Die Basler Scheidung

von Valerie Wendenburg, July 1, 2010
Ab dem 1. August verlässt Jacques Picard das Institut für Jüdische Studien. Die Branco-Weiss-Professur, die er innehat, wird in das Departement für Gesellschaftswissenschaften transferiert. Es stellt sich die Frage, mit welchen Mitteln das Institut für Jüdische Studien – unabhängig von der geplanten Umstrukturierung der Universität Basel – künftig getragen wird.

Sie haben das Institut für Jüdische Studien (IJS) gemeinsam geleitet, nun trennen sich ihre beruflichen Wege: Alfred Bodenheimer, Ordinarius für Religionsgeschichte des Judentums, und Jacques Picard, Ordinarius für Allgemeine und Jüdische Geschichte und Kultur der Moderne. Picard verlässt laut Fakultätsbeschluss per 1. August nicht nur das Institut, sondern auch den Fachbereich Jüdische Studien. Auch wenn er vorerst noch einen Teil seines Deputats in die Jüdischen Studien liefert, wird dieser Auftrag mittelfristig enden: So sieht der Fakultätsbeschluss vor, dass Jacques Picard ab dem 1. Februar 2012 keine Kurse mehr in die Jüdischen Studien exportieren wird (vgl. tachles 23/10). Zeitgleich zu Picards Verlassen des IJS wird Alfred Bodenheimer ebenfalls am 1. August zum neuen Dekan der Theologischen Fakultät Basel ernannt. Diese Charge wird üblicherweise für zwei Jahre erteilt, unabhängig davon bleibt Bodenheimer aber auch – künftig alleiniger – Leiter des IJS.

Interne Differenzen

Differenzen gibt es offenbar darüber, ob es sich beim Weggang von Jacques Picard aus dem IJS um eine Retransferierung aus der Theologischen Fakultät in die Philosophisch-Historische Fakultät handelt, wie es Picard selbst sieht (tachles berichtete). Er möchte sich zu dem Thema nicht mehr äussern, verweisst aber auf den Rektoratsbeschluss vom 7. Oktober 2007, in dem festgelegt wurde, dass das Departement Religionswissenschaft (dem das IJS angehört) durch die Theologische Fakultät verwaltet wird. Ferner beruft sich Picard auf den Antrag der Theologischen Fakultät an das Rektorat vom 15. Februar 2007. Dieses Detail – Transferierung oder Retransferierung – spielt für die Betroffenen eine Rolle, da der Weggang Picards vom IJS und die damit verbundene Abwanderung der Branco-Weiss-Professur auch finanziell einen Verlust für das Institut darstellt. So behauptet Alfred Bodenheimer gegenüber tachles, das es sich beim Departements- und Fachwechsel nicht um eine Retransferierung von Jacques Picard aus der Theologie in die Philosophisch-Historische Fakultät handle. Zwar seien die beiden Professoren des Instituts für Jüdische Studien, Picard und er selbst, im Jahr 2007 formell Vollmitglieder beider Fakultäten geworden, doch sei der Schwerpunkt der Branco-Weiss-Professur immer die Philosophisch-Historische Fakultät gewesen. Von einer damaligen Transferierung des Fachs oder von Jacques Picards Professur in die Theologie könne keine Rede sein. Auch der Bachelor- und der Masterabschluss «Jüdische Studien» werde nach wie vor nicht als theologischer, sondern als philosophisch-historischer vergeben. Dies werde auch so bleiben, wenn Picard das Fach Jüdische Studien – und nicht nur das Institut, wie Bodenheimer betont – verlassen habe.

Dies bestätigt auch Albrecht Grözinger, Dekan der Theologischen Fakultät, der sagt: «Die Professur von Jacques Picard war nie eine Professur, die an der Theologischen Fakultät angesiedelt war, sondern immer in der Philosophisch-Historischen Fakultät.» Als Mitglied des Departements Religionswissenschaft sei Picard an der Theologischen Fakultät zwar stimmberechtigt gewesen, er habe dieses Stimmrecht aber ebenso wie sein Kollege Gregor Schoeler, inzwischen emeritierter Ordinarius für Islamwissenschaft, nie wahrgenommen. Grözinger hält fest: «Es handelt sich also im aktuellen Fall um eine Transferierung innerhalb der Historisch-Philosophischen Fakultät.» Um dies zu unterstreichen, betont er, dass diese Fakultät allein darüber beschlossen habe, und die Theologische Fakultät strukturell an dem gesamten Vorgang gar nicht beteiligt gewesen sei.

Finanziell gesichert

Nach dem Ausscheiden Jacques Picards und mit ihm der Branco-Weiss-Professur aus den Jüdischen Studien stellt sich nun die Frage, wie der Fortbestand des Instituts künftig finanziell gesichert wird. Daniel A. Rothschild, Aktuar der Stiftung für Jüdische Studien an der Universität Basel betont, dass es künftig für das ganze IJS, einschliesslich der Löhne, der Miete und anderer Unkosten, eine entsprechende Aufteilung zwischen Unigeldern und Drittmitteln gäbe. Auch der Erhalt der Professur von Alfred Bodenheimer sei langfristig garantiert. Die Universität werde seine Professur aus Drittmitteln finanzieren – sollten diese Mittel «eines Tages aber nicht mehr ausreichen, so sei die Stelle von Alfred Bodenheimer durch die Universität gesichert», so Rothschild. Bodenheimer selbst bestätigt dies: Die Professur, die an seine Person gebunden sei, beruhe auf gestifteten Geldern – die Universität aber habe sich verpflichtet, die Professur weiter zu tragen. Für die rund 19 Studierenden und Doktorierenden des Fachs Jüdische Studien sowie alle anderen Studierenden aus benachbarten Fachbereichen, die Kurse am IJS belegen, haben die beschriebenen Änderungen vorerst noch keine Konsequenzen. So bleiben die Prüfungsrechte der Professoren in den unterschiedlichen Studienprogrammen oder Fachbereichen und die Rechtsansprüche der zu Prüfenden auf Abnahme ihres Studiums beziehungsweise ihres Doktorats beim gewählten Betreuer.

Strukturelle Reformen

Ruhige Zeiten scheinen auf die Studierenden künftig aber nicht zuzukommen, werden doch unabhängig von diesen personellen Veränderungen am IJS von einer Task Force strukturelle Reform an der Philosophisch-Historischen Fakultät der Universität erarbeitet. Die Fakultät, die zurzeit in mehr als 25 Institute und Seminare sowie weitere Untereinheiten aufgeteilt ist (vgl. tachles 22/10) soll eventuell gebündelt werden. So wird darüber nachgedacht, sechs bis zehn neue Departemente zu gründen, in welche die bisherigen Institute und Fakultäten integriert würden. Dies hätte eine Auflösung der bisherigen Institute – und so des IJS – zur Folge. Die Ergebisse der Task Force aber stehen noch aus, und es bleibt abzuwarten, ob und wie lange das IJS in seiner jetzigen Form noch weiter existieren wird.