Ein etwas anderer Aspekt Israels
Als der israelische Ableger der Firma Intel eine neue Strategie vorschlug, welche die Geschwindigkeit von Laptop-Computerchips wesentlich erhöhen würde, bekundete die amerikanische Leitung des Konzerns kein Interesse. Das Projekt wurde eingemottet.
Die Erfinder liessen nicht locker. Mit israelischer Chuzpe reisten sie immer wieder ins kalifornische Santa Clara, wo sie in den Direktionsetagen von Intel vorsprachen. Schliesslich gaben die Amerikaner nach, und als der neue Chip Centrino auf den Markt gelangte, lobte man ihn weitum als wichtige Erfindung. Er wurde für Intel zum Meilenstein im Bereich der noch schnelleren und noch kräftigeren Chips.
Lob von allen Seiten
Die Anekdote ist eine von Dutzenden von Geschichten aus dem Buch «Start-Up Nation», das der israelische Journalist Saul Singer zusammen mit Dan Senor herausgegeben hat. Senor war aussenpolitischer Berater in der letzten Bush-Administration. Die Autoren versuchen, die Hintergründe für den Erfolg Israels in den Bereichen Innovation und Unternehmertum zu beschreiben.
Seit der israelische Rat für auswärtige Angelegenheiten – Senor ist dort in der Abteilung für Nahost-Studien tätig – das Buch im letzten November publizierte, hat es viel Aufmerksamkeit auf sich gezogen und Israel grosses und vor allem uneingeschränktes Lob eingebracht. Israel wird in Buchkritiken als nachahmenswertes Beispiel genannt. «Start-Up Nation» gelangte in die Bestsellerlisten der «New York Times», des «Wall Street Journal» und der «Washington Post». Das Buch wurde auch im Magazin «Newsweek», in «Times», «Forbes» und auf CNN erwähnt und wurde auch in Singapur ein Bestseller. Die ARD setzte es in den Mittelpunkt einer Sendung über die israelische Wirtschaft. Bisher ist das auf Englisch verfasste Buch ausserdem auf Chinesisch, Russisch und Hebräisch übersetzt worden.
Israelische Chuzpe
Während Israel mit begrenztem Erfolg versucht, sein politisches Image zu verbessern, fördert das Buch ein positives Bild des Staates, ohne den Konflikt dabei zu ignorieren. Im Gegenteil: Der Konflikt wird als einer der Gründe für Israels Erfolg genannt. Die ziemlich unhierarchische Struktur der Armee sowie das reife und selbstbewusste Auftreten, das die Armee die Soldaten lehrt, sind nach Meinung der Autoren wichtige Faktoren für die Festigung des israelischen Unternehmertums. Die Animositäten, die Israel von verschiedenster Seite entgegengebracht werden, werden als Grund für israelischen Einfallsreichtum präsentiert. Die Ängste ausländischer Investoren, in ein Land zu investieren, das ständig am Rand eines Kriegs zu stehen scheint, spornen die Israeli an, ihnen zu zeigen, dass Israel ein lohnender Standort ist. «Die Leute sind es müde», sagt Singer, ein Kolumnist der «Jerusalem Post», «Israel nur durch die Brille des Konflikts zu betrachten. Sie wollen auch einmal eine andere Seite des Landes kennenlernen. Diese grossartige Story haben die zahllosen den Nahen Osten behandelnden Journalisten bisher links liegen gelassen.» Der mit Singer verschwägerte Senor will vielleicht als Republikaner in New York für den Senat kandidieren.
«Start-Up Nation» untersucht die Elemente der israelischen Kultur, die das Land zum idealen Inkubator für Innovationen und Unternehmertum machen. Zu den Faktoren zählt nach Ansicht der Autoren die bescheidene Grösse Israels ebenso wie der Mangel an natürlichen Ressourcen, die allgegenwärtige Armee und natürlich israelische Charaktereigenschaften wie Chuzpe, Informalität und Beharrungsvermögen.