Der neue Präsident tritt ins Fettnäpfchen

Dalia Shehori, October 9, 2008
Zu den zahlreichen israelischen Prominenten, die in letzter Zeit mit ungeschickten Äusserungen auf sich aufmerksam gemacht haben, gesellt sich nun auch der neue Staatspräsident Moshe Katsav hinzu, der sekuläre Juden auf despektierliche Weise aufgefordert hat, die Religion zu respektieren. Inzwischen hat Katsav sich entschuldigt.
Schwieriger politischer Einstand: Israels neuer Präsident Moshe Katsav beim Gebet. Foto Keystone

Israels neuer Präsident Moshe Katsav hat Bedauern über die verunglimpfende Bemerkung zum Ausdruck gebracht, mit der er in dem in einer charedischen Zeitung erschienenen Interview «die Tommy Lapids und Yossi Sarids» aufgefordert hat, die Religion zu respektieren. Er hätte die Bemerkung nie machen sollen, präzisierte Katsav und fügte hinzu, er bringe Yossi Sarid und Tommy Lapid sowie in der Regel allen 120 Knessetmitgliedern viel Respekt entgegen.
Gegenüber Reportern bekräftigte der Präsident allerdings seine Behauptung, wonach die Juden dank ihrem Festhalten an den jüdischen Gesetzen und an der Religion die letzten 20 Jahrhunderte überlebt hätten. Diese Wirklichkeit sei, wie Katsav unterstrich, kein Widerspruch zur Tatsache, dass der Staat Israel «dank der zionistischen Bewegung gegründet worden ist, in der es sowohl religiöse als auch sekuläre Strömungen gibt». Der politische Zionismus habe die Schaffung des Staates ermöglicht. Das sei aber kein Widerspruch zur Feststellung, dass die Juden wegen ihres Festhaltens an der Religion der Assimilation entgingen und nicht von der Bildfläche verschwanden.
In einem Telefongespräch mit Yossi Sarid meinte der Präsident, die ihm zugeschriebenen Zitate seien verzerrt widergegeben worden. Zuvor hatte Sarid, der Vorsitzende der links-liberalen Meretz-Partei, Katsavs publizierte Äusserungen als «komisch und unnötig» bezeichnet. Dies umso mehr, als der Präsident vor und nach seiner Wahl wiederholt erklärt habe, sich aus der Politik herauszuhalten und helfen zu wollen, die das jüdische Volk trennenden Gräben aufzuschütten. Sarid akzeptierte aber die Entschuldigung Katsavs und verlieh seiner Hoffnung Ausdruck, die Äusserungen des Präsidenten würden sich in Zukunft verbessern.
Moshe Katsav rief die charedische Führung auf, mehr zu tun, um ihre Position den sekulären Juden gegenüber zu erklären und erläutern. «Wir sollten Situationen vermeiden, in denen jede Seite sich in ihrer Stellung eingräbt und gegenüber der anderen Seite weder Geduld noch Toleranz aufbringt.» Die charedische Führung müsse, so fügte Katsav hinzu, mehr tun als sich nur um die eigene Gefolgschaft kümmern. Diese Führung habe eine Verantwortung gegenüber der sekulären Bevölkerung und sollte Schritte unternehmen, um «in die Herzen dieser Menschen im Staate Israel einzudringen.» Ferner meinte der Präsident, er unterscheide zwischen Dialog und religiösem Zwang. Letzere Erscheinung lehne er unmissverständlich ab.
Schliesslich wurde Moshe Katsav noch gefragt, ob er das Patriarchengrab in Hebron besuchen würde. Er schloss dies nicht aus. «Ich bin ein Jude», meinte er, «und habe das Recht, an meiner Religionsfreiheit festzuhalten. Genau so wie ich fordere, dass diese Freiheit Christen und Moslems gewährt wird, verlange ich für die Juden das Recht auf freie Ausübung der Religion.»