Durch die Archive gewühlt

von Tom Tugend, October 9, 2008
Rund 100 000 Unterlagen, die Auskunft erteilen über von den Nazis geraubte Wertsachen, sind auf eine Web Site aufgenommen worden, die Holocaust-Opfern und deren Erben hilft. Zusammen mit dem Wiesentahl-Zentrum gab dies die Organisation «Risk International Services» dieser Tage an einer Pressekonferenz in New York bekannt.
Der Schrecken auf Papier: Dokumente über geraubte Wertsachen im Internet. - Foto PD

Informationen über die rund 100 000 Unterlagen im Zusammenhang mit Nazi-Raubgut, die aus Archiven in Berlin, Frankfurt und Hamburg gewonnen werden konnten, sind unter der Adresse www.LivingHeirs.com einsehbar. Das Projekt Living Heirs und die Web Site wurden vor einem Jahr als ein Gemeinschaftsunternehmen des Wiesentahl-Zentrums, der Risk International, der jüdischen Genealogie-Organisation «Avotaynu» und «MyFamiliy.-com», einer Gesellschaft zur Publikation von Familiengeschichten, eingerichtet.
Darüberhinaus haben nach Angaben von Terrell E. Hunt, dem Präsidenten von Risk International, Archive in Rom die Namen von 5000 italienischen Juden zur Verfügung gestellt, die während des Krieges in Italien um ihre Besitztümer gebracht worden sind. Weitere 2500 Namen konnten Listen von drei deutschen und schweizerischen Versicherungsgesellschaften entnommen werden.
Da die 100 000 deutschen Dokumente nicht indexiert worden sind, müssen pozentielle Erben ihre Familiennamen auf der Web Site eingeben und um Informationen nachsuchen. Risk International verlangt eine Gebühr von 55 Dollar, um die Dokumente zu lokalisieren, abzurufen, durchzusehen und zu liefern.
Nach Angaben von Hunt betreffen viele der deutschen Unterlagen versichertes jüdisches Besitztum, das in der Reichs-Pogromnacht vom 9. November 1938 zerstört worden ist. Risk International will ähnliche Suchaktionen in Archiven auch in der Schweiz, Tschechien, Frankreich, Holland und Polen durchführen. Rabbi Abraham Cooper vom Wiesenthal-Zentrum fordert Deutschland und Italien auf, alle Unterlagen offenzulegen, die mithelfen können, das finanzielle Bild der Holocaust-Zeit wiederherzustellen.

JTA