Ein hohes Risiko

September 12, 2008
Israels Geheimdienste fürchten Entführungsversuche der Hizbollah-Miliz gegen ehemalige hohe IDF-Offiziere, die heute vorwiegend im Rüstungsbereich in muslimischen Staaten des Nahen Ostens tätig sind. Diesen Personen ist dringend nahegelegt worden, diese Länder unverzüglich zu verlassen.
<strong>Angst vor der Hizbollah-Miliz</strong> Der israelische Geheimdienst bef&uuml;rchtet, dass die Ermordung Imad Mughniyes ger&auml;cht wird

Israels Geheimdienste fürchten Entführungsversuche der Hizbollah-Miliz gegen ehemalige hohe IDF-Offiziere, die heute vorwiegend im Rüstungsbereich in muslimischen Staaten des Nahen Ostens tätig sind. Diesen Personen ist dringend nahegelegt worden, diese Länder unverzüglich zu verlassen.

Israels Ängste vor Racheaktionen der Hizbollah-Miliz für die Ermordung Imad Mughniyes mit Hilfe eines an einem Auto angebrachten Sprengsatzes im vergangenen Februar in Damaskus sind nicht verflogen. Im Gegenteil: Weil sie Mordanschläge oder Entführungsversuche gegen sich aus Geschäftsgründen in muslimischen Staaten aufhaltende ehemalige hohe IDF-Offiziere und Angehörige anderer Sicherheitsorgane fürchten, haben israelische Geheimdienste die betreffenden Personen dringend aufgefordert, diese Länder unverzüglich zu verlassen.

Gemäss einer kuwaitischen Zeitung, die israelische Informationen als Quelle angibt, sollen sieben Israeli, die sich in einem der betreffenden Länder aufhalten, aufgefordert worden sein, dieses sofort zu verlassen. Dem Vernehmen nach arbeiten heute rund 15 israelische Firmen in muslimischen Staaten im Nahen Osten, vorwiegend im Sicherheitsbereich. Wegen der Präsenz einer starken schiitschen Bevölkerung, der Nähe zu Iran und der Tatsache, dass die iranischen Geheimdienste dort praktisch ungehindert arbeiten können, gelten die genannten Staaten, wie «Haaretz» am Mittwoch schreibt, aus israelischer Sicht als besonders risikobehaftet.

Persönliche Warnungen

Imad Mughniyeh galt als Generalstabschef der Hizbollah, der die meisten gegen Israel gerichteten militärischen Aktionen der Miliz der letzten Jahre geplant hatte. Ausländische Quellen haben das Attentat gegen den Mann wiederholt dem Mossad-Geheimdienst in die Schuhe geschoben.

Die geheimdienstlichen Warnungen sind zwar allgemeiner Natur, doch ihre Dringlichkeit reichte aus, diese Woche in allen israelischen Medien gewichtige Schlagzeilen zu verursachen. «Haaretz» enthüllt, dass Verteidigungsminister Ehud Barak sein Ministerium angewiesen habe, Geschäftsleuten mit «Sicherheits-Vergangenheit» die Reise in Länder mit hohem Entführungsrisiko gesetzlich zu verbieten. Nach eingehenden Beratungen ist man offenbar aber zum Schluss gelangt, sich mit persönlichen Warnungen an jeden der Betroffenen zu begnügen. Die meisten der potenziellen Entführungsopfer arbeiten laut israelischen Medienberichten für die Firma AGT, die dem ehemaligen Israeli Matti Kochavi gehört und die auf den Verkauf hochmoderner israelischer Waffensysteme spezialisiert ist.

Strategisch vorteilhaft?

Auf der Kundenliste von AGT sollen auch einige arabische Staaten stehen, die keine diplomatischen Beziehungen zu Israel unterhalten. Dass die zuständigen Stellen in Jerusalem den Verkauf der Waffensysteme an die erwähnten Araberstaaten trotzdem bewilligt haben, ist offenbar darauf zurückzuführen, dass hochrangige Stellen im israelischen Verteidigungsestablishment die Stärkung pro-amerikanischer Staaten in der arabischen Welt als strategisch vorteilhaft für Israel einschätzen.

Jacques Ungar