«Der Zionismus hat sich überlebt»
Mit ihren nun schon 95 Jahren verfügt Ruth Dayan, die Witwe des ehemaligen israelischen Verteidigungsministers und Generalstabchefs Moshe Dayan, über so viel Lebenserfahrung und –weisheit wie kaum eine andere Person. Das gelangt auch in ihrem Interview in der jüngsten Ausgabe des Nachrichtenmagazins «Newsweek» zum Ausdruck. «Wir haben dieses Land Zentimeter um Zentimeter aufgebaut und haben dabei gar manches Leben verloren», sagt sie. «Wir haben öffentliche und soziale Institutionen, Schulen und Fabriken errichtet, doch was sich heute abspielt, ist schrecklich. Sie ruinieren dieses Land.» Sie sei eine stolze Israelin, unterstreicht Ruth Dayan, die jeden Krieg und jeden Moment des Leidens durchlebt habe. «Nie aber habe ich aufgehört, an den Frieden zu glauben. Ich habe Freunde und Familienmitglieder verloren. Ich bin eine Friedensmacherin, doch die gegenwärtige israelische Regierung weiss gar nicht, wie man Frieden schliesst. Wir gehen von einem Krieg zum anderen, und das wird nie aufhören. Ich denke, der Zionismus hat sich überlebt.» Sie könne, fügte Frau Dayan in dem «Newsweek»-Interview sichtlich erregt hinzu, diese Verschlechterung des Zustandes in den Gebieten nicht tolerieren. «Die Strassensperren überall, und dann diese schreckliche Mauer! Es ist einfach nicht in Ordnung.» [JU]