Die sieben Kandidaten
Jedidjah Bollag ist mit 29 Jahren der jüngste der sieben Kandidaten. Der verheiratete Jurist und Praktikant in einer Anwaltskanzlei ist Mitglied der Israelitischen Religionsgesellschaft und hat einen Wirtschafts-Bachelor. Er kocht und liest gerne. Vor zweieinhalb Jahren trat Bollag der SVP bei, weil er sie mit ihrem Ruf nach Eigenverantwortung, Wohlstand, niedrigen Steuern, Sicherheit und Freiheit seinem eigenen Gedankengut sehr nahe fand, unterstützt aber nicht alle SVP-Anliegen («das macht Peter Spuhler auch nicht»). «Ich bin aktiv in meiner Kreispartei und dankbar, dass ich Listenplatz 3 bekam.»
Samuel Dubno erhielt Listenplatz 2. Dem 44-Jährigen gefällt an den Grünliberalen, dass sie ökologische, aber auch marktwirtschaftliche, soziale und gesellschaftsliberale Werte vertreten. Für ihn, sagt er, gibt es «nicht rechts, nicht links, nur vorwärts». Dubno beschäftigen die wachsenden Einschränkungen wie die Datenbank Gamma oder die neue Zürcher Polizeiverordnung. Persönliche Freiheit, aber ohne Anarchie, ist dem Kommunikationsberater wichtig. Er ist mit einer Rechtsanwältin verheiratet, das Ehepaar hat drei Kinder im Alter von 13, 11 und sieben Jahren. Dubno war aktiv im FC Hakoah. Bekannt wurde er in der Israelitischen Cultusgemeinde Zürich (ICZ) durch seine Tätigkeit in den Kommissionen über die Unterrichtsmöglichkeiten für Kinder nicht jüdischer Mütter und – als Präsident – über die Strukturreform der ICZ: «Da habe ich gelernt, zu verhandeln und dann vorne hin zu stehen und Entschlüsse zu vertreten, die vielleicht nicht überall populär sind.»
Alain Moshe Kessler interessiert die Stadt Zürich und er empfindet «Freude und Lust am Mitgestalten». Er ist in Zürich geboren und aufgewachsen. Seit über 20 Jahren lebt er zusammen mit seiner Familie im Kreis 2. Der 50-Jährige Bezirksrichter sieht seinen Schwerpunkt in der Justiz, interessiert sich wegen seiner drei Kinder im Alter von 19, 17 und 15 Jahren aber auch für Bildungspolitik. Wichtig ist ihm der respektvolle Umgang mit Minderheiten. Seine Frau Tal ist seit vielen Jahren im Vorstand des Israelitischen Frauenvereins für den Maon Jom tätig. Sie hat ihren Mann im Vorstand des Minjan Wollishofen abgelöst. Kessler spielte Fussball beim FC Hakoah, gehört jetzt zur J-League und war früher in der Geschäfts- und Rechnungsprüfungskommission der ICZ tätig. Alain Moshe Kessler wurde angefragt, ob er kandidieren würde, sicherlich nicht als Als Alibi-Jude, sondern als jemand, dessen Fähigkeiten und Erfahrungen geschätzt werden. Mit Listenplatz 8 geht er voller Optimismus in die Wahlen.
Ronny Siev ist Politikwissenschafter und Banker, verheiratet und Vater eines zweijährigen Töchterchens. Als ehemaliger Gründungsvorstand der Grünliberalen findet der 36-Jährige, dass seine Partei ins Stadtparlament gehöre. Im Gemeinderat würde er sich für Roadpricing, aber auch für tiefere Steuern einsetzen, «weil es nicht angehen kann, dass die Städter mehr Steuern und mehr für Krankenkassen als im Kanton und den umliegenden Kantonen zahlen müssen». Er hat schon in mehreren Ländern gearbeitet, reist auch gern mit der Familie, und zwar ohne eigenes Auto.
Pawel Silberring-Dym ist glücklich über seinen Listenplatz 6, bald nach vier bisherigen. Das 54-jährige Vorstandsmitglied der SP2 ist Elektroingenieur ETH und Mitinhaber einer kleinen Informatikfirma. Seine liebste Beschäftigung ausserhalb der Familie ist Schachspielen. Er wurde in Polen geboren, als Sohn eines jüdischen Vaters und einer katholischen Mutter. Als Pawel Silberring zwei Jahre alt war, konnte die Familie nach Israel reisen, wo sie zwei Jahre lang lebte, bevor sie nach Zürich zog, wo der Vater eine Stelle als Maschineningenieur antrat. Silberring-Dyms Frau, Sozialpädagogin und Coach, ist Mitglied der ICZ, die Töchter sind 14 und zwölf, und für die jüngere, Mitglied im «Hago», wird gerade die Bat Mizwa geplant.
Mirjam Teitler ist Medienjuristin und hat vor Kurzem die schriftliche Anwaltsprüfung bestanden. Die 32-Jährige arbeitet an der Doktorarbeit und war überrascht, als sie von ihrer Partei angefragt wurde, ob sie auf Platz 7 für den Gemeinderat kandidieren wolle. Ihre Anliegen sind Bildungspolitik und Chancengleichheit. In der Partei fühlte sie sich nie als Fremdkörper, sondern erwünscht: «Judentum ist schliesslich ein lebendiger Bestandteil des Kreises 2.»
Thomas Vesely ist Ersatzrichter am Bezirksgericht Winterthur und Vater von drei Kindern im Alter von sechs, vier und zwei Jahren. Der 31-Jährige ist nicht mehr Mitglied der ICZ. Seit drei Jahren arbeitet Vesely aktiv bei den Grünliberalen in internen Arbeitsgruppen mit, «weil mich der Umweltschutz interessiert, aber nicht die oft extremen Ansichten der Grünen». Die Familie besitzt kein Auto. «Die jüdische Gemeinschaft nehme ich nicht als Minderheit wahr», sagt er, «ich finde auch nicht, dass sie sich als solche selber ausgrenzen sollte, denn sie ist so gut integriert, dass sie einen gleichberechtigten Teil der Gesellschaft bildet.» [gb]