Die Branche fühlt sich in Basel heimisch

April 11, 2008
Die Baselworld 2008 ist diese Woche mit rekordverdächtigen Zahlen zu Ende gegangen: Mit 2087 Ausstellern aus 45 Nationen und mehr als 100 000 Besuchern ist sie die grösste und wichtigste Messe für die Uhren- und Schmuckindustrie weltweit. Auch in diesem Jahr war auffällig, wie stark diese Branche von jüdischen Unternehmen geprägt ist.
<strong>Starke j&uuml;dische Pr&auml;senz </strong>Viele Aussteller schliessen ihren Stand am Schabbat

Von Valerie Doepgen

Wer sich den Weg durch die Menschenmenge am Eingang der Baselworld und an den Hostessen vorbei gebahnt hat, der wird in der Halle 1 prominent und glitzernd von den Ständen dreier namhafter Uhrenmarken, Corum, Murano und Ebel, empfangen, die sich alle in jüdischer Hand befinden. Diese Omnipräsenz gleich zu Beginn der weltgrössten Uhren- und Schmuckmesse ist beispielhaft für die Rolle, die jüdische und israelische Firmen innerhalb dieser aufstrebenden Branche spielen. Wenige Meter weiter fällt den Besucherinnen und Besuchern zudem der beeindruckende Stand des Genfer Unternehmens Raymond Weil ins Auge, einer der grossen Namen innerhalb der Schweizer Uhrenindustrie. Und auch der Ausstellerkatalog liest sich stellenweise wie ein Buch über jüdische Namen: Jacob’s Jewelery, Hans Stern, The Dreyfuss Group, David Yurman, Roy Herzl, William Goldberg oder Julius Klein und Moshe Namdar & Co. sind nur einige von ihnen. Dominant mit einem zweistöckigen Stand vertreten ist auch das Schweizer Unternehmen Mondaine der Gebrüder Ronnie und André Bernheim, das unter anderem die offiziellen Uhren der SBB produziert. Auffällig ist auch die Firma Davidoff, die nun nach Tabak und Parfum auch Uhren herstellt und ihre Accessoire-Kollektion «Very Zino» auf der Baselworld präsentiert. Zudem sind natürlich auch in diesem Jahr Weltfirmen wie der einst von der jüdischen Familie Oppenheimer gegründete Konzern DeBeers sowie international tätige Unternehmen wie Eurostar Diamond Traders anwesend. Nicht mehr in der Halle 1 mit einem Stand vertreten ist in diesem Jahr die New Yorker Firma H. Stern, die ihren Schmuck nun in einem eigenen Pavillon präsentierte – erstmals ohne den Juwelier und Firmengründer Hans Stern, der im vergangenen Jahr verstorben ist.

Jüdisches Flair

In der Halle 3, in der vor allem Schmuck- und Diamantenfirmen ihre Produkte zeigen, stösst man auf zahlreiche jüdische Aussteller aus den USA, den Niederlanden oder Israel. Ihre Inhaber und Angestellten tragen oftmals eine Kippa, und an vielen der geschmackvollen Schmuck- und Diamantenstände sind Unterhaltungen auf Hebräisch zu hören. Die meisten der Aussteller haben bereits oft die Baselworld besucht und in diesem Zusammenhang die Israelitische Gemeinde Basel (IGB) kennen- und schätzen gelernt. Für viele der jüdischen Geschäftsleute ist es selbstverständlich, am Freitagabend die Synagoge zu besuchen und anschliessend gemeinsam mit den Mitgliedern der IGB im Gemeinderestaurant Topas zu essen. Sharon Tamar von der Firma Moshe Namdar & Co. betont gegenüber tachles, dass sie in der IGB anlässlich der Baselworld in den vergangenen Jahren bereits zahlreiche Menschen kennengelernt hat, die sie immer wieder trifft und auf die sie sich freut. Henry Wolf von Leo Schachter Diamonds erzählt, dass er allmorgendlich in die Israelitische Religionsgesellschaft und an Schabbat in die Synagoge geht, in der er sich zuhause fühlt, wenn er in Basel ist. Auf die Frage, ob die Angestellten des Unternehmens AMTC am jüdischen Leben in Basel partizipieren, während die Baselworld stattfindet, sagt ein Mitarbeiter der Firma schmunzelnd: «Natürlich, was sollten wir sonst tun? Wir haben doch gar keine andere Wahl.»

Viele der jüdischen Unternehmen, die in Halle 3 vertreten sind, schliessen ihre Messestände an Schabbat und verlieren – aus rein wirtschaftlicher Sicht gesehen – einen wertvollen Tag der einwöchigen Messe. Ein Mitarbeiter von der Firma Fancy Colours Namdar Ramagem aus New York sagt allerdings, er hätte deswegen «Gott sei Dank noch nie ein Problem gehabt». Er betonte vielmehr die Freude, die er empfindet, wenn er an Schabbat in der IGB ist. «Das Gefühl, das ich hier in der Gemeinde habe, ist sehr positiv. Ich fühle mich willkommen und spüre eine aussergewöhnliche Gastfreundschaft». Auch die Mitarbeitenden der Firma Roy Herzl, seit sechs Generationen ein New Yorker Familienunternehmen in der Diamantenbranche, nehmen selbstverständlich am Gottesdienst in der Synagoge und am Kiddusch teil. Für nahezu alle Befragten gehört der Kontakt zur IGB genauso zur Baselworld wie das Geschäft – die Aussage von Daniela Poletti von der Firma David & Sohn Diamonds and Pearls stellt eine Ausnahme dar: «Wir widmen diese Zeit in Basel ausschliesslich der Messe. Wir sind jeden Tag hier und schliessen unseren Stand auch nicht.» Auch die Mitarbeitenden des Israel Diamond Institute nehmen das religiöse Angebot der IGB laut eigenen Aussagen nicht wahr, sie schliessen aber am Schabbat ihren Messestand.

In Basel willkommen

In der Basler Synagoge finden sich am Freitagabend dann auch weit über 200 Menschen ein, und auf dem gesamten Gemeindeareal herrscht eine spezielle Stimmung, die von dem Besuch der zahlreichen Gäste aus aller Welt geprägt ist. Diese scheinen sich teilweise bereits heimisch zu fühlen, und es gab viele freudige Wiedersehen. Auch Dany Kontente von der kalifornischen Firma Norman Silverman Diamonds freut sich jedes Jahr auf den Besuch in der Synagoge und die Menschen dort. Er betont aber, dass es für ihn und seine Mitarbeitenden oftmals schwierig sei, einen koscher geführten Haushalt in Basel zu finden, in dem sie während ihres Aufenthaltes an der Messe wohnen können. «Vielleicht könnte die IGB künftig mehr auf diesem Gebiet tun und den Besuchern Kontakte zu Vermietern vermitteln», sagt er. Er bedauert zudem, dass die koschere Versorgung für die zahlreichen Gäste aus dem Ausland aus seiner Sicht in der Schweiz nicht immer gesichert ist – und die Nachricht in tachles (vgl. tachles 14/08), in der stand, dass das Züricher Gemeinderestaurant Schalom kurz vor der Schliessung steht, beunruhigt ihn sehr. In der Tat der Albert Dreyfuss vom Restaurant Topas in der Woche der Baselworld reichlich zu tun: Während die Menschen den Gottesdienst besuchen, dekoriert er im Saal der IGB die Tische für mehr als 200 Personen. «Am Freitagabend haben wir rund 210 Reservierungen und am Samstag sind es etwas 120», sagt er gegenüber tachles. Auch Gemeindepräsident René Spiegel freut sich, dass die jüdischen Aussteller die IGB als gastfreundlich erleben. Er sagt: «Der Verdienst hierfür kommt wohl in erster Linie dem Restaurant Topas und seinem Inhaber Albert Dreyfuss zu, der zusammen mit seinen Mitarbeitenden Grosses leistet, um unseren Gästen feinste Koschermahlzeiten in einem eleganten Rahmen zu bieten. Auch die Gottesdienste in unseren Synagogen tragen zum positiven Bild von der IGB in aller Welt bei.»

Ziel aller Beteiligten ist, dass sich die zahlreichen jüdischen Aussteller und Besucher der Baselworld in der IGB willkommen fühlen – und Basel somit nicht nur im Hinblick auf die Geschäfte an der Uhren- und Schmuckmesse, sondern auch auf persönlicher Ebene in guter Erinnerung behalten – bis zum Wiedersehen im kommenden Jahr, in dem die Baselworld vom 26. März bis zum 2. April stattfinden wird.