Deutliche Worte

June 17, 2011

Der Friedensprozess zwischen Israel und den Palästinensern sei lange Zeit auf der hintersten Herdplatte gestanden. Nun sei er im Tiefkühler gelandet, sagte Madeleine Albright in einem Referat am Alpensymposium Spezial in Zürich. «Die Welt heute und morgen – Führung in Wirtschaft und Politik», der Wandel in der globalen Machtpolitik in den letzten Jahren, lautete ihr breit gefächertes Thema. Madeleine Albright war ab 1997 während der Präsidentschaft von Bill Clinton als erste Frau US-Aussenministerin. Vorher war sie Botschafterin bei der Uno gewesen. Madeleine Albright, Jahrgang 1937, hat zweimal überlebt. Ihre jüdische Familie – ihr Vater war Diplomat – floh aus Prag vor den Nazis nach London, später vor den Kommunisten in die USA. «Nie hätte ich mir träumen lassen, einmal die erste Aussenministerin der Vereinigten Staaten zu werden», sagte sie. «Ich habe meine Stimme spät gefunden, und ich bin nicht bereit, nicht mehr mitzureden.» Heute ist sie Grossmutter, Chefin von zwei eigenen Investment- und Strategie-firmen, sie hat das Nationale Demokratische Institut für Internationale Politik gegründet und lehrt Diplomatie an der Washingtoner Georgetown-Universität. Albright sitzt im Vorstand des aussenpolitischen Rats der USA und des Aspen-Instituts. Den Clintons und ihrer Politik ist sie immer noch eng verbunden, das zeigt auch ihre Aussage: «Die beiden Parteien sollten miteinander reden! Die Vorschläge liegen auf dem Tisch. Was Präsident Clinton vorschlug, ist immer noch gültig.» Sie war dabei, als Ende Dezember 2000 im Weissen Haus eine – vergebliche – trilaterale Verhandlungsrunde stattfand, nachdem die Konferenz von Camp David zu Beginn jenes Jahres zu nichts geführt hatte, weil die Palästinenser die Angebote Israels ablehnten. Albright übersprang acht Jahre Bush, der Clintons Vorschläge abgelehnt hatte, und fügte hinzu, dass Präsident Barack Obama sehr klar zwei Staaten fordere, in den Grenzen von 1967, mit Anpassungen. Sie habe gehört, dass sich der französische Präsident Nicolas Sarkozy um eine Vermittlung bemühe, aber: «Jetzt müssen die Parteien direkt miteinander reden.»     [GB]