Der Dadaist und das Künstlerdorf
Auf halbem Weg zwischen Tel Aviv und Haifa am Fuss des Karmelbergs liegt das Künstlerdorf Ein Hod. Vom Dach des Janco-Dada-Museums in der Mitte des Dorfes sieht man bis zur mittelalterlichen Festung Atlit, die in der fernen Meeresbucht liegt.
Das Dorf und seine Bevölkerung sind einzigartig in Israel. Seit den fünfziger Jahren leben und arbeiten hier nur Künstler: Maler, Bildhauer, Schmuck- und Keramikdesigner, Fotografen; es sind Menschen unterschiedlichster Generationen und Herkunft. Ein Hod ist zweifellos ein Touristenmagnet, auch für Israeli, die an freien Tagen in Scharen durch die pittoresken Gassen des Dorfes schlendern. Ein Hod hat europäischen Charme, und die vielen Galerien, Kunstmuseen und Handwerkskurse für Erwachsene und Kinder bieten eine Atmosphäre, die man sonst in Israel nicht findet. Dennoch, ein Geheimtipp ist Ein Hod längst nicht mehr, und am Wochenende ist das Dorf ziemlich gut besucht.
Einst war Ein Hod ein arabisches Dorf, Ein Howd, dessen Bewohner im Zuge der Staatsgründung fliehen mussten. Einige wenige blieben und gründeten ganz in der Nähe das neue Dorf Ein Howd, welches erst 1992 von Israel offiziell anerkannt wurde. Im ursprünglichen Ein Howd blieben einzig die Steinhäuser der einstigen arabischen Bewohner, die heute das einzigartige Flair des Ortes ausmachen.
Ein Dadaist in Ein Hod
Die Geschichte des Künstlerdorfes Ein Hod ist indirekt auch mit Zürich verbunden; durch den rumänischen Architekten und Maler Marcel Janco, der an beiden Orten seine Spuren hinterlassen hat. In Zürich gehörte Janco zu den Mitbegründern des Dadaismus, einer Kunstbewegung, die konventionelle Kunstformen ablehnte und sie parodierte. Janco gründete zusammen mit Hans Arp, Emmy Hennings, Hugo Ball, Richard Huelsenbeck, Walter Mehring, Tristan Tzara und weiteren Künstlern am 5. Februar 1916 an der Spiegelgasse 1 in Zürich das Cabaret Voltaire, den Treffpunkt der Dadaisten. Janco soll es auch gewesen sein, der den Begriff Dadaismus ins Leben rief, den er von einem Haarwaschmittel namens «Dada» ableitete, das damals in Zürich in Mode war. So lautet zumindest eine der vielen Theorien über die Begriffsherkunft des Dadaismus, die man sich erzählt. Eine andere besagt, dass der Schriftsteller Hugo Ball im Kreise anderer Künstler mit einem Federmesser in ein deutsch-französisches Wörterbuch stach und das Wort «dada» traf.
Nach prägenden Jahren in der Limmatstadt kehrte Janco 1922 in sein Geburtsland Rumänien zurück, wo er sich als Maler und Architekt weiterentwickelte. 1941 kehrte er dem wachsenden Antisemitismus in Europa den Rücken und entschloss sich zur Emigration nach Palästina. Er war gefesselt von der für ihn exotischen Landschaft und malte in dieser Zeit vor allem Ölbilder von Nordisrael; Landschaften in Zfat und Tiberias waren beliebte Sujets. Dann entdeckte Janco Ein Hod, ein zu der Zeit verlassenes Dorf aus Steinhäusern. Es sollte eine Künstlerkolonie entstehen, in deren kreativer Atmosphäre Janco und andere Künstler künstlerisch tätig sein und vor allem auch Kunstförderung betreiben wollten.
Museen, Galerien, Workshops
Heute leben 150 Künstler und ihre Familien im Dorf, darunter auch einige Träger des renommierten Israel-Preises; 1967 hatte Marcel Janco den Preis selber erhalten, später auch die Dorfbewohner Gertrud Kraus, Simon Halkin, Haim Hefer, Natan Zach, Aryeh Navon, Michael Gross, Gavri Banai und Gila Almagor. Viele der Künstler aus Ein Hod stellen ihre Kunst im ganzen Land aus, aber auch im Ausland und permanent in der Hauptgalerie Ein Hods; dort sind Bilder, Skulpturen, Schmuckstücke und Keramikgegenstände von 95 Dorfbewohnern ausgestellt – die Galerie bildet eines der Herzstücke Ein Hods. Gleich gegenüber der Galerie befindet sich das Janco-Dada-Museum, 1983 von Freunden und Bewunderern Marcel Jancos gegründet. Eine permanente Ausstellung zeigt Werke aus den 70 Jahren von Jancos Schaffen sowie von diversen Dada-Künstlern. Daneben bieten Wechselausstellungen israelischen Künstlern eine Plattform für ihre Arbeiten – aktuell sind Arbeiten von Yehuda Poliker zu sehen. Der sonst als Sänger und Komponist bekannte Poliker zeigt eine Serie von Ölbildern, die nur Köpfe als Motiv haben – «The Museum of Dreams» nennt Poliker seine einzigartige Serie.
Ein weiterer Anziehungspunkt Ein Hods sind die unzähligen Kunsthandwerkskurse für Kinder und Erwachsene; töpfern, bildhauern, malen oder Papier und Mosaike herstellen, und das alles in der inspirierenden Atmosphäre des Dorfes. Ein Hod ist ein Magnet für alle, die der Grossstadthektik entfliehen wollen, und sei’s nur für ein paar Stunden.
http://ein-hod.info