Die Sorgenfalten werden tiefer
Israel ist bisher in der derzeitigen weltweiten Finanzkrise im internationalen Vergleich zwar noch ziemlich glimpflich davongekommen, doch auch im jüdischen Staat haben sich die Prioritäten verschoben, und die Sorgenfalten auf den Stirnen von wirtschaftlichen Entscheidungsträgern sind bedeutend tiefer geworden. In einem sind sich die Ökonomen des Finanzministeriums und der Bank of Israel einig: Neben dem möglichen Wegfall von Abertausenden Arbeitsplätzen wäre ein Zusammenbruch des Kreditwesens wohl das Schlimmste, was der israelischen Wirtschaft in absehbarer Zeit widerfahren könnte.
Der Albtraum, der israelischen Wirtschaftsführern dieser Tage den Schlaf raubt, sieht etwa so aus: Ausbruch einer öffentlichen Panik, die in massenweisen Abhebungen des «Mannes der Strasse» von Bankkonten, aber auch von Vorsorgestiftungen resultieren würde. In der Zeitung «Haaretz» entwickelt die Wirtschaftsjournalistin Meirav Arlosoroff folgendes düstere Szenario: «Ein Run auf die Geschäftsbanken würde diese destabilisieren und gleichzeitig das ganze Finanzsystem mit in die Tiefe reissen. Zentralbank und Finanzministerium schätzen aber die Wahrscheinlichkeit einer solchen Panik als gering ein.» Für die ökonomischen Entscheidungsträger ist, wie Arlosoroff weiter ausführt, das Risiko einer seriösen Kreditknappheit, verbunden mit ernsthaften Schäden für die Wirtschaft des Landes, viel grösser.
Notfallpläne und Beruhigunspillen
Die zuständigen Beamten und Experten des Finanzministeriums und der Bank of Israel – den beiden angesichts der Krise heute wohl wichtigsten Institutionen des Landes – wollen möglichst wenig dem Zufall überlassen. Seit Wochen schon bereiten sie Notstandsmassnahmen für den Fall vor, dass eine solche allgemeine Panik trotz allem ausbrechen sollte. Dazu gehören auch die regelmässig von Zentralbankgouverneur Stanley Fischer und Finanzminister Roni Bar-On der Öffentlichkeit verabreichten Beruhigungspillen in Form von Botschaften, gemäss welchen der Staat dem Schutz der Spareinlagen des Publikums gegenüber vollumfänglich verpflichtet sei. Obwohl die gesetzlichen Grundlagen dafür noch nicht vorhanden sind, haben Fischer und Bar-On schon mehrere Male von der Einführung eines Versicherungsprogramms für Spareinlagen gesprochen. Diese Ankündigungen haben nach Meinung von Beobachtern das Publikum beruhigt und massive Abzüge von Geldmitteln von Bankkonten fürs Erste verhindert. Ungewiss ist allerdings, wie lange solche Beruhigungsspritzen ausreichen, um vor allem die Kleinanleger unter Kontrolle und bei Ruhe zu
halten.
Angst vor Panikreaktionen
Was die Furcht vor Panikreaktionen der Kunden von Vorsorgestiftungen betrifft, muss keines der genannten Gremien – Ministerium und Bank – bisher zu konkreten Massnahmen greifen, doch sind laut «Haaretz» diverse Pläne im Gespräch. Im Vordergrund stehen dabei ein Sicherheitsnetz für Rentenersparnisse (also eine garantierte Minimumrendite für solche Ersparnisse) oder Interventionen, um ein weiteres Abbröckeln der Bonds-Preise zu verhindern, indem man solche auf dem Markt aufkauft. Bei der Zentralbank und dem Finanzministerium scheint man dieser Option den Vorzug zu geben, da sie gleichzeitig dazu dienen würde, die Verluste der Vorsorgestiftungen zu bremsen. Am wahrscheinlichsten dürfte man institutionellen Anlegern Anreize offerieren, die sie veranlassen sollen, Bonds auf dem Markt zu erwerben. Wie dem aber sei: Dieser Plan wie auch andere Pläne würden nur im Falle grosser Panikverkäufe und im Fall eines Zögerns potenzieller Käufer in die Tat umgesetzt werden.
Beruhigend wirkt vielleicht auch die Tatsache, dass die verschiedenen Pläne in der Schublade bereit liegen, um im Bedarfsfall rasch herausgezogen werden zu können. Dieser Schritt ist nach Ansicht von Experten und hohen Beamten derzeit aber noch nicht nötig. Für die Zukunft schliesst man jedoch keine der diversen möglichen Entwicklungen aus.