Der Weihnachtsbaum des Herrn Haider

October 9, 2008

Vor einigen Jahren wurde vereinbart, dass Kärnten in diesem Jahr für den Vatikan einen Weihnachtsbaum stiften sollte. Damals war Jörg Haider noch längst nicht Landeshauptmann, sondern Christof Zernatto (ÖVP).
Anlässlich der Stiftung dieses Weihnachtsbaumes wird Haider auch vom Papst empfangen. Nun ist es so, dass der Papst viele Leute empfängt - Fromme, weniger Fromme, Juden, Protestanten, Katholiken, Muslime, auch Sponsoren des «American Jewish Committee» und viele, die um eine Audienz nachsuchen. Über den Empfang Haiders äusserte sich der Vorsitzende der jüdischen Gemeinde in Rom, Leone Paserman: «Der Papst hat uns enttäuscht. Was mit der Seligsprechung von Papst Pius IX. und jetzt mit dem Schweigen über den Besuch von Haider geschehen ist, bezeichnet leider einen schwerwiegenden Rückzug auf eine Position, die wir sehr, sehr negativ beurteilen müssen.» Andere erwähnen in diesem Zusammenhang auch noch die Erklärung «Dominus Jesus» von Kardinal Ratzinger.
Uns scheint, hier wird mit Kanonen auf Spatzen geschossen. Richtig ist, dass die Seligsprechung des Kinderräubers Pius IX. ein Skandal war und bleibt. Ein professioneller Antisemit wird seliggesprochen gemeinsam mit Johannes XXIII., der in der katholischen Kirche eine positive Wende auf fast jedem kirchlichen Gebiet eingeleitet hat. Aber schon die Erwähnung von Kardinal Ratzinger in diesem Zusammenhang ist reiner Unsinn, denn die Juden kommen in seiner Erklärung gar nicht vor und haben damit gar nichts zu tun. Dass Juden sich wegen eines Weihnachtsbaumes ereifern, nur weil ihn der problematische Populist Haider überbringt, grenzt an neurotische Vorstellungen permanenter Verfolgungen durch die Kirche. Wenn in Rom politische Kreise diesen Anlass benutzen, um gegen Haider und seine mit ihm kommenden Kärtner Landsleute, deren Trachten und Blasmusik zu protestieren, besteht nun wahrlich kein Grund, von einer Eiszeit gegenüber Juden und Judentum zu sprechen. Diese reden sich gewisse Juden selbst herbei und mischen sich in Dinge ein, von denen sie überhaupt nicht betroffen sind, statt Gelassenheit zu zeigen.Schliesslich ist es ja nicht die Sache Haiders, dem Papst einen Chanukka-Leuchter zu übergeben. Dann, in der Tat, wären die Juden wirklich betroffen. Das heidnische Symbol des Weihnachtsbaumes gehört jedoch nicht in den Bereich jüdischer Interessen.