Das Wunder aus Stahl
Noch vor der Eröffnung der allerersten Ausstellung am 4. März ist das Design Museum Holon (DMH) bereits als neues architektonisches Wahrzeichen Israels gehandelt worden. Kein Geringerer als der international renommierte Stararchitekt Ron Arad hat dasarchenförmige, aus riesigen Stahlbändern bestehende Gebäude entworfen, das mitten in Holon, südlich von Tel Aviv, stoisch Präsenz markiert. Nach vierjähriger Bauzeit wurde der gewundene, witterungs-beständige Stahlbau Ende Januar offiziell eingeweiht; Journalisten, Design- und Architekturliebhaber kamen in Scharen, um sich das «Designwunder» anzuschauen. Der Israeli Ron Arad, der seit 1981 alsDesigner international tätig ist, sagt, dass er ein Gebäude designen wollte, «dessen Hülle vor allem von Bedeutung ist, wo äussere Räume wichtig sind, damit man auch draussen sein kann (…), in einer Stadt wie Holon, die sich soeben kulturell neu erfindet». Auf Hebräisch bedeutet der Name Holon «Sand»; Arads Bau widerspiegle dies, weil er aus natürlichem Material bestehe und sich optisch der Umgebung angleiche, so die Initianten. Auffällig und pompös bleibt der in roten Tönen gehaltene Prachtbau trotzdem.
Eine Stadt erfindet sich neu
Holon hat den Ruf, viel Engagement in Kultur und Bildung zu stecken, was vor allem dem Bürgermeister der Stadt, Motti Sasson, zu verdanken ist: Im auch als «Kinderstadt» bekannten Holon stehen das Israelische Kindermuseum, das Nationale Israelische Kartoon Museum oder die Holon Mediathek sowie die grösste öffentliche Bibliothek des Landes. Rechtzeitig zum 70. Geburtstag der Stadt ist hier nun ein Museum entstanden, das «Symbolcharakter für die Designszene» haben soll, so die ursprüngliche Idee von Motti Sasson und Hana Hertsman, Mitinitiantin und Generaldirektorin der Stadtverwaltung Holon.
Es ist dies Ron Arads erstes kommerzielles Architekturprojekt, welches bereits mit dem Condé Nast Traveller Innovation and Design Award for Culture – einer Auszeichnung des gleichnamigen Magazins – ausgezei chnet wurde, bevor es überhaupt seine Tore öffnete. Hana Hertsman sagt: «Diese Auszeichnung honoriert einerseits die grossartige Arbeit von Ron Arad, andererseits betont sie aber auch die Bedeutung, die Design und Kultur im alltäglichen Leben Holons haben. Wir machen Holon zu einem öffentlichen Museum, in dem Kunst jedem offensteht.» Eine weitre Vision der Macher war es, ein Museum zu bauen, das eine führende Stellung für Design-Innovationen in Israel einnehmen soll. Die Stadt Holon hat bis anhin 17 Millionen Dollar in das Projekt gesteckt. Im ersten Jahr nach der Eröffnung soll der Betrieb 2,7 Millionen Dollar an Kosten verschlingen. Weitere finanzielle Unterstützung suchen die Verantwortlichen bei privaten Spendern.
Design in öffentlichen Räumen
Die 3700 Quadratmeter des Museums sind allein schon einen Besuch wert. Das DMH besteht aus zwei Hauptgalerien unddiversen kleinen Räumen, aus einem Innenhof, der als Freilichtmuseum dienen kann, plus Café, Design-Labor, Büros, Archiv und Lager. Einerseits soll im DMH Design-Innovationen viel Platz gegeben werden, daneben sollen aber auch kleinere Ausstellungen der allgemeinen Öffentlichkeit Erlebnisse im Bereich Design bieten und dabei den Dialog zwischen Öffentlichkeit, Kuratoren und Designern suchen. Ziel ist es auch, die Wahrnehmung für Design in der Öffentlichkeit zu verändern und aufzuzeigen, was für einen Einfluss Design in öffentlichen Räumen hat, so die Initianten.
Das DMH will Objekte aus diversen Design-Bereichen zeigen, zeitgenössische und historische Objekte, darunter aus den Branchen Industrie, Mode und Schmuck.
In einem dem Museum angegliederten sogenannten Design-Labor sollen zudem nationale und internationale Gestalter tätig sein. Zudem wird israelisches Design der vergangenen 60 Jahre aufgearbeitet, womit man bereits begonnen hat: In fünf bis sieben Jahren, so das Ziel, wird eine Dauerausstellung mit Designobjekten eröffnet werden.
In einem speziellen Bereich werden internationale Kuratoren Ausstellungen organisieren, und es sollen Wanderausstellungen gezeigt werden. Die erste Ausstellung, die seit dem 4. März unter dem Titel «The State of Things – Design and the 21st Century» gezeigt wird, präsentiert über 100 Designobjekte, die von vier von der Stadt Holon ausgewählten internationalen Kuratoren ausgesucht wurden. Die Kreativdirektorin des Museums, Gali Gaon, erklärt: «Die Objekte der Ausstellung präsentieren denselben Einfallsreichtum und dieselbe Poesie wie Ron Arads Gebäude selbst.»
www.dmh.org.il