Ehrung für Ruth Gruber
Mut, Durchsetzungsvermögen und ein unbeirrbarer Gerechtigkeitssinn zeichnen die Journalistin und Fotografin Ruth Gruber aus. Mit ihren Scoops wurde die 1911 in New York geborene Tochter russisch-jüdischer Einwanderer schon mit jungen Jahren weltberühmt. Gruber konnte 1935 als Reporterin der Herald Tribune nach Sibirien reisen und die bis dahin für die Presse unzugänglichen Straflager des Stalin-Regimes besichtigen. Zu Beginn des Zweiten Weltkriegs beauftragte Innenminister Harold Ickes die Journalistin, einen Bericht über Wirtschaft und Kultur in Alaska zu erstellen. Danach leitete sie 1944 die einzige Rettungsaktion der Amerikaner für europäische Juden im Holocaust: Um sie im Falle einer Festnahme durch die Deutschen vor der Hinrichtung zu schützen, wurde Gruber zur Generalin ernannt, ehe sie nach Italien flog. Dort nahm sie tausend jüdische Flüchtline in ihre Obhut, die per Schiff in die USA gebracht wurden. Von deutschen Jagdfliegerun und U-Booten verfolgt, gelangten die Überlebenden sicher in die USA.
1947 berichtete Gruber über das Schicksal des Schiffes Exodus, das mit 4500 Juden aus DP Camps an Bord von den Briten an der Landung in Palästina behindert wurde. Ihre Bilder und Berichte über die Verzweiflung der Holocaust-Überlebenden brachten nicht nur die amerikanische Öffentlichkeit gegen die britische Palästina-Politik auf.
Ehe sie Reporterin wurde, hatte Gruber selbst Schlagzeilen gemacht. Schon als kleines Mädchen von einer Karriere als Autorin träumend, gewann Gruber zunächst ein Stipendium in den USA und wurde danach 1931 von der Universität Köln eingeladen. Dort erwarb sie binnen eines Jahres mit einem Arbeit über Virginia Woolfe einen Doktortitel. Als «jüngste Frau Doktor der Welt» gefeiert, erlebte Gruber 1932 in Deutschland einen Auftritt Hitlers, der sie von der Bösartigkeit der Nazi-Bewegung überzeugt hat.
Die mutige Journalistin hat am 30. September in New York ihren Hundertsten Geburtstag gefeiert. Vor wenigen Tagen hat der New Yorker Journalistin-Klub «The Silurians» die Reporert-Legende mit einem Preis für ihr Lebenswerk geehrt. The Silurians sind der älteste Verein dieser Art in den USA und zählen neben prominenten Print-Journalisten auch zahlreiche Reporter für TV und Radio zu ihren Mitgliedern. Die greise Preisträgerin gab ihren Kollegin mit zarter, aber klarer Stimme den Auftrag: «Wir müssen mit ganzer Kraft und sämtlichen Werkzeugen unseres Berufs für Frieden und Gerechtigkeit kämpfen!» [AM]
Der TV-Journalist und Produzent Allan Dodds Frank hat Grubers bewegende Worte aufgezeichnet: http://www.facebook.com/video/video.php?v=1943990778841&saved