Ein Hauch von Paris am Mittelmeer
Das Modegeschäft von Helga Gottesdiener Kook könnte auch am schicken Rodeo Drive in Los Angeles oder an der Fifth Avenue in New York liegen. Auf 450 Quadratmetern Fläche und zwei Stockwerken führt die gebürtige Münchnerin am Tel Aviver Hamedina-Platz ein Modehaus mit exklusiven Luxusmarken. Wer in Israel Kleider oder Accessoires von Prada, Miu Miu, Marc Jacobs, Emilio Pucci, Diane von Furstenberg, Vera Wang oder Yves Saint Laurent tragen will, der bekommt diese nur bei Helga Design. «Die Marken gibt es exklusiv bei mir, ich will keinen Konkurrenzkampf mit anderen Läden. Das ist so ein kleines Land, hier ist kein Platz für mehrere Verkäufer, die dieselben Marken anbieten», sagt Gottesdiener Kook,
Helga Design verkauft fast nur ausländische Marken, israelische Designer finden sich hier so gut wie keine. Dennoch glaubt Gottesdiener Kook an die israelische Designszene und unterstützt Newcomer, knüpft Kontakte und vermittelt junge Talente an Firmen ins Ausland. Die Shenkar-Schule für Design habe ein hohes Niveau und es gäbe unter den israelischen Designern viele mit Potenzial. «In Israel ist sehr viel Talent da, aber die jungen Designer müssen ins Ausland, um wirklich bekannt zu werden.» Andererseits sei der israelische Stil meistens auch nicht das, was man aus Europa kenne; sie nennt die Brautmode-Designerin Galit Levi, die «bis zu einem gewissen grad den israelischen Stil verkörpert; es fehlt ein bisschen Klasse, alles ist ein bisschen vulgär». Gottesdiener Kook sagt: «Ich habe eine europäische Einstellung zur Mode und das mögen die Leute vielleicht auch bei mir – dass ich meinen europäischen Geist mitbringe.» Einen Geist, der in Israel in Sachen Kleidung noch immer fehlt und sich erst langsam und auch nur in Tel Aviv durchsetzt. Auch nach über 20 Jahren in Israel ist Gottesdiener Kook noch immer erstaunt darüber, wie Israeli manchmal auf Hochzeiten oder anderen Festen erscheinen. «Es geht um Respekt gegenüber den Gastgebern. Da kleide ich mich festlich und komme nicht in Jeans.»
Hauptsächlich Stammkunden
In den letzten zehn Jahren, so erzählt Helga Gottesdiener Kook, habe sich Tel Aviv stark entwickelt, vor allem die Gastronomie- und Kulturszene, und damit auch der Wunsch der Leute nach mehr Stil und Klasse – auch bei der Kleidung. «Die Leute suchen das internationale Flair», erzählt Gottesdiener Kook. Ihre Kunden, die zu 70 Prozent lokale Stammkunden seien, aber auch aus den USA, Deutschland, Kanada, Australien und Frankreich kämen, legten zudem Wert auf gute Beratung und Diskretion. An die internationalen Modemessen in Paris, Mailand oder New York reist Gottesdiener Kook immer mit ihrem Mann Teddy, der für die Administration zuständig ist, und einem ihrer Angestellten. Diese sollen damit einen internationalen Blick auf die Mode kriegen, Kombinationsmöglichkeiten aufschnappen und neue Inspirationen mitnehmen, um später die Kunden besser beraten zu können. Bei Helga Design wird kein «total look» verkauft, das heisst, Kunden werden nicht von Kopf bis Fuss mit nur einer Marke eingekleidet, sondern es wird gerne kombiniert: ein Top von Prada, die Hose von Yves Saint Laurent, der Gürtel von Marc Jacobs.
Neue Designer entdecken
Gibt es Namen, die ihr nie in den Laden kämen? Gottesdiener Kook verneint klar: «Es gibt nichts, was ich nie einkaufen würde, es gibt nur Firmen, die sehr unsympathisch sind. Vor 20 Jahren gab es auch einige, die sagten, Israel, nein, das ist nicht auf unserer Liste. Zu solchen Firmen gehe ich nie wieder. Was ich allerdings gerne hätte, das wäre Chanel, aber die verkaufen nur in ihren eigenen Läden.» Gottesdiener Kook, die in der Modebranche gross geworden ist und in München an der Meisterschule für Mode das Metier von der Pike auf gelernt hat, später in Belgien ihr eigenes Modegeschäft geführt hat und dann ihren Kindern zuliebe nach Israel kam, ist eine energische Frau, ehrgeizig und gewillt, ihren Kunden den bestmöglichen Service zu bieten. «Ich möchte immer die Erste sein», sagt sie und nennt als Beispiel den jungen amerikanischen Designer Philip Lim, der den Modepreis gewonnen hat und den sie exklusiv nach Israel bringt. «Es macht grossen Spass, neue Designer zu entdecken, zu warten, bis sie so weit sind, dass sie produzieren können, und dann dabei zu sein. Das suche ich, alte Hüte interessieren mich nicht.» Weiter sagt sie: «Was mir gefällt, kommt in meinen Laden, ich gehe nicht nach Trends, sondern nach Intuition. Es gibt keine Regeln, nur Bauch- und Fingerspitzengefühl. Ich kaufe instinktiv ein, was mir gefällt.»
Der Besuch bei Helga Design ist beendet, sie muss los, die letzten Dinge erledigen, bevor sie am nächsten Morgen schon wieder ins Ausland fliegt. Der Einkauf für die Frühlings-/Sommerkollektion 2010 steht an, die Kauflust der Leute ist ungebremst, trotz Wirtschaftskrise. «Die Leute in Israel sind sich Krisen gewöhnt, hier gibt es alle paar Jahre einen Krieg oder einen Börsencrash; es bringt sie nichts so schnell mehr aus dem Konzept. Die Leute hier haben einfach Lust zu leben.»