«DSK» und das Judentum
Die Verhaftung von Dominique Strauss-Kahn in New York hat in Frankreich ein politisches Erdbeben ausgelöst und seine Chancen als sozialistischer Herausforderer von Präsident Nicolas Sarkozy zerstört. Dass der Präsident des Internationalen Währungsfonds eine Hotelangestellte missbraucht haben soll, erschüttert aber auch die jüdische Gemeinschaft Frankreichs. Strauss-Kahn ist eine nationale Institution und wird in der Öffentlichkeit meist als «DSK» bezeichnet. Er hat aus seinem Stolz auf seine jüdische Herkunft nie einen Hehl gemacht und bot damit einen starken Kontrast zu anderen Politikern in Frankreich. Diese pflegen ihre Religion der republikanischen Landestradition folgend im Hintergrund zu halten. DSK hat sich zwar kaum in jüdischen Institutionen engagiert, aber etwa seine Verbundenheit zu Israel betont. So erklärte der prominente Rabbiner Michel Serfaty, die französischen Juden hätten einen Freund verloren. Allerdings galt Strauss-Kahn auch unter jüdischen Vertrauten als «Schürzenjäger». So erklärte der DSK-Freund und stellvertretende Gemeindevorsitzende von Sarcelles im Pariser Norden, Marc Djebali, er selbst habe miterlebt, wie der Politiker eine Frau verführt habe. Doch DSK sei dabei mit Charme und Wärme vorgegangen, nicht aber mit Gewalt. Erste Befürchtungen, dass der mögliche Fehltritt von DSK Antisemiten Auftrieb geben könnten, haben sich jedoch nicht bewahrheitet.
Allerdings dürfte sein Ausscheiden aus dem Rennen um die Präsidentschaft die Chancen der Rechtsnationalistin Marine Le Pen als Sarkozy-Herausforderin deutlich erhöhen. [ta]