Der König des Abendschuhs
Nur durch puren Zufall wurde der in den USA geborene Stuart Weitzman heute einer der bedeutendsten Schuhdesigner weltweit. Als Sein Vater Seymour, ein Schuhdesigner und Fabrikant, starb, bat ihn sein Bruder Warren, das Schuhdesign zu übernehmen, bis er einen Ersatz finden konnte. Ursprünglich wollte Stuart sich mit seinem Abschluss der Wharton University in Pennsylvania als Bankier an der New Yorker Wall Street betätigen. Aber Stuart Weitzman sagte zu, da er parallel zu seinen wirtschaftlichen Interessen auch eine Neigung für das Geschäft seines Vater entwickelt hatte: «Schon als kleiner Junge begleitete ich meinen Vater in die Fabrik, wo ich Papier und Kartons faltete. Ich war ich künstlerisch begabt und konnte gut zeichnen und malen», erklärt er.
Künstler und Geschäftsmann
Sein Abschluss in Wirtschaft hilft ihm wesentlich: Er ist Künstler, aber auch Geschäftsmann. Er habe oft mit seinem Vater darüber gesprochen, dass er nicht ins Schuhgeschäft einsteigen werde. Doch wie so oft im Leben kommt alles anders, als man denkt. Er machte schon früh Entwürfe für seinen Vater, und es entstanden ganze Schuhkollektionen, die sein Vater heimlich anfertigte. «Ich fand es aufregend für mich als jungen Mann, dass meine Schuhe in eleganten Läden an der Fifth Avenue in New York die Schaufenster zierten.» So sei er eben hängen geblieben und er habe sein Hobby zum Beruf gemacht, den er enorm liebe. Als Liebhaber moderner Kunst versuche er ständig, das Schuhdesign zu modernisieren, sei es durch Material, Technik oder Form, obwohl er auch vor Althergebrachtem durchaus Respekt habe und es auch in seine Modelle einbaue.
An seinen Vater habe er eine besonders schöne Erinnerung: Weitzman beschreibt ihn als wunderbaren Mann, der seinen Kindern mit seinem Schuhdesign viel an Kreativität vermacht habe: «Mein Vater liess eines meiner Schuhmodelle später in Bronze giessen», erklärt er gegenüber tachles. Er sei eben sehr stolz auf mich gewesen, so wie Eltern das eben seien. «Ich glaube, mein Vater wäre heute sehr erstaunt über den Erfolg meiner Schuhkreationen», betont Stuart Weitzman.
Geschäftsstrategien
Zwölf Jahre habe er mit seinem Bruder Warren gemeinsam die Firma geleitet. «Wir lieben uns, aber wir sind bessere Brüder als Geschäftspartner, denn wir haben unterschiedliche Ansichten über Ziele der Firma, was normal ist,» unterstreicht Stuart. 1972 hatte er das Geschäft nach Spanien verkauft, aber weiterhin das Design für die Firma gemacht. «Nachdem wir Brüder uns schliesslich geschäftlich getrennt hatten, habe ich das Geschäft 1994 in Spanien zurückgekauft. Bis heute werden in Alicante unsere Schuhe produziert», erklärt Stuart. Es sei für alle die beste Lösung gewesen.
Im Jahre 2005 ging die Stuart Weitzman Inc. eine Teilhaberschaft mit der
Bear Sterns Merchant Bank ein. Dank dieser Partnerschaft konnte das Unternehmen stark expandieren. Die Bank habe kein Geld in die Firma investiert, sie habe eine Minderheit der Firmenanteile gekauft und dem Unternehmen so finanziell den Rücken gestärkt. Weitzman habe alle Profite in neue Projekte einfliessen lassen und weltweit weitere Fabriken und Läden eröffnet. Innerhalb von drei Jahren habe er von zehn Geschäften auf 55 expandiert. «Leider hat der Tag nur 24 Stunden, ich brauche eigentlich 36», deklariert der erfolgreiche Geschäftsmann. Dank der Teilhaberschaft könne er sich vermehrt dem Design widmen. 2007 stieg er ins Handtaschengeschäft ein, das heute bereits zehn Prozent seines Geschäfts ausmache, und es werde auf 25 Prozent ansteigen, prophezeit er. Die Taschenproduktion sehe er als logische Folge des Geschäftsausbaus. Neu sei auch die Produktion von Kinderschuhen dazugekommen, die einen tollen Absatz hätten, vor allem Dank der Mütter und Grossmütter.
Massgefertigte Schuhe
Die Marke Stuart Weitzman wird von modebewussten Frauen weltweit beachtet und steht für einen amerikanischen Stil, der sich durch verspielte Eleganz auszeichnet. Seine Designs sind kreativ, vom Stiletto bis hin zum Tennisschuh. Die Materialien sind vielfältig: von Leder über Lack, Seide, Spitze bis Vinyl – einige der massgefertigten Schuhe sind sogar mit Swarovski-Kristallen besetzt. Mittlerweile gehört sein Design zu den bekanntesten und gefragtesten von Haute-Couture-Damenschuhen. Weitzman betont: «Ich liebe Leder und kreiere daraus exotisch aussehende Produkte. Auf keinen Fall will ich echte Krokodil- oder Schlangenhäute verwenden, aber ich bearbeite das Leder so, als seien es echte. Schliesslich sei Leder ein Abfallprodukt der Fleischindustrie. Man könne Luxus auch einfach reproduzieren und dabei noch verantwortlich handeln.
Die Schuhe der Stars
In der Branche gilt Stuart Weitzman als «der König des Abendschuhs». «Diese Bezeichnung gefällt mir durchaus», sagt Weitzman, und erklärt: «Wir sind weltweit Spezialisten auf diesem Gebiet. Hohe Absätze sind eben elegant und sexy. Trotzdem sind diese Schuhe bequemer, als man denkt. Für mich ist die Passform primär wichtig, nicht nur das Aussehen», sinniert er. So tragen viele der Hollywoodstars seine Schuhe, wenn sie über den roten Teppich schreiten, sei es an den Oscar-Verleihungen, am MTV Award, am Filmfestival in Cannes oder bei Filmpremieren. Unter den Stars befinden sich Angelina Jolie, Kate Winslet, Eva Mendez, Eva Longoria oder Tina Turner. Vor allem Tina Turner hat es Weitzman mit ihrer Energie angetan. Sie hat einen Schuh entworfen, der an einer Auktion für eine Brustkrebs-Wohltätigkeitsveranstaltung einen der höchsten Preise erzielt hat. Weitz¬man trifft die Stars persönlich, um das Design zu besprechen und ihnen die Schuhe anzupassen. «Wenn die Stars, die sonst so vieles gratis erhalten, meine Schuhe so gerne mögen, dass sie sie kaufen, so spricht das für unser Produkt, das qualitativ sehr hochstehend ist», folgert er. Auf die Frage, ob sich denn eine normal sterbliche Frau seine Schuhe leisten kann, lacht Weitzman und sagt: «Ja sicher, wir sind nicht wie Gucci, das haben wir nicht nötig. In der Schweiz kann man meine Schuhe bereits ab 250 bis 300 Franken kaufen.»
Das soziale Gewissen
Weitzman unterstützt die Brustkrebs-Forschung finanziell und verrät gegenüber tachles, dass die Mutter seiner Frau Jane daran gestorben ist. Heute könne man bereits früh medizinisch Abhilfe schaffen und niemand müsse daran sterben, so Weitzman. Er komme aus einer Familie, die viel Gutes getan hat. Sein soziales Gewissen werde von seiner Frau Jane stets gefördert: «Wenn sie könnte, würde sie alles verschenken.» Soeben hat sie in Ramat Hasharon in Israel für die Gründung einer Schule für unterprivilegierte Kinder eine Auszeichnung erhalten. Sie wolle noch weitere Schulen finanzieren. Auf die Frage, ob sie auch seine Schuhe trage, meint er lachend: «Natürlich, sie hat mich aus diesem Grund geheiratet».