Die Schöpferin des Wickelkleids
Am Anfang dieses glamourösen Lebens stand die Katastrophe des zwanzigsten Jahrhunderts. Diane kam in Brüssel als Tochter einer gehobenen, jüdischen Mittelstands-Familie zur Welt. Ihr Vater, der russischstämmige Leon Halfin, überlebte den Krieg in der Schweiz, während ihre Mutter, Liliane Nahmias, aus Griechenland stammend, von Brüssel zuerst nach Auschwitz-Birkenau, anschliessend nach Neustadt-Glewe, ein Aussenlager des KZs Ravensbrück, deportiert wurde. Als die Russen die 21-Jährige nach 14 Monaten endlich befreiten, wog sie nur noch 29 Kilogramm. Ihr behandelnder Arzt prophezeite ihr damals, dass sie keine Kinder bekommen könne – neun Monate später, am 31. Dezember 1946, kam, entgegen aller Erwartungen, Diane Simone Michelle Halfin zur Welt. «Meine Mutter», so erinnert sich Diane zu Furstenberg, wie sie in Amerika genannt wird, «erzählte mir nie von bösen Dingen. Sogar wenn sie vom Konzentrationslager erzählte, sprach sie von Freundschaft, über die netten Leute, und dass nicht jeder schlecht gewesen sei.» Ganz sicher hat die Tochter den unerschütterlichen Überlebenswillen und die Energie von ihrer Mutter geerbt, und sie betont immer wieder: «Ich bin die Tochter einer Überlebenden, nicht eines Opfers. Ich glaube nicht ans Vergessen – aber ans Vergeben.»
Nachdem die kleine Diane von Brüssel, wo sie ihre ersten Lebensjahre verbrachte, in das bekannte Pensionat Cuche in Lausanne kam, empfand sie diese Veränderung als den Beginn ihres Lebens. Nicht zuletzt deshalb, weil sie dort die Möglichkeit hatte, ihre Persönlichkeit frei zu entfalten, ohne ständig dem Erwartungsdruck der Eltern ausgesetzt zu sein, deren Ehe schon nach wenigen Jahren gescheitert war. «Ich wusste nicht, was ich machen würde, aber ich wusste immer, was für eine Frau ich werden wollte: unabhängig, aktiv und engagiert.»
Das berühmte Wickelkleid
Als sie gerade 22 Jahre alt geworden war, ging sie zum Spanisch-Studium nach Madrid, später studierte sie Betriebswirtschaft in Genf. Über eine Freundin lernte sie Egon Prinz von und zu Fürstenberg kennen. Er war Nachkomme eines uralten süddeutschen Adelsgeschlechts, Bruder der Society-Lady Ira von Fürstenberg, Neffe des Fiat-Bosses Gianni Agnelli und – ein Deutscher! «Wir haben uns ineinander verliebt, doch da wir beide noch zu jung für eine feste Beziehung waren, ging Egon nach Amerika, während ich erst in Paris und später in Italien lebte, wo ich in einer T-Shirt-Fabrik eines Bekannten alles über Stofffabrikation lernte. Eines Tages besuchte mich Egon und meinte, dass wir uns verloben sollten.» 1969 heiratete das Paar in Yvelines, Frankreich, und zog dann nach New York, wo 1970 Sohn Alexandre zur Welt kam und nur ein Jahr später Tochter Tatiana. Allerdings liess sich das Paar, das sehr schnell zur High-Society New Yorks zählte, schon kurz nach der Geburt des zweiten Kindes scheiden. Eigentlich, so könnte man glauben, wäre das Leben von Diane von Fürstenberg als allein erziehende Mutter und Dame der Gesellschaft voll ausgefüllt gewesen, doch ihr Ziel war es, finanziell unabhängig zu sein. Und so setzte sie ihren Kindheitstraum in die Realität um und begann, Jerseykleider zu kreieren, die sie mit Allover-Mustern bedruckte. Am Anfang musste sie Egons Freunde zu ihren Präsentationen bitten, und zweifellos half ihr der durch ihre Heirat erworbene Adelstitel, der besonders an der Ostküste Amerikas ausserordentlich viel Eindruck machte, zum schnellen Erfolg. Der eigentli-
che Durchbruch gelang ihr aber erst, als Richard Nixons Tochter Julie im Fernsehen eine Wickelbluse und einen Jupe aus ihrer Kollektion trug.
1973 entstand Fürstenbergs «wrap dress», zu Deutsch Wickelkleid. Schnell angezogen, schnell ausgezogen, nicht zu teuer, nicht zu brav, nicht zu offenherzig – das Kleid war einfach nur genial. Ein «Must have», das sich als so stilbildend erwies, dass heute sogar ein Exemplar davon im Metropolitan Museum of Art in New York ausgestellt ist.
Fürstenberg ist begeistert davon, dass ihre Kundinnen immer jünger werden, und das wirkt sich natürlich auch positiv auf das Geschäft aus. «Uns geht es prächtig», bestätigt die tüchtige Geschäftsfrau. «Unser Umsatz liegt in diesem Jahr, trotz der Krise, bei rund 200 Millionen Dollar.»
Auch privat wieder glücklich
Nach dem ersten grossen Erfolg musste Fürstenberg in den achtzi-
ger Jahren eine längere Flaute erfahren, welche sie damit überbrückte, dass sie 1985 in Paris einen französischsprachigen Verlag namens Salvy gründete und sich zeitweilig aus dem Modebusiness zurückzog. Seit Ende der neunziger Jahre blüht die Marke Fürstenberg jedoch wieder. Diane von Fürstenberg brachte seitdem unter anderem eine erfolgreiche Kosmetiklinie auf den Markt, stieg 1991 ins Home-Shopping-Geschäft ein, arbeitet zurzeit fleissig an ihren neuen Handtaschen und weiss jetzt schon, dass sie irgendwann eine Home Collection lancieren wird. Ihre Damenmode gibt es in Amerika ausschliesslich in Nobelboutiquen und exklusiven Warenhäusern wie Bergdorf Goodman oder Saks Fifth Avenue sowie in weiteren 15 Ländern weltweit. Ausserdem steht Fürstenberg seit vier Jahren dem Council of Fashion Designers of America vor, einem Non-Profit-Berufsverband amerikanischer Modedesigner. Sie führt den Verband mit Charme und Hartnäckigkeit und hat schon viele grosse Projekte ins Leben gerufen, wie beispielsweise die Einkaufsnacht Fashion’s Night Out bis hin zu Veranstaltungen gegen den Magermodelwahnsinn.
Auch privat ist die Modedesignerin wieder glücklich. 2001 heiratet sie Barry Diller. Der 67-jährige Milliardär stammt aus einer sehr wohlhabenden jüdischen Familie, war Studiochef in Hollywood und ist heute äussert erfolgreicher TV-Unternehmer. Das Glamourpaar, das auf keinem Event fehlt, ruht sich jedoch keineswegs auf den Erfolgen aus. Ganz im Gegenteil: «Ich sprühe vor Ideen», sagt die mehrfache Grossmutter, «und kann es kaum erwarten, die meisten davon in die Tat umzusetzen».