«Der Schmerz ist noch nicht verebbt»
Der Gedanke, eine Brücke nach Ignatz Bubis zu benennen, war lange Zeit sehr umstritten. Gleich nach Bekanntwerden seines plötzlichen Ablebens schlug die Politikerin der Partei der «Grünen», Stadträtin Jutta Ebeling vor, eine Brücke nach ihm zu benennen, weil Bubis wie «ein Brückenbauer gewirkt» habe und mit seiner Arbeit «Brücken zum besseren Verstehen von Juden und Nichtjuden» errichtet habe.
Parteiengezänk blockierte diesen Vorschlag zwölf Monate. Die SPD wollte im Europaviertel einen Kreisverkehr nach ihm benennen, die FDP einen Platz im Frankfurter Westend oder einen Boulevard. Bis jetzt stellt sich die CDU-Fraktion im Frankfurter Römer gegen die nun beschlossene Umbenennung der Obermainbrücke in Ignatz Bubis-Brücke. Sie «will die Namen der markanten historischen Punkte der Stadt beibehalten.» Dabei waren sich bei der Gedenkfeier in der Frankfurter Paulskirche anlässlich des einjährigen Todestages alle Parteien darüber einig, den ehrenamtlichen Stadtrat Ignatz Bubis würdevoll zu ehren. Dies, fand man, käme auch in dem neuen «Ignatz-Bubis-Preis» zum Ausdruck, der an alle drei Persönlichkeiten vergeben werden soll, die sich für die Verständigung zwischen Juden und Nichtjuden besonders engagierten.
Die Frankfurter Jüdische Gemeinde ehrte ihren langjährigen Vorstandsvorsitzenden mit der Umbenennung des Gemeindezentrums in «Ignatz Bubis-Gemeindezentrum» oder nach dem jüdischen Namen des Verstorbenen «Beth Israel.» «So bleibt sein Andenken lebendig», erklärte Paul Spiegel, Präsident des Zentralrates der Juden in Deutschland. Salomon Korn, jetziger Vorstandsvorsitzender der Jüdischen Gemeinde Frankfurt, erinnerte sich an die Eröffnung dieses Zentrums vor 14 Jahren als einen «Wendepunkt in der jüdischen Nachkriegsgeschichte» damals, so Korn, «waren unsere Zelte in ein festes Haus umgewandelt.» Das Auspacken der gepackten Koffer begann. «Nun wirst du», sprach Korn zu einem imaginär anwesenden Bubis, «in diesem Werk, in diesem Haus weiterleben» und Paul Spiegel betonte: «der Schmerz über den Tod von Ignatz Bubis ist noch nicht verebbt. Er wird uns allen nahe sein, solange wir leben.»