Der Mega-Deal von Teva
Von Yoram Gabison
Teva, der weltgrösste Hersteller von Generika, will den Erwerb von 78 Prozent der Aktien von Barr Pharmaceuticals bis Ende Jahr über die Bühne bringen. Vor sechs Monaten schon hatte Verwaltungsratvorsitzender Shlomo Yannai angedeutet, dass der Konzern bis 2012 seinen amerikanischen Marktanteil von 20 auf 30 Prozent erhöhen will.
Der grösste Vorteil, der Teva aus des Übernahme erwächst, ist eine Festigung der Führungsposition gegenüber der Novartis-Tochter Sandoz, der Nummer zwei auf dem Weltmarkt für generische Produkte. Die Produktelinie von Barr stärkt die Präsenz von Teva in Ost- und Zentraleuropa wesentlich. Zudem erhöhen die Produkte der Barr-Tochter Duramed den Anteil von Teva auf dem Gebiet der Geburtenkontrolle. Mit Verhütungspillen wie Seasonique oder dem Präparat Plan B für den Morgen danach verfügt Barr hier über einen grossen Vorsprung gegenüber Teva. Alles in allem verkauft Barr 25 verschiedene orale Kontrazeptive. Zudem ist die Hormonalbehandlung Enjuvia von Barr für Frauen in der Menopause ebenfalls eine gute Ergänzug für das Sortiment von Teva.
Zugang zu neuen Märkten
Profitabel dürfte für Teva ausserdem der Zugang von Barr zu den Märkten von Russland, Polen und Kroatien sein. In letzterem Land beträgt der Marktanteil von Barr stolze 37 Prozent. Seine kroatische Tochtergesellschaft Pliva hat Barr im Oktober 2006 für 2,5 Milliarden Dollar erworben. Die Gesellschaft ist in ganz Ost- und Zentraleuropa tätig. Barr Pharmaceuticals ist heute eine Holdinggesellschaft, die durch Tochterfirmen wie Barr Laboratories, Duramed und Privabetrieben wird.
Der Marktwert von Barr liegt derzeit bei 5,2 Milliarden Dollar. Die Firma ist in 30 Ländern präsent und stellt sowohl rezeptfreie als auch verschreibungspflichtige Medikamente her. Im ersten Quartal des laufenden Jahres erwirtschaftete der Konzern bei einem Umsatz von 608 Millionen einen Reingewinn von 23 Millionen Dollar. Die Vergleichswerte für das letzte Quartal 2007: 12 Millionen Dollar Reingewinn bei Umsätzen von 597 Millionen. Im ersten Quartal 2008 lagen die Gewinne vor Zinsen, Steuern, Abschreibungen und Amortisationen bei 153 Millionen Dollar. Weltweit beschäftigt Barr 8900 Personen. Das Hauptquartier der Holding befindet sich in New York, die Barr Labs sind in New Jersey. Trotz einer recht starken Position in Zentral- und Osteuropa konzentrieren sich die Verkäufe von Barr immer noch im Wesentlichen auf die USA (71 Prozent).
Innerhalb der gesamten Produktepalette machen Pillen für die Geburtenkontrolle 31 Prozent der Einnahmen aus, gefolgt von antipsychotischen Medikamenten und pharmazeutischen Therapien gegen Herzkrankheiten mit je elf Prozent. Rezeptpflichtige Medikamente sorgen zwar lediglich für 19 Prozent der Umsätze von Barr, doch die Brutto-Profitmarge dieser Produkte beläuft sich auf 68 Prozent.
Führungsposition ausgebaut
Teva dürfte für den Deal mit einer Mischung von Aktien und Bargeld zahlen, wie das schon bei der Übernahme von Ivax im Juli 2005 der Fall gewesen ist. Teva verkauft heute in den USA 331 generische Medikamente, und mit Barr kommen weitere 150 hinzu. Zum Vergleich: Sandoz verkauft 200 Medikamente dieser Art. Nummer drei ist Mylan mit 170 Medikamenten, gefolgt von Barr auf Rang vier. Am Ende des ersten Quartals 2008 erwartet Barr die Genehmigung von 70 weiteren generischen Medikamenten.
Der Kauf von Barr dürfte es Teva erleichtern, die Ziele für 2009 zu verwirklichen. Barr entwickelt auch bio-generische Medikamente, ein Markt, der in den kommenden Jahren stark wachsen dürfte, da mehrere wichtige Patente auslaufen. Barr stellt zudem auch Injektions-Medikamente her, ein Markt, den Teva 2003 mit dem Kauf von Sicor betrat. Teva und Barr arbeiten seit September 2005 zusammen, als sie ein Abkommen über die Vermarktung von Fexofenaine unterzeichneten, eine generische Version von Allegra-D für die Behandlung von saisonal auftretenden Allergien und chronischen Hautkrankheiten. Die beiden Firmen kooperieren auch bei anderen generischen Medikamenten. Die gemeinsamen Projekte haben beiden Konzernen ermöglicht, die Stärken und Schwächen des anderen kennen und schätzen zu lernen. Für Teva war es daher nur logisch, sich Gedanken über den nächsten Schritt zu machen - dieser ist nun vollzogen worden.