Diskussion um Autonomie des VSJF
Der Verband Schweizerischer Jüdischer Fürsorgen muss nicht mehr zwingend durch seinen Präsidenten oder seine Präsidentin in der Geschäftsleitung des Schweizerischen Israelitischen Gemeindebunds vertreten sein. Die Delegierten des Dachverbands beschlossen eine entsprechende Statutenänderung.
Mit deutlichem Mehr stimmten die Delegierten des Schweizerischen Israelitischen Gemeindebunds (SIG) einem Antrag von Jules Bloch (Endingen) zu, wonach der Vorsteher oder die Vorsteherin des SIG-Sozialressorts zwar weiterhin auch dem Vorstand des Verbands Schweizerischer Jüdischer Fürsorgen (VSJF) angehören muss, diesen aber nicht mehr zu präsidieren braucht. «Der Vorstand konstituiert sich selbst», lautet die neue Formulierung in den VSJF-Statuten. Bloch begründete seinen Antrag damit, dass es nicht mehr zeitgemäss sei, Strukturen von aussen zu bestimmen.
Nadja Gut von der Israelitischen Cultusgemeinde Zürich (ICZ) bekämpfte die Änderung, die sie in Zusammenhang brachte mit der Diskussion um die Aufhebung der Amtszeitbeschränkung für SIG-Geschäftsleitungsmitglieder. Sie wäre deshalb ein falsches Zeichen für die Jugend: «Wir wollen keine Sesselkleber.» Arthur Braunschweig (ICZ) klärte auf, dass es nicht nur um Prinzipien gehe. Vielmehr würde es die Statutenänderung ermöglichen, dass Gabrielle Rosenstein ihr Amt als VSJF-Präsidentin auch nach ihrem durch die Amtszeitbeschränkung bedingten Rücktritt aus der SIG-Geschäftsleitung (GL) in einem Jahr beibehalten könne. Carolyne Bollag bekräftigte diesen Aspekt seitens des VSJF-Vorstands: «Es geht nicht um Sesselkleberei, sondern um Kontinuität.» Auf die entsprechende Frage eines Delegierten antwortete SIG-Präsident Herbert Winter, die GL habe dazu «keine einheitliche Meinung» – einige Mitglieder sähen in der Änderung kein Problem, andere hätten Bedenken.
Gegenüber tachles zeigte sich Gabrielle Rosenstein erfreut über den Entscheid. Nachdem die frühere VSJF-Präsidentin Doris Krauthammer vor drei Jahren aus der SIG-GL zurückgetreten sei, habe sie ihre Nachfolge in beiden Gremien zunächst zusätzlich zum Kulturressort übernommen, bis sie dieses vor Jahresfrist an Francine Brunschwig abgegeben habe. Inzwischen habe sie enge Kontakte mit der Schweizerischen Flüchtlingshilfe geschaffen und etwa im Bereich der Integrationsarbeit für Jugendliche neue Projekte initiiert, die sie nun weiterführen könne.