Ehud Barak unter starkem Druck
Leute aus Ehud Baraks innerem Kreis versuchen seit langem schon, den Premier angesichts der hohen Unwahrscheinlichkeit, dass er die kommenden Wahlen gewinnen kann, die Führungsrolle Shimon Peres zu überlassen. Nur so können nach Ansicht erwähnter Kreise in einer «letzten Anstrengung der Friede und die Arbeitspartei gerettet werden». Im Wahlkampf-Hauptquartier Baraks demgegenüber dementiert man, dass der Premier von engen Vertrauten aufgefordert worden sei, seine Kandidatur zurückzuziehen. Wer dieses Thema zur Diskussion bringe, so heisst es, würde Baraks Chancen untergraben und Ariel Sharon helfen. Gemäss den Aussagen eines Strategen im Lager Baraks glaubt der Premierminister, dass Sharon im Falle eines Wahlsieges sich nicht lange an der Macht werde halten können. Die Gewalt, die in den Gebieten infolge des stagnierenden Friedensprozesses ausbrechen wird, werde Sharons Position erschüttern. Aus der Umgebung von Shimon Peres wiederum verlautete am Mittwoch, der Minister für regionale Zusammenarbeit würde trotz der kurzen Zeit, die bis zu den Wahlen verbleibe, die Rolle des Kandidaten akzeptieren. In privaten Konversationen warnt Peres davor, dass ein Sieg Sharons und eine Rechts-Koalition zum Krieg führen und Israel in eine internationale Isolation drängen würde. Eine Partei, die ihren Kandidaten durch eine andere Person ersetzen will, muss dies bis spätestens morgen Freitag Mittag tun. Sollte Barak bis dann nicht zurückgetreten sein, wird er endgültig am 6. Februar gegen Ariel Sharon antreten.
Haaretz