Die Medien und der Krieg
Kinder aus zwei Familien, einer palästinensischen und einer jüdischen. Unerwartet werden sie zur Metapher für die verfahrene Situation in Nahost, Sympbol für die zweite Front im Konflikt zwischen Palästinensern und Israel: die Medienfront. Als vor acht Wochen der palästinensische Mohammed Al Durra im wahrscheinlich israelischen Kugelhagel im Gazastreifen ums Leben kam, hat die Welt zurecht aufgeschrieen. Der um Hilfe bittende Knabe, der wenige Minuten später tot in den Armen seines Vaters lag, wurde zum Sinnbild eines ungerechten, eines ungleichen Kampfes. Beobachter fragten allerdings zurecht: was macht ein Vater mit seinem 12-jährigen Sohn an der Kriegsfront?
Am vergangenen Sonntag wurden einmal mehr Zivilisten Opfer des Terrors. Palästinensische Scharfschützen verletzten fünf Kinder der Familie Kahane und machten diese durch den Mord an deren Eltern zu Waisen. Vielleicht lag es daran, dass der vorbelastete Name Kahane vielen zu lange im Hals stecken blieb, dass diese Kinder in den westlichen Mieden kaum Beachtung fanden. Beobachter fragten zu Unrecht: was machte diese Familie auf einer israelischen Strasse?
Zwei Familientragödien, zwei Schicksale, die den sinnlosen Kampf abseits der Verhandlungstische verdeutlichen. Zwei Ereignisse aber auch, die die selektive Wahrnehmung, die mediale Parteinahme, den vermeintlichen Kampf der Medien für einen Schwächeren entlarven. Es nutzt nichts, wenn mit falschen Terminologien, mit verzerrter Berichterstattung, mit manipulativer Gewichtung hantiert wird, wenn der Nahostkonflikt unverhältnismässig quantitative, aber mit wenigen Ausnahmen nicht qualitative Beachtung in den Weltmedien findet. Es nutzt weder der einen noch der anderen Partei, aber es schadet dem wahrheitsgetreuen Blick der Weltöffentlichkeit auf den Konfliktherd, beeinflusst deren Tun gar dahingehend, dass gut gemeinte Hilfe, das Gegenteil bewirkt.
In Israel herrscht seit 12 Wochen Krieg. Wenn die Opfer nun auch noch Opfer im Propaganda-Krieg werden, dann ist dieser Kampf ein Kampf ohne Ende.