Ein Geschenk des Himmels
Das vor über 35 Jahren vom jüdischen Gemeindedachverband Argentiniens AMIA gegründete Beschäftigungsprogramm hat sich für Tausende von Bürgerinnen und Bürgern als Geschenk des Himmels erwiesen. Wie dies für die meisten AMIA-Programme gilt, waren auch hier die Begünstigten keineswegs nur Juden. «Die AMIA», sagte Staatspräsidentin Cristina Fernández de Kirchner vor rund 800 Gästen des Spendendinners für die Organisation in Buenos Aires, «ist eine ausgezeichnete Partnerin dieser Regierung: das AMIA-Beschäftigungsprogramm legt Ehre ein für alle Argentinier.»
Hilfe für alle
Das Beschäftigungsnetzwerk, heute das grösste in ganz Argentinien, begann 1974 als Teil des Departements für soziale Dienstleistungen der AMIA, im Bestreben, erstens arbeitslosen Juden bei der Jobsuche zu helfen und zweitens jüdischen Unternehmern die Suche nach Angestellten zu erleichtern. Während der argentinischen Wirtschaftskrise in den späten neunziger Jahre wuchs das Programm rapide und der Kreis der Begünstigten weitete sich bald auf Nichtjuden aus. Auch während der Krise von 2001 erwies sich das Programm als eminent wichtig, als Argentinien eine Arbeitslosenquote von 25 Prozent hatte und rund 40 Prozent der Bevölkerung des Landes unter der Armutsgrenze lebten.
«Man muss kein Mitglied der jüdischen Gemeinde sein, um von diesem Dienst zu profitieren», sagte Pablo Devita, der durch die AMIA einen Arbeitsplatz fand. «Das ist sehr bemerkenswert.» Während der Wirtschaftskrise von 2001 unterstützte die Inter-American Development Bank das Programm mit rund 3,5 Millionen Dollar. Die Hälfte der Summe steuerte der Multilateral Investment Fund der Bank bei, der Rest kam von der AMIA. Zwischen 2002 und 2008 wurden 16 000 Arbeitnehmer bei über 9000 Firmen untergebracht. Heute betreibt das Beschäftigungsnetz zehn Büros in ganz Argentinien. Für das laufende Jahr beträgt das Budget rund eine Million Dollar. Darüber hinaus arbeitet das Programm mit Gesellschaften und nicht staatlichen Organisationen bei gemeinsamen Aktionen, mit denen Arbeitslose unterstützt werden sollen.
Juan Heredia war einer der Arbeitslosen, der durch die AMIA eine neue Stelle fand. «Wir sind keine Juden», sagt seine Frau Silvina, «und keiner fragte uns nach unserer Religion. Ich bin der Stellenvermittlung der jüdischen Gemeinde sehr dankbar.» Juan war zwei Jahre lang ohne Arbeit. «Juan hat durch seinen neuen Job nicht nur sein Selbstvertrauen wiedergefunden», meinte Silvina. «Wir konnten dadurch auch unser Haus behalten.»
Eine Erfolgsstory
Heute bedienen sich rund 10 000 Menschen pro Jahr der unentgeltlichen Dienstleistungen und Workshops des Programms, und etwa 2000 – im Durchschnitt neun pro Tag – finden durch diese Einrichtung eine Anstellung. Das Beschäftigungsnetz verfügt über eine Datenbasis von über 600 000 Arbeitssuchenden. Zu den speziellen Instrumenten des Hilfswerks gehört das Subsidized Employment Program, das Arbeitslose, die sich bei der AMIA eingeschrieben haben, mit Personal suchenden Firmen zusammenbringt. Für die ersten sechs Monate subventioniert das Programm 30 Prozent der Löhne für neue Angestellte und deckt auch die Rekrutierungskosten. Von der AMIA zur Verfügung gestellte Experten interviewen Kandidaten und prüfen deren Eignung aufgrund der Bedürfnisse der suchenden Firmen. Die Experten präsentieren den Gesellschaften ihre Ergebnisse und aufgrund dieser Informationen entscheiden die Firmen sich für diejenigen Kandidaten, welche sich am besten eignen. Seit 2004 haben rund 1500 Personen, die sich an die AMIA zwecks sozialer Unterstützung und Nahrungsmittelhilfe gewandt hatten, zum Schluss auch einen Job durch das Programm gefunden. Bedürftige Personen, die eine angebotene Arbeit zurückgewiesen haben, werden von der AMIA von der Empfängerliste für Sozialhilfe gestrichen.
Ein Rollenmodell
Das Beschäftigungsprogramm ist zu einem Modell für Stellenagenturen geworden, wie Ernesto Tockler, Direktor des Arbeitsdepartements der AMIA betont: «Wir sind zu einem Rollenmodell geworden, was unser Auftreten betrifft, die von uns sowohl den Gesellschaften als auch den Kandidaten offerierten Dienstleistungen, unsere Effizienz, aber auch unsere Fähigkeiten, für Suchende einen Arbeitsplatz zu finden.»
Die Wichtigkeit des Programms für die argentinische Wirtschaft wurde durch die Tatsache unterstrichen, dass am Galadiner neben Präsidentin Kirchner auch die Minister für Justiz, Erziehung, Äusseres und Arbeit zugegen waren. Ebenfalls anwesend waren Staatsanwalt Alberto Nisman von jener Einheit, welche den blutigen Anschlag von 1994 auf das AMIA-Gemeindezentrum in Buenos Aires untersucht, und Daniel Gazit, israelischer Botschafter in Argentinien. Am Diner verkündete AMIA-Präsident Guillermo Borger die Unterzeichnung eines Abkommens mit dem Arbeitsministerium des Landes, das die Ausweitung des Beschäftigungsprogramms auf ganz Argentinien vorsieht.