Der Judenmord von Payerne

von Hans Stutz, October 9, 2008
Arthur Bloch, Viehhändler, seit fünfundzwanzig Jahren verheiratet mit Myria geborene Dreifuss und Vater zweier Töchter, Liliane und Eveline, wohnhaft in Bern, Monbijoustrasse 51, verlässt vier Tage vor Adolf Hitlers dreiundfünfzigstem Geburtstag kurz vor fünf Uhr morgens seine Wohnung. Er werde gegen zwei Uhr nachmittags zurückkehren, sagt er zu seiner Frau. Zu Fuss geht er den kurzen Weg zum Bahnhof und steigt in den Frühzug, der über Kerzers und Avenches nach Payerne fährt. Fahrplanmässige Ankunft 6 Uhr 18. Er beruhigt Myria mit einem Telefonanruf, er sei gut gereist und wohlbehalten angekommen.
Dokumentarische Erzählung: Spannend und erschütternd zugleich.

Seit rund dreissig Jahren besucht Arthur Bloch die Viehmärkte der Schweiz, kauft und verkauft Rinder, Stiere und Kühe. Und seit Jahren plagt Myria die Ahnung, ihrem Gatten werde einmal etwas Furchtbares passieren, wenn er in Geschäften über Land reist.
Am 16. April 1942, frühmorgens, liegt leichter Frost auf den blühenden Kastanienbäumen. Die Bise pfeift, der Himmel ist blau und klar.(...) Die Sonne wärmt die kalte Luft, bis gegen Mittag steigt die Temperatur auf annähernd 10 Grad.
Einige Monate vorher hat der Bundesrat den verstärkten Anbau von Getreide verordnet, das Angebot auf den Viehmärkten ist gesunken. Marktbericht: Die Viehpreise halten sich auf hohem Niveau. Trächtige Rinder erreichen 1200 bis 1500, junge Milchkühe bis 1600 Fr. Kälber bringen 2.50 bis 2.80 das Kilo. Auf dem Schweinemarkt werden 450 Tiere aufgeführt, der Handel ist ziemlich lebhaft. Am Bahnhof treffen am Morgen in dreizehn Waggons 52 Stück Grossvieh und 16 Stück Kleinvieh ein. Bis am Abend werden in 43 Waggons 89 Stück Grossvieh, 32 Stück Kleinvieh abtransportiert. (...) Insgesamt ist der Besucheraufmarsch bescheiden, die Bauern wollen ihre Felder und Äcker bestellen, die Vegetation ist im Rückstand.
Gegen Mittag paffen und rauchen, trinken und diskutieren in den Restaurants und Cafés rund um den Marktplatz Viehhändler, Metzger und Bauern. An vielen Fronten ist Krieg. Soldaten und Offiziere der deutschen Wehrmacht kommen im Schlamm und Matsch kaum voran. Vereinzelte Gegenangriffe der Roten Armee. Neuer Luftangriff auf das Ruhrgebiet, 11 britische Flugzeuge angeschossen, abgestürzt. Noch zwei oder drei Jahre Krieg, prognostiziert Franklin D. Roosevelt, Präsident der Vereinigten Staaten.

Rückkehr von der Ärztemission

Die Teilnehmer der zweiten Schweizer Ostfront-Ärztemission sind gesund zurückgekehrt und in Zürich empfangen worden. Die Ärzte, Pfleger und Krankenschwestern haben unter dem Kommando der Wehrmacht Verwundete in deutschen Lazaretts betreut. «Wie im Jahre 1940, so bekämpfen wir auch im Berichtsjahr mit grösstem Nachdruck alle Versuche jüdischer Kreise, schächten zu dürfen», schreibt der Verband Schweizer Metzgermeister in seinem Jahresbericht.Gegen 15 Uhr fallen Bahnhofsvorstand Jaquet vier Rinder und ein Muni auf, die nahe dem Güterbahnhof unter Kastanienbäumen angebunden stehen. Die Tiere sind hungrig, muhen und stampfen und schlagen mit den Schwänzen um sich. Er telefoniert mit Jacob Charly Bruder, der ein paar Häuser weiter wohnt. Der Viehhändler kommt unverzüglich und erkennt das Zeichen von Arthur Bloch, ein grosses B, unmittelbar nach dem Handschlag mit blauer Fettkreide den Tieren auf die Flanke gezeichnet. Der Bahnhofsvorstand verständigt die Gendarmerie, die Polizisten führen das Vieh in einen nahe gelegenen Stall.

Wo ist Arthur Bloch?

In den frühen Abendstunden erkundigt sich Myria Bloch telefonisch bei Viehhändlern nach ihrem Gatten. Die Angerufenen können nur berichten, sie hätten Arthur Bloch bis rund 10 Uhr auf dem Markt gesehen. Keiner von ihnen hat Bloch - allein oder in Begleitung - vom Markt weggehen sehen. Einige munkeln, Bloch sei wohl wieder einmal zu einer Magd oder Serviertochter gegangen.
Nachts ruft Myria Bloch ihre Tochter an, die in Zürich eine Lehre als Schneiderin macht: Vater sei nicht nach Hause gekommen. Das gekaufte Vieh habe er stehen lassen. Mit dem ersten Morgenzug fährt die Tochter nach Bern. Sie spricht auf einem Stadtberner Polizeiposten vor. Die Beamten meinen, sie könnten doch nicht jedes Mal eine Anzeige aufnehmen, wenn ein braver Mann fremdgehe.
Am gleichen Freitag, bereits um 6 Uhr, telefoniert René Guggenheim, Arthur Blochs Neffe, auf den Gendarmerieposten von Payerne: Sein Onkel sei immer noch nicht nach Hause gekommen. Die Gendarmen unternehmen nichts. Myria Bloch engagiert Privatdetektiv August-Christian Wagnière aus Lausanne. Am folgenden Tag, einem Samstag, meldet die Berner Kriminalpolizei Bloch über Polizeifunk als vermisst und fügt an, vermutlich liege ein Verbrechen vor. Aus welchen Gründen sie zu dieser Einschätzung kommt, bleibt unklar. In Payerne ermitteln weder Untersuchungsrichter Louis Matter noch die Gendarmen: Sie könnten keine Hinweise auf ein Verbrechen erkennen.
In den Cafés und Geschäften des Landstädtchens, in den Büros und Handwerksbetrieben, in der Ziegelei und in den Zigarrenfabriken verbreitet sich die Kunde von Arthur Blochs Verschwinden; schnell verbreiten Männer und Frauen Gerüchte, verwandeln sich Mutmassungen in Fantasien über verheimlichte Liebschaften, und da und dort malt einer sich aus, wie es wäre, sich eines Tages einfach auf und davon zu machen. Einige ortsbekannte Nationalsozialisten kommentieren die Gespräche mit Anspielungen und Gerüchten über Juden. In den Zeitungen erscheinen noch keine Meldungen.
35 Jahre später - Studentinnen und Studenten in Paris und Berlin haben den Strand unter dem Pflaster gesucht und für eine kurze Zeit auch gefunden, der Schweizer Bundesrat hat ein «Zivilverteidigungsbuch» an alle Haushalte verteilen lassen, in dem kritische Staatsbürger als potenzielle Staatsfeinde dargestellt werden - wollen der Fernsehfilmer Yvan Dalain und der Journalist Jacques Pilet das Verschwinden Blochs dokumentieren. Sie lesen Zeitungsausschnitte. Sie sprechen mit Männern und Frauen, die Arthur Bloch gekannt haben. Sie interviewen die Männer, die Bloch auf dem Markt angesprochen und mit ihm den Platz verlassen haben. Sie befragen Männer und Frauen, die in jenen Jahren in Payerne lebten. Nicht alle Befragten können sich die Tage der Ungewissheit ins Gedächtnis zurückrufen. (...)
Andere wollen ihr Wissen nicht weitergeben, so ein Notabler, der die beiden Männer inmitten von alten Möbeln und einigen Flaschen erstklassigen Weines empfängt. Mit energischer Stimme erklärt er, er sei bereit, sich über alles zu unterhalten, ausser über das Verbrechen von 1942: «Diese entsetzliche Tat beschmutzt die Ehre unserer Stadt.»
Fernand Bloch, jüdischer Viehhändler aus Payerne - mit dem Vermissten weder verwandt noch verschwägert - erinnert sich seiner Beunruhigung: Am Samstag, zwei Tage nach dem Viehmarkt, habe er auf dem Gendarmerieposten vorgesprochen und den Polizisten geraten, sich doch einmal bei den örtlichen Nazis und ihren Freunden umzusehen. Sie hätten auch schon daran gedacht, erwidern die Polizisten, aber sie hätten bis jetzt keinen konkreten Hinweis. In den Akten, die erhalten sind, ist vieles erwähnt, nicht aber Fernand Blochs Intervention.

Bedauerlicher Zwischenfall

Der Stadtarchivar liest die beiden Bände der Stadtchronik, welche die Zeit des 2. Weltkrieges abdecken. Er findet «keine Erwähnung der Zelle, die existiert haben soll und auch existiert hat. Ich habe alle Seiten durchgesehen.» Aber er denke nicht, dass man viel darüber sprechen müsse. «Es war ein verrückter und bedauerlicher Zwischenfall.» Zwar sei er noch kein alter Mann, aber mit den Jahren versuche er, so gut es gehe, das Negative auszublenden. (...)
Und Gerichtspräsident Georges André, der 5 Jahre nach der Tat über einen Anstifter urteilt, verweigert das Gespräch. Der Jurist sieht im Wunsch nach Klärung historischer Vorgänge einen linken Vorstoss gegen die bürgerliche Gesellschaft: «Unter dem Vorwand, Geschichte zu schreiben, beschwört man häufig die Vergangenheit, mit dem einzigen Ziel, eine auf die Gegenwart anwendbare politische Beweisführung zu stützen.»Eine Tochter von Arthur Bloch lässt im TV-Film ihre Aussagen von einer Schauspielerin lesen, da ihr schon die Idee unerträglich ist, dass die Täter ihr Gesicht sehen oder ihre Stimme hören könnten. Ein Teil ihrer Familie habe zu Kriegsbeginn darüber nachgedacht, ob sie der nationalsozialistischen Gefahr durch Emigration in die USA entkommen wolle. Doch ihr Vater habe seine Heimat nicht verlassen wollen. «Es war die Anhänglichkeit an sein Land, die ihn bewog zu bleiben, welches auch immer die Drohungen waren, die Nazideutschland über den Juden lasten liess.»
Myria Bloch und ihre Töchter schwanken zwischen Hoffen und Bangen, gespannt reagieren sie auf jedes ungewohnte Geräusch und jeden hektischen Schatten. «Ich behalte von diesen Tagen des Wartens eine Erinnerung der Hölle. Wir hatten uns alles ausgemalt, nur nicht das, was wirklich geschehen ist», berichtet die Tochter später. «Als wir die Wahrheit erfuhren, war es ein Schock, ein unsagbarer Schmerz.»

Nachforschungen der Wahrsagerin

Eines Nachts seien ihre Mutter und ihre Schwester von einem Besuch bei Freunden heimgekehrt und sie hätten in allen Zimmern Licht gesehen und gemeint, hinter den Fenstern Bewegungen wahrnehmen zu können.«Wir gerieten in Panik.» War der Vater nach Hause gekommen und hatte den Verstand verloren oder waren Einbrecher in der Wohnung?(...). «Am folgenden Morgen getrauten wir uns in die Wohnung. Wir hatten einfach vergessen die Lichter auszuschalten.» Myria Bloch beauftragt eine Berner Wahrsagerin mit Nachforschungen. Diese schwingt ihr Pendel über einem Payerner Stadtplan, der Vermisste befinde sich im Zufluss zu einem Fischteich. Später erzählt man sich, ein holländischer Wahrsager sei über die Wiesen und durch die Wälder gewandert, habe sein Pendel geschwungen und dann behauptet, Bloch befinde sich im Wasser, vielleicht in einem Teich. Daraufhin hätten Polizisten einen Teich am Rand des Städtchens abgesucht und nichts gefunden.
Am Montag, den 20. April 1942 feiert Adolf Hitler seinen 53. Geburtstag. In Berlin strahlt ein fast sommerliches Frühlingswetter, tagsüber arbeiten deutsche Männer und Frauen in den Büros und Fabrikhallen, an den Kriegsfronten und in den Konzentrationslagern für den «Endsieg». Spätnachmittags können sie im Volksempfänger die Direktübertragung der Feierstunde aus der Berliner Philharmonie hören. Reichspropagandaminister Joseph Goebbels hält die Ansprache, Wilhelm Furtwängler dirigiert Beethovens Neunte für den Diktator, der seine jüdischen Musikerkollegen und ihre Familien aus dem Land treiben liess. Nach der Feier schreibt Goebbels in sein Tagebuch: «Neben mir sitzen Soldaten und Arbeiter, denen die Tränen in den Augen stehen.» Goebbels erwähnt auch einen Angriff auf einen Militärzug in Frankreich. Einige deutsche Soldaten sind getötet worden. «Das wird mit harten Repressalien beantwortet. Die Zahl der Erschiessungen wird verdoppelt, und es werden über 1000 Kommunisten und Juden nach dem Osten verfrachtet. Dort wird ihnen wohl bald die Lust vergehen, die deutsche Ordnungspolitik für Europa zu stören.»
Privatdetektiv Wagnière findet die Bauern, denen Bloch die zurückgelassenen Rinder und den Stier abgekauft hat. Das letzte Tier erwarb der Vermisste vom dreissigjährigen Landwirt Avit Godel, wohnhaft im nahe gelegenen Dorf Domdidier. Als er mit Bloch verhandelt habe, berichtet der Bauer, habe er einen jungen Mann bemerkt, der sich in ihrer Nähe herumgetrieben, sie beobachtet und dann Bloch angesprochen habe: Sein Bruder wolle zwei Rinder verkaufen, sie stünden zu Hause im Stall.
«Bloch hat mit mir noch alles Geschäftliche erledigt und ist dann mitgegangen.»
Der Unbekannte habe ein Fahrrad gestossen, sei wohl 17- oder 18jährig, 165 bis 170 Zentimeter gross, von schlanker Statur, habe blonde Haare, eine gesunde Hautfarbe, wenn auch ein leicht gerötetes Gesicht. Er habe eine braune Mütze und einen verschmutzten Monteuranzug getragen, wie ihn beispielsweise Mechaniker tragen würden. Er habe, fügt Godel noch an, den jungen Mann zum ersten Mal gesehen.
Arthur Bloch bleibt verschwunden, seine Frau und die beiden Töchter befürchten, er sei entweder entführt worden oder irre in einem Wald umher, weil er das Gedächtnis verloren habe. Myria Bloch setzt 1000 Franken Belohnung aus für jeden Hinweis, der zur Auffindung des 60jährigen Vermissten führt oder die genauen Umstände seines Verschwindens zu rekonstruieren erlaubt. (...) Der Viehhändler sei letztmals morgens am Viehmarkt in Payerne gesehen worden.
Der Text ist eingerahmt von zwei Fotos, die einen missmutig blickenden Herrn in grauem Anzug und mit Krawatte zeigen. Einmal mit, einmal ohne Filzhut. Das Inserat erscheint in den beiden Payerner Lokalzeitungen. Daraufhin melden sich mehrere Personen bei den Ermittlern, einige berichten, sie hätten Bloch an jenem Tag kurz vor 13 Uhr mittags in einem Geschäft in Payerne gesehen und dann am gleichen Abend im Wald von Râpaz, unweit von Payerne. Andere behaupten, sie hätten den Vermissten in Yverdon oder in Lausanne beobachtet. Am 27. April 1942, sechs Tage nachdem das Inserat erstmals erschienen ist, versammeln sich viele Männer und Frauen frühnachmittags in der kleinen Abdankungshalle des jüdischen Friedhofs von Bern. Am Morgen ist der Himmel bewölkt gewesen, dann haben sich die Wolken aufgelöst, seit Mittag ist es frühlingshaft warm. Der Friedhof, ausserhalb der Stadt, ist umgeben von Mauern und beschattet von Bäumen. Die ausgehobene Grube liegt kaum zwanzig Meter vom Grabstein des Vaters Julius Bloch entfernt, hier gebettet anno 1891, gestorben mit 37 Jahren - er hatte 1872 in Radelfingen bei Aarberg das Schweizer Bürgerrecht erworben und damit zu den ersten Juden gehört, die sich in der Schweiz einbürgern lassen konnten.
Rabbiner Messinger liest den Nachruf. Arthur Bloch, geboren 1882 in Aarberg, Kanton Bern. Arthur ist das älteste von fünf Kindern und bleibt der einzige Sohn; bald zieht die Familie ins Städtchen Burgdorf. Arthur ist 9jährig, als der Vater stirbt. Er wächst mit Mutter und vier Schwestern auf, besucht als Jugendlicher ein französisches Internat in Remiremont, Frankreich. Bei der militärischen Aushebung wird er den Dragonern der Schweizer Armee zugeteilt. Er übernimmt das Viehhandelsgeschäft seines Onkels Jakob Weil. Im April 1917 heiratet er die 11 Jahre jüngere Myria geborene Dreifuss, aufgewachsen in Zürich. Sie nehmen Wohnsitz in Bern. Das erste Kind stirbt kurz nach der Geburt. Im Dezember 1921 kommt die Tochter Liliane Désirée zur Welt, im März 1925 Eveline Marlise. Eine unauffällige Familie bis zu Arthur Blochs Tod.
Die Totenrede hält Georges Brunschvig, Präsident der Jüdischen Gemeinde Bern, Sohn eines Pferdehändlers von Avenches. Der Anwalt hat einige Jahre vorher, als Nazis und Antisemiten sich in vielen europäischen Ländern im Aufwind befanden, einen aufreibenden Kampf gegen frontistische Verteiler der fiktiven Schrift «Die Protokolle der Weisen von Zion» geführt. Das Pamphlet behauptet ein authentisches Dokument zu sein und «die jüdische Weltverschwörung» beweisen zu können. Brunschvig strebte an, dass die Schrift, gestützt auf das kantonalbernische Gesetz gegen Schundliteratur, als «politischer Schund» eingestuft werde. Die erste Instanz schützte die Klage. (...) Die verurteilten Antisemiten appellierten, das Berner Obergericht hob Anfang November 1937 das Urteil auf, da der Gesetzgeber unter «Schund» ausschliesslich «Pornographie» verstanden habe. Nazis und Antisemiten triumphierten und bogen den formaljuristischen Sieg in eine Bestätigung für die Verleumdungsschrift um.
Am Grab von Arthur Bloch hat Brunschvig den trauernden Männern und Frauen wenig Tröstliches zu sagen: «Die Menschheit verroht, eine ungeheure Verwirrung der Gefühle greift um sich. Direkt oder indirekt ist auch der Dahingegangene ein Opfer unserer Zeit. Als bescheidener Mensch, in treuer Pflichterfüllung des Alltags, ist er feigen, ruchlosen Elementen zum Opfer gefallen.» Arthur Bloch hinterlässt keinen männlichen Nachkommen, so betet ein treuer Freund der Familie das Kaddisch für den Toten. (...) Wenige Wochen nach der Beerdigung verlässt Myria Bloch Bern. Trauer, Wut und Entsetzen bleiben. «Sie leidet seit dem Tode ihres Mannes an einer schweren Depression, die ihr nicht nur jede Entschlusskraft raubt, sondern auch ihre Arbeitsfähigkeit derart eindämmt, dass sie kaum imstande ist, ihren notwendigsten Verpflichtungen nachzukommen», schreibt zehn Monate später ein Spezialarzt für Neurologie und Psychiatrie, um sie von der Teilnahme an den Gerichtsverhandlungen zu befreien. «Zur Depression gesellen sich