gründung das Drei- bis Vierfache des anfänglichen Einsatzes erwirtschaften. «Verglichen mit den maximal fünf Prozent, die ein Investor heute im besten Fall bei einer Bank verdienen kann, lassen sich diese Zahlen durchaus sehen», meint Gross mit einem schelmischen Zwinkern im Auge. Der Milliardenmarkt für medizinische Ausrüstung hat laut Gross ein riesiges Potenzial. «Die Menschen leben immer länger, was die Nachfrage nach medizinischer Versorgung stetig erhöht.» Hinzu kommt, dass die Mitarbeiter von Rainbow Medical für die Entwicklung eines bestimmten Verfahrens zwei bis drei Jahre benötigen und für die Entwicklung einer Apparatur fünf bis maximal 30 Millionen Dollar investieren müssen. In der Pharmabranche dauert es im Vergleich rund zehn Jahre, bis ein Medikament alle Stufen der Entwicklung durchlaufen hat. Die Kosten erreichen dabei aber oft Milliardenhöhe. Gross bezeichnet den Markt der medizinischen Ausrüstung als «rezessionsresistent».
Immer 15 Start-ups
Mit diesem Leistungsausweis machen sich Gross und Rainbow Medical nun auf die Suche nach mehr Kapital. Für die laufenden Aktivitäten sei, wie er tachles gegenüber betont, genügend Geld vorhanden, doch wolle man sich ja nicht auf den Lorbeeren ausruhen. Vielmehr schwebt Yossi Gross und seinem Team die Mobilisierung von zehn Millionen Dollar vor. Das würde gewährleisten, dass sich stets 15 Start-ups in seinem Portefeuille befinden. Unternehmen, die sich etabliert haben, trennen sich jeweils von Rainbow Medical, dafür kommen neue hinzu. Eine Einzelperson kann mit mindestens 500 000 Dollar bei Rainbow Medical investieren, wobei sich mehrere Investoren zu einer Gruppe zusammenschliessen können. Unternehmen oder institutionelle Anleger müssen zu diesem Zweck eine Million aufbringen. Das geistige Eigentum der Investitionen liegt dabei stets bei Rainbow Medical. Im Rahmen der jetzigen Kampagne haben bislang acht Investoren Rainbow Medical ihr Vertrauen ausgesprochen.
Der richtige Zeitpunkt
Die Frage, ob eine globale Wirtschaftskrise wie die gegenwärtige der richtige Moment sei für die Entwicklung neuer Produkte und für einen Appell an das Publikum, in ein Start-up-Unternehmen zu investieren, beantwortet Gross mit einem klaren «Ja, unbedingt». Rainbow Medical entwickle heute neue Verfahren, um bereitzustehen, wenn die Krise sich ihrem Ende zuneigt. «Die Wahl des richtigen Zeitpunktes ist das A und das O unserer Arbeit», meint Gross, der sich an seine Jugend erinnert fühlt, als er gerne radelte. «Nach einer Bergfahrt geht es oft rasend schnell in die Talsohle hinunter. Ein vernünftiger Velofahrer studiert eben auch die Windverhältnisse und die Qualität des Strassenbelags.»
Die Gesellschaften unter der Schirmherrschaft von Rainbow Medical entwickeln Verfahren in Bereichen wie Rückgratbeschwerden, Ophthalmologie, Herzprobleme, Errektionsstörungen, Krebs und Arterienverstopfung. Vor Kurzem führte Gross in der Schweiz Gespräche mit potenziellen Investoren. Diese Gespräche seien positiv verlaufen, betont er; allerdings seien die Schweizer Interessenten noch nicht mit dem «Scheckbuch in der Hand» angerückt. «Für das Schweizer Publikum, nicht zuletzt für Mitglieder der jüdischen Gemeinschaft», meinte Gross zum Abschluss, «bietet sich mit Rainbow Medical die Gelegenheit, eine Partnerschaft mit einer dynamischen und erfahrenen Investmentgesellschaft einzugehen.»