Drang nach Wahrheitssuche

von Jacques Ungar, October 9, 2008
Kaum zu glauben, dass seit dem Hinschied des unvergessenen Rabbiners Dr. Roland («Rolli») Gradwohl schon ein Jahr vergangen ist. Am letzten Sonntag lud die Familie zu einem Gedenkanlass in die «Beth Israel»-Synagoge des Jerusalemer Yemin-Moshe-Viertels ein.

Jeder Redner beleuchtete das vielseitige Wirken des Rabbiners, Forschers, Freundes, Kollegen und hingebungsvollen Familienvaters Roland Gradwohl s.A. von einem anderen Blickwinkel her. Die Ausführungen setzten sich wie die Steinchen eines Mosaiks zu einem Gesamtbild zusammen, das dem Verstorbenen die verdiente Ehre einlegte. Das gilt für die emotionalen, persönlich gefärbten und ergreifenden Bemerkungen der Kinder ebenso wie für die Worte Dr. Gabi Cohns, der die Auslegung des Satzes «Sch’ma Israel...» durch Gradwohl in den Mittelpunkt seines Referates stellte. Mit einer echten Trouvaille wartete Dr. Benni Gesundheit auf, dem Gradwohl kurz vor seinem Tode eine besonders tiefschürfende Erklärung bzgl. der Rechtmässigkeit des Handelns der Kinder Israels anvertraute, die beim Auszug aus Ägypten Wertsachen ihrer «Gastgeber» mitnahmen. Die schlichte Feier bewies zweierlei: Einmal wurde mit Roland Gradwohl eine Person viel zu früh von uns genommen, die in ihrem Drang nach der Wahrheitssuche und dem Erforschen und Auslegen der Quellen noch lange unerreicht bleiben wird. Zweitens präsentierten die Gradwohls sich den Anwesenden als eine durch Freud und Leid zusammengeschweisste und gestärkte Familie. Beides möge Esther die nötige Kraft und den Willen verleihen, das Andenken an Roland Gradwohl in aktives Handeln und Wirken zu wandeln.