Daten und Symbole
Daten-Symbolik. An Geburts- und Todestagen etwa oder an Hochzeitstagen und Firmenjubiläen denkt man an die Menschen und Ereignisse, die die Entwicklung einer Person, einer Familie oder eines ganzen Volkes nachhaltig beeinflusst haben. Gleiches gilt für die Politik von Staaten und internationalen Organisationen. Hier steht der sogenannte Tag der «nakba» im Zentrum der nahöstlichen Debatte. An diesem Tag gedenken Palästinenser und ihre Sympathisanten der «nakba» («Katastrophe»), die mit der Gründung des Staates Israel am 15. Mai 1948 über sie hereingebrochen sei. Vor dem Hintergrund der Revolutionsstimmung in der arabischen Welt, aber auch angesichts des herannahenden Septembers, wenn die Uno den Staat Palästina anerkennen will, sprengte dieses Jahr die Diskussion um die «nakba» erstmals den verbalen Rahmen. Dutzende von Menschen starben oder wurden verwundet. Wer die Schüsse abgegeben hat, ist noch unklar, ausser für jene, die Israel immer genauso automatisch und unbesehen verurteilen, wie die propalästinensische Mehrheit in der Uno eine sichere Bank ist. Grenzzäune wurden in einem von langer Hand minutiös vorbereiteten «spontanen» Protest mit Teheran in den Kulissen niedergetrampelt.
Daten-Symbolik. Israels Widersacher begehen den Tag der «nakba», um anklagend an die Gründung des Staates Israel zu erinnern. Gegen diesen Akt, verbunden mit der geforderten Anerkennung Israels, ziehen die Araber jedes Jahr zu Felde, und zwar am 15. Mai, und nicht etwa am 11. Juni als Protest gegen die Folgen des Sechstagekriegs. Könnte man die Forderung nach einer Zweistaatenlösung in den Grenzen von 1967 noch verstehen, wäre es für Israel fatal, den Aktivitäten des 15. Mai mit verschränkten Armen zuzuschauen, denn dies wäre nichts anderes als das stillschweigende Einverständnis zum nationalen Selbstmord, zum Abschluss eines Friedhoffriedens. Was den Arabern israelische Grenzen, Waffenstillstandslinien und staatliche Souveränität bedeuten, haben Libanesen und Syrer am Sonntag an den löchrigen Zäunen im Norden und die Palästinenser in Ostjerusalem unmissverständlich manifestiert.
Daten-Symbolik. Wenn Binyamin Netanyahu am 24. Mai vor dem US-Kongress sprechen wird, kann er zweierlei tun. Entweder legt er eloquent dar, gegen wen Israel am Tag der «naqba» anzutreten hatte und auch weiter anzutreten haben wird, und welche Weisheit Israel bewiesen hat, indem es nicht nur syrische Verletzte in eigenen Krankenhäusern behandelte, sondern auch keine 24 Stunden nach dem Inferno beschloss, den Palästinensern zeitweise vorenthaltene Steuergelder von fast 400 Millionen Schekel zu überweisen. Stoppt Netanyahu hier, werden Verteidigungsminister Ehud Barak und Ex-Mossadchef Efraim Halevy Recht behalten, wenn sie in den Ausschreitungen vom Sonntag «erst den Anfang» sehen. In der gegenwärtigen Lage seien, so sagen sie, Verhandlungen mit der Palästinensischen Behörde unmöglich, weil der israelische Spielraum immer enger wird und die Möglichkeiten des Auslands, Friedensgespräche zu fördern, zusehends schwinden. Netanyahu könnte allerdings auch endlich, so vorhanden, die Katze aus dem Sack lassen und den Gegnern mit einer eigenen, israelischen Friedenspolitik unter Wahrung von Souveränität und Sicherheit den Wind aus den Segeln nehmen.
Daten-Symbolik. Netanyahu spricht in der gleichen Woche vor dem Kongress, in der Juden den 33. Tag des Omer-Zählens begehen, an dem das Massensterben unter den Schülern des berühmtem Rabbi Akiwa unterbrochen wurde. Lässt sich die Kluft zwischen dem, was sein sollte, und dem, was sein wird, überbrücken?