Die Krise macht erfinderisch

Zohar Blumenkranz, June 25, 2009
Die Israel anfliegenden Fluggesellschaften befinden sich in einem Konkurrenzkampf, der in dieser Form zu Beginn der Sommer-Hochsaison bislang noch nie zu beobachten gewesen ist.
RÜCKLÄUFIGE PASSAGIERZAHLEN Die Krise erfasst auch die Luftfahrt in Israel

In der vergangenen Woche haben El Al und Issta Offerten lanciert, die in der Geschichte der Luftfahrtindustrie einzigartig sein dürften: Kaufe ein Ticket und erhalte ein zweites gratis dazu. Während eines Monats erhalten Kunden, die ein Ticket von Israel in den Fernen Osten, in die USA oder nach Südamerika buchen, ein Gratisticket freier Wahl für eine der folgenden Destinationen: Prag, Budapest, Bukarest oder Sofia. Die Karten können bis Februar 2010 genutzt werden.

Ein Preiskrieg

Die globale Wirtschaftskrise und der riesige Angebotsüberhang sind nach Ansicht von Yael Katan, Leiterin von British Airways in Israel, die Hauptgründe für diesen wahnwitzigen Preiskrieg der Fluglinien. Im Zeitraum Januar bis Mai ging der ankommende Tourismus, verglichen mit der gleichen Periode 2008, um 22 Prozent zurück. Die Zahl der Passagiere, die im Mai den Flughafen Ben Gurion bei Tel Aviv benutzten, sank im Mai auf 814 000, 15 Prozent weniger als im Mai des Vorjahres. In der gleichen Periode ging der Verkehr der um acht Prozent auf 6773 Starts und Landungen zurück.

«Bis jetzt», erklärte Katan, «sind die Preise von British Airways praktisch gleich geblieben wie jene der Konkurrenz. Aus einem einfachen Grund habe ich nun eine Preissenkung beschlossen: Mir ist es wichtig, dass uns die Kunden erhalten bleiben.» Eli Messer, Manager des Büros von Austrian Airlines in Tel Aviv, macht für den verschärften Wettbewerb zwischen den Gesellschaften die sinkenden Zahlen des ankommenden Tourismus und die auf die Zahl der Geschäftsreisen drückende Wirtschaftskrise verantwortlich. Die Verluste in der Luftfahrtindustrie erreichten 2008 einen Wert von schätzungsweise neun Milliarden Dollar. Das ist gemäss der Interna-tional Air Transport Association (IATA) das Doppelte der ursprünglichen Prognose. Allein für den März diesen Jahres sagt sie Verluste von 4,7 Milliarden Dollar voraus. Darüber hinaus haben die erneuten Verteuerungen der Treibstoffpreise einen besonders nachhaltigen Einfluss auf das Einkommen der Fluglinien ausgeübt. IATA schätzt, dass die Zahl der Flugpassagiere im laufenden Jahr um acht Prozent sinken wird, die Nachfrage nach Luftfracht gar um 17 Prozent. Kobi Zussman, Leiter der israelischen Filiale von IATA, rechnet für die in Israel tätigen Luftfahrtgesellschaften mit Einkommen, die um 30 bis 40 Prozent unter den Schätzungen des letzten Sommers liegen werden. Frühere Schätzungen hatten die Einkommenseinbussen noch mit 20 bis 30 Prozent beziffert. Die in Israel arbeitenden einheimischen und ausländischen Gesellschaften würden laut Zussman unter den gleichen Krisenerscheinungen leiden wie die globale Luftfahrt.

Rückgang der Passagierzahlen

Das israelische Tourismusministerium werde nach Aussagen von Tourismusminister Stas Misezhnikov seine weltweiten intensiven Marketingaktivitäten im Bestreben fortsetzen, die Folgen des scharfen Rückgangs des ankommenden Tourismus zu mildern. Der Minister kritisierte bei dieser Gelegenheit die Pläne des Finanzministeriums, ausländische Touristen mit der Mehrwertsteuer zu belegen. Das könnte einen Zusammenbruch des Sektors und die Arbeitslosigkeit von Tausenden von Menschen zur Folge haben.

Laut einer Analyse des Verkehrsaufkommens am Ben-Gurion-Flughafen sind im Monat Mai 280 500 Passagiere abgefertigt worden, 11,6 Prozent weniger als im vorangegangenen Mai. Arkia betreute 20,5 Prozent weniger Fluggäste, während die Zahlen bei Israir im Vergleich zum Mai 2008 gar um 34,2 Prozent zurückkrebsten. Das ist vor allem auf die Streichung der regulären Strecke der Gesellschaft nach New York zurückzuführen. Generell gingen die Passagierzahlen für die USA, immerhin das beliebteste Reiseziel der Israeli, im Mai gegenüber dem gleichen Monat 2008 um 21,2 Prozent zurück. Die Zahl der Passagiere auf der Linie in die Türkei – Rang sechs auf der Liste der beliebtesten Destinationen der Israeli – ging gar um drastische 45,8 Prozent zurück.

El Al und Issta sind nicht die einzigen Gesellschaften, die sich um die Kunden auf den Strecken von und nach Israel bemühen. So senkte British Airways dieser Tage die für den Sommer gültigen Ticketpreise für Flüge nach London um beachtliche 36 Prozent, verglichen mit letztem Sommer. Eine Fahrkarte nach London wird nun ab 497 Dollar erhältlich sein, während das Ticket für die Business-Klasse ab 1410 Dollar zu haben ist.

Spezialangebote

Die Kunden erhalten Zusatzanreize und Spezialvergünstigungen offeriert. So verkündeten die amerikanischen Delta Airlines, man werde jedem Passagier, der mit Business-Klasse von Israel abfliegt oder der zwei Karten der Touristenklasse kauft, gratis ein Ticket der American Automobil Association anbieten. Auch Swiss, Lufthansa und Austrian Airlines kommen mit Sonderangeboten für Passagiere, die aus Israel abreisen. El Al offeriert eine Aufwertung von Passagieren gegen Frequent-Flyer-Punkte («Matmid»). Zudem hat sich El Al für zwei Wochen mit der Hotelkette Fattal zusammengetan. Jedem Kunden wird dabei eine Ermässigung von 100 Dollar auf Produkte der anderen Gesellschaft offeriert. Swiss offeriert Rundflugtickets (Abflüge bis Ende Jahr) von Tel Aviv via Zürich nach New York, Boston, Chicago, Miami, Philadelphia oder Los Angeles für 2529 Dollar. Allerdings muss das Ticket bis Ende Juni gekauft werden. Lufthansa fliegt den Gast für 399 Dollar von Tel Aviv nach München, während eine Anzahl europäischer Destinationen wie Paris, Barcelona, Madrid, Amsterdam, Brüssel und Milano 499 Dollar kosten werden. Kinder erhalten eine Ermässigung von 33 Prozent. Austrian Airlines schliesslich lockt junge Reisende und Studenten mit Aktionspreisen ab Israel an: Bangkok für 980 und Neu Delhi für 901 Dollar.