Ehrung und Auflösung

January 28, 2011

Traurig und dennoch zufrieden schaut Gábor Hirsch auf die letzten 15 Jahre zurück: Mit 24 anderen gründete der heute 81-Jährige 1995 die Kontaktstelle für Überlebende des Holocaust, die 1997 zum Verein wurde und bald 400 Mitglieder zählte. Vor einem Jahr bekam der Verein den Dr. Kurt Bigler/Bergheimer-Preis. Der Verein finanzierte sich nur mit bescheidenen Mitgliederbeiträgen. Noch erhalten 80 Personen Einladungen zu Treffen. Diese Zusammenkünfte werden weiterhin mehrmals jährlich stattfinden, obwohl der Verein aufgelöst wird. «Uns wurden die juristischen Pflichten zu mühsam», sagt Hirsch, «künftig werden wir wieder ein informeller Freundeskreis sein.» Erleichtert wurde diese Entscheidung durch die Zusicherung der Jüdischen Liberalen Gemeinde (JLG) in Zürich, dass die Kontaktstelle bei ihren Treffen wie bisher zu Gast in ihren Räumlichkeiten sein kann. «Sie sind immer herzlich willkommen», sagt JLG-Präsident Alex Dreifuss. «Es ist mir eine grosse Freude, dass sie weiterhin zu uns kommen, ich habe unsere Gastfreundschaft immer als selbstverständlich betrachtet», sagt Nicole Poëll, die frühere JLG-Präsidentin. Umso mehr freute sie sich, am Donnerstag wie Alex Dreifuss und andere Gäste an einer Ehrung der Kontaktstelle im Bundeshaus teilzunehmen. Auch der Präsident des Schweizerischen Israelitischen Gemeindebunds Herbert Winter war anwesend. «Die Kontaktstelle hat eine äusserst wichtige Arbeit geleistet, für die ihr grosser Dank gebührt», sagte er zu tachles. «Sang- und klanglos wollten wir als Verein nicht verschwinden», berichtet Gábor Hirsch. Angeregt durch das Basler Vorstandsmitglied Ivan Lefkovits organisierte das Aussenministerium (EDA) in Bern für den Auschwitz-Gedenktag am 27. Januar einen ehrenvollen Empfang mit alt Bundesrätin Ruth Dreifuss, Botschafter Georges Martin, Chef des Politischen Sekretariats und Vizedirektor der Politischen Direktion im EDA, dem ehemaligen Taskforce-Mitglied Claude Altermatt und weiteren Gästen. Ruth Dreifuss erhielt die ersten zwölf Hefte mit Geschichten von Überlebenden, betreut durch Studierende des Instituts Jüdische Studien der Universität Basel sowie der Schule für Gestaltung in Basel, und die Mitglieder der Kontaktstellte bekamen eine Ehrenmedaille.     [gb]