Ein Meister der Glaskunst
Wer die Glaskunst von Barak Uranovsky betrachtet, dem fällt sofort der Farbenreichtum auf, der das Werk des 1972 in Kapstadt geborenen Künstlers ausmacht. 1990 emigrierte der junge Mann nach Israel, wo er heute mit seiner Frau und seinen fünf Kindern im Süden des Landes lebt. Uranovsky bearbeitet vor allem buntes Glas. Für seine Arbeit wendet er das sogenannte Floatglas-Verfahren an, wobei echtes Antikglas neu verarbeitet wird, indem es eingeschmolzen, abgekühlt und anschliessend neu bearbeitet wird. «Nur mundgeblasenes Glas hat die Beschaffenheit, die ich für die spezielle Farbgebung meiner Arbeiten benötige», betont Uranovsky. «Nur an diesem Objekt kommt die enorme Bandbreite der von mir gewählten Farben wirklich zur Geltung.»
Religiöse Motive
In der vergangenen Zeit hat sich der Glaskünstler auch auf religiöse Motive spezialisiert, ein Beispiel dafür ist eine auf Glas gemalte Menora, von der Uranovsky sagt: «Dies ist das erste Werk, in dem ich mich selbst absolut wiederfinde, da ich mich in ihm ausdrücken konnte.» Immer mehr fokussiert er sich auf jüdische Motive, und so hat er zahlreiche Fensterbilder für Synagogen gestaltet. Uranovskys Bestreben ist es, eine wahrhaftige jüdische Kunstform zu kreieren, eine einzigartige Kunstform, die in ihrer Bestimmung rein jüdisch ist. Er sagt: «Ich versuche Kunst zu schaffen, bei deren Anblick man Jüdischkeit spürt. Ich fühle mich sehr mit dem Judentum verbunden und möchte dies auch in meiner Kunst ausdrücken.» Weiter betont er, dass es ihm nicht darum gehe, Kunst zu machen, die jüdisch sei, sondern «echte jüdische Kunst. Kunst, die jüdisch ist in ihrer Idee, in ihrem Thema, in ihrem Gefühl und auch in ihrer Methode.» Uranovsky beruft sich auf Marc Chagall, von dessen Kunst er sagt: «Auch wenn ich ein nicht jüdisches Motiv von Chagall betrachte, so fühlt sich seine Kunst für mich doch immer jüdisch an.»
Ein Beispiel für den jüdischen Aspekt in Uranovskys Kunst ist ein Glasgemälde, das aus zwölf einzelnen Bildern besteht, und das er für eine Schule geschaffen hat (vgl. Foto). Hier steht die jüdische Familie im Mittelpunkt seiner Arbeit, neben Sara als «erster Mutter» lässt Uranovsky auch Isaac, Abraham, Rebecca, und Jacob in seinem Werk lebendig werden. Eine spezielle Bedeutung hat für den Künstler in diesem Werk auch Rachel, die «als ewige Mutter Israels darauf wartet, dass ihre Kinder nach Hause kommen. Sie symbolisiert für mich die Macht des Gebets und die Hoffnung auf eine bessere Zukunft», sagt er gegenüber tachles. Ihm liegt viel an diesem Kunstwerk, in dem die jüdische Familie mit ihrer Liebe und ihrer Hingabe untereinander im Zentrum steht. Er betont: «Es geht mit auch darum, den Kindern die Bedeutung der Kontinuität jüdischer Werte von Generation zu Generation weiterzugeben.»
Ein weiteres Beispiel für jüdische Kunst findet sich im amerikanischen Cleveland, wo Uranovsky Fenster für die dortige Synagoge in Gedenken an das Pogrom 1919 in Russland gestaltet hat. Auf dem ersten Fenster ist eine Szene typischen jüdischen Lebens aus dieser Zeit zu sehen, auf einem anderen Fenster schliesslich wird das «Desaster», so der Künstler, dargestellt: «Ich zeige das Dorf in Flammen, eine zerbrochene Geige und die brennende Synagoge. Und über allem tanzt der Rabbiner, kurz bevor alles um ihn herum zerstört wird.» Auch diese Fensterarbeiten sind sehr ausdrucksstark und verkörpern das, was Uranovsky unter «echter jüdischer Kunst» versteht.
Das Geheimnis der Farbe
Barak Uranovsky gestaltet aber auch nicht religiöse Motive aus Glas, so ist er zum Beispiel auch für die Glashütte Lamberts Waldsassen tätig. Sein Können ist vielseitig, und er ergänzt die Produktpalette des deutschen Unternehmens, das sich der «Kunst, Glas zu machen» verschrieben hat. Passend zu Uranovskys farbenfrohen Bildern spricht Glashütte Lamberts Waldsassen von einem «Geheimnis der Farbe», die mehr als 5000 verschiedenen Farbtöne werden nach bestimmten Rezepten von sogenannten Schmelzermeistern gefertigt. Durch die Verwendung von Eisen, Kupfer, Nickel und anderen Metallverbindungen bis hin zu Silber und Gold erziel die Glashütte Lamberts Waldsassen eine nahezu unbegrenzte Palette an Farben. Kleinste Nuancen verändern die Konsistenz des Objekts, das dem Künstler scheinbar unbegrenzte Möglichkeiten in seinem Schaffen bietet. Glashütte Lamberts Waldsassen ist unter anderem spezialisiert auf die Herstellung von Echt-Antikgläsern, die traditionell in Kirchenfenstern, aber auch in öffentlichen und privaten Gebäuden eingesetzt werden – so auch die Arbeiten von Uranovsky, der ebenso wie die Glashütte betont, dass die individuelle Produktion und die mundgeblasenen und handgefertigten Produktionen nicht vergleichbar mit industriell hergestelltem Glas seien. Und passend zu dem Traditionsbewusstsein Uranovskys ist auch die Philosophie des Unternehmens, dass auf die seit 2000 Jahren bestehende Kunst des Glasblasens verweist und heute aus Echt-Antikgläsern nach traditioneller Handwerkskunst «Klassiker von morgen» schaffen möchte.
Weitere Informationen unter
www.barakuranovsky.com und unter
www.lamberts.de.