Der Präsident geht noch dieses Jahr
«Ich werde dieses Jahr zurücktreten, doch den genauen Termin werde ich erst nach Konsultationen mit meiner Familie und dem Regierungschef fixieren.» Mit dieser am Dienstag vor Journalisten abgegeben Erklärung überraschte Israels Staatspräsident Ezer Weizman (79) kaum jemanden. Seitdem vor einigen Monaten durchgesickert war, dass Weizman vom französisch-jüdischen Geschäftsman Edouard Sarousi eine hohe Geldsumme angenommen hatte, ohne darüber Rechenschaft abzulegen, rechnete jedermann damit, dass er seine bis 2003 dauernde zweite Kadenz als israelischer Präsident nicht aussitzen werde. Die im Anschluss an die Veröffentlichungen eingeleitete polizeiliche Untersuchung konnte Weizman zwar keine klar gesetzeswidrige Handlungen zur Last legen, doch ein schaler Nachgeschmack ist geblieben.
Für die Bestimmung des definitiven Rücktrittstermins werden wohl weniger Beratungen mit Familie und Premierminister ausschlaggebend sein, als vielmehr der für kommende Woche erwartete Beschluss Elyiakim Rubinsteins, des Rechtsberaters der Regierung, in Bezug auf die gegen Weizman geführte Untersuchung. Allgemein glaubt kaum jemand, dass Rubinstein etwas anderes tun wird, als die Empfehlung von Staatsanwältin Edna Arbel anzunehmen und das Dossier zu schliessen. Mit der Rücktrittsankündigung hat Weizman seinen Teil des Deals jetzt ja erfüllt. Man kann Verständnis dafür aufbringen, dass er als Grund für seine Demission angibt, er habe schon immer die Ansicht vertreten, ein Präsident sollte nicht länger als sieben Jahre im Amte sein. In Israel wird ein Präsident für fünf Jahre gewählt, wobei er sich für eine zweite Kadenz zur Wahl stellen kann. Weizman liess sich allerdings noch ein Hintertürchen offen. Sollte der Premierminister ihn ausdrücklich darum ersuchen, wäre er auch bereit, seine Funktionen bis zum israelischen Unabhängigkeitstag des Jahres 2001 zu versehen.
Dass es soweit kommen wird, glauben allerdings nur wenige im politischen Leben des jüdischen Staates. Die anderen haben bereits angefangen, intensive Spekulationen über potenzielle Nachfolger Weizmans anzustellen. In Ehud Baraks Partei «Ein Israel» gilt Shimon Peres, Minister für regionale Zusammenarbeit, als Spitzenkandidat. Im Likud nimmt der Abgeordnete Moshe Katzav diese Position ein, doch werden auch andere Namen genannt, wie Aussenminister David Levy und Meir Shamgar, ein ehemaliger Präsident des Obersten Gerichtshofes. Dieser macht seine Kandidatur allerdings von der Bedingung abhängig, dass er der einzige Kandidat sei und die Unterstützung aller wichtigen Parteien geniesse.