Ein altes Problem wird wieder akut

von Yuval Azoulay und Anshel Pfeffer, September 17, 2009
Sollen Angehörige von gefallenen israelischen Soldaten in Kampfeinheiten dienen dürfen? Der tragische Tod des Fliegerleutnants Assaf Ramon hat die Debatte rund um diese Frage erneut aufflammen lass
GROSSE TEILNAHME Der Tod Assaf Ramons hat zu einer öffentlichen Debatte geführt

Der Absturz von Assaf Ramon während eines Trainingsflugs hat eine alte Diskussion neu belebt: Soll es Angehörigen von Familien, die bereits einen Todesfall im Militär zu beklagen haben, erlaubt sein, sich freiwillig zu einer Kampfeinheit zu melden, falls mindestens ein Elternteil zustimmt? 
Premier Binyamin Netanyahu sprach in einem Interview von einem «schrecklichen Dilemma, auf das wir keine Antwort haben».

Schwierige Entscheidung

Vor 25 Jahren war Eli Debi aus Haifa vor der schwierigen Entscheidung gestanden, ob er einer IDF-Kampfeinheit beitreten soll oder nicht. Die Wahl lag bei ihm und nicht bei der Armee, denn sein Bruder war bereits auf dem Golan gefallen, viele Jahr nachdem sein Onkel ebenfalls als Soldat im Kampf ums Leben gekommen war. «Ich war 17 Jahre alt», erinnert sich Eli, «als mein Bruder umkam, und damals wollte ich nichts anderes, als der härtesten Kampfeinheit beizutreten, die es gibt.» Es gelang ihm, seine Eltern, die noch immer trauerten, zu überzeugen, so dass sie die Sondergenehmigung unterschrieben, die es ihm erlaubte, der prestigeträchtigen 
Pilotenschule der Luftwaffe beizutreten. Später verliess er diese allerdings wieder und leistete als Kontrolleur des Luftverkehrs Dienst. Das Drama rund um Assaf Ramon hat die ganze Diskussion wieder an die Oberfläche gebracht. «Mein Vater arbeitete als Zivilist für die Armee», erklärt Eli, «und der Militärdienst war in unserem Haus sakrosankt. Als ein Offizier, der uns einen Kondolenzbesuch abstattete, mir sagte, ich müsste nicht in einer Kampfeinheit dienen, wollte mein Vater ihn die Treppe hinunterwerfen. Dennoch war der Entscheid vor allem für meine Mutter alles andere als leicht; doch ich wollte unbedingt in die Pilotenschule gehen, und so konnte sie wenig dagegen tun. Sie war hin und her gerissen zwischen meinem Wunsch zu dienen und ihren Bedürfnissen als trauernde Mutter.»
Seit drei Jahren leitet Debi die gemeinnützige Bewegung «Forever, Brother», die sich darum bemüht, die rechtliche Situation von Brüdern und Schwestern gefallener Soldaten zu verbessern. Für ihn steht fest, dass es nicht alleine von den Eltern abhängen darf, ob ein angehender Soldat in einer Kampfeinheit dienen kann.

Komplett verbieten?

Vor dem Hintergrund der Tragödie der Familie Ramon will der Abgeordnete Nahman Shai (Kadima) eine Debatte in der Knesset lancieren, ob es möglich ist, die Rekrutierung von Jugendlichen wie Assaf Ramon für Kampfeinheiten schlicht zu verbieten. «Israel ist reif genug», meint er, «damit zu leben, und die Sicherheit des Staates würde nicht darunter leiden. Ich bin sicher, dass die meisten Mütter den Vorschlag begrüssen würden, und ich hoffe nur, dass sich das Verteidigungsministerium nicht querlegen wird.» Aus Kreisen der Armee verlautete allerdings, dass eine Änderung der geltenden Verordnungen trotz der öffentlichen Debatte unwahrscheinlich sei. Einige Versuche in dieser Richtung seien in der Vergangenheit entweder durch die Familien selber oder juristischen Widerstand im Parlament zu Fall gebracht worden.