Das Jahr der Wahrheit!

Joël Wüthrich, October 9, 2008
Für viele jüdischen und israelischen Fussballer in den europäischen Ligen bedeutet das neue Millennium auch ein neuer Anfang oder eine Neuorientierung. Auch bei den Managern und Besitzern diverser Traditionsvereine mit jüdischem Glauben kann diese Saison entweder in einem Desaster oder in einem Grosserfolg enden.
Mischen hinter den Kulissen für die neue Saison: Arsenal Vize David Dein (rechts) mit Francis Colado. Foto Keystone

Für den jüdischen, beziehungsweise israelischen Fussball wird das Jahr 2000 richtungsweisend. Die «Gwuza» Israels steht vor der WM-Qualifikationsrunde gegen altbekannte Gegner (unter anderem Spanien, Österreich) und muss sich speziell auf die Hochform einiger seiner «Legionäre» in den europäischen Ligen verlassen. Man darf gespannt sein, wie das Freundschaftsspiel gegen den ersten Gegner der Schweiz in der WM-Quali, Russland, am 16. August ausgeht.

Revivo startet optomal
Für Haim Revivo war die vergangene Saison nach sehr gutem Start und starker Saison 1998/99 eine riesige Enttäuschung. Der Mann, der in Vigo bei Celta so grossartig den internationalen Durchbruch schaffte, wurde nur noch als Edeljoker eingesetzt. Sein Entscheid deshalb, auf diese Saison den Verein zu wechseln, war keine Überraschung.
Überraschend war eher, dass er sich für die türkische Liga und Fenehrbace Istanbul entschied, den Verein an der asiatischen Seite des Bosporus. Doch hier lockt nicht nur das Geld, sondern eine knüppelharte Meisterschaft im boomenden Fussballmarkt des Landes mit dem Halbmond auf der Flagge. Setzt sich Revivo hier durch, kann er in der WM-Qualifikation Akzente setzen, hat er auch in Zukunft wieder die Chance bei einem Grossklub in der Primera Division, Bundesliga, Premiere Divison oder Serie A vorzusprechen. Einen guten Start gleich mit einem überragenden 4:0-Auswärtssieg bei Kocaelispor (ein Tor durch Revivo) erwischte der israelische Nationalspieler bereits. Die Fans in Istanbul lieben ihn bereits. Ebenfalls wegweisend wird das Jahr für Eyal Berkovich bei Celtic Glasgow. Auf ihm ruhen sehr viele Hoffnungen und nicht wenige erachten ihn als den grossen Schlüsselspieler sowohl bei Rangers-Herausforderer Celtic wie auch in der Nationalmannschaft. Berkovich ist kompletter in der Spielanlage als Revivo und zudem auch taktisch beweglicher. Er ist jedoch nicht die Skorermaschine, die Revivo in Hochform sein könnte. Berkovich wird in Glasgow wie ein Held gefeiert und man weiss um seine Qualitäten. Im ersten Meisterschaftsspiel gegen Kilmarnock (2:1-Sieg) wurde Berkovich jedoch noch nicht eingesetzt. Man vertraute vorerst auf das Sturmtrio Johnson/Larsson/Moravcik. Das andere Aushängeschild für die jüdischen Fussballer in Schottland heisst Sebastian Rozenthal, seines Zeichens chilenischer Nationalspieler. Man darf gespannt sein, wie das traditionsreichste und älteste Duell zwischen zwei Stadtrivalen (Rangers-Celtic wird in Glasgow als «Mutter aller Derbies» bezeichnet) ausgeht, in Anbetracht dessen, dass zwei jüdische Spieler sich auch hier gegenübertreten. Aber dieses Duell könnte platzen, denn in der hochdotierten argentinischen Liga ködert man derzeit Sebastian Rozenthal mit hohen Offerten und er wird sich aller Voraussicht nach für einen Gaucho-Verein entscheiden. Ein anderer wichtiger Mittelfeldspieler, der in dieser Saison für mächtig Furore sorgen kann ist Jossi Benayoun (Maccabi Haifa): er wird von vielen Top-Vereinen aus ganz Europa beäugt und beobachtet. Es wird nicht lange dauern, bis er sich einen Topvertrag unter die Nägel reisst. Ebenfalls in Zusammenhang mit europäischen Spitzenclubs wird Israels Mittelfeldspieler Idan Tal gebracht (Petach Tikva), der in der Premier League verschiedene Offerten prüft. Weiterhin bei seinem Verein blieb Tal Banin (Brescia, zusammen mit dem Schweizer Nationalspieler Kubi Türkilmaz). Ohne Verein ist derzeit der ehemalige Topmann des PSG (Paris St. Germain), Mickael Madar, der nach der Einkaufswut seines Vereins (Anelka, Dalmat, u.a.) im Sturmzentrum keinen Vertrag mehr erhielt. Aber verschiedene Vereine wollen sich die Dienste des erfahrenen Spielers sichern. Madar ist in Wartestellung.

Traum und Trauma Manager!
Verschiedene jüdische Manager und Besitzer renommiertester Vereine zittern derzeit um die Geschicke ihrer Clubs. Besonders bitter erging es in den letzten Monaten Robert Louis Dreifuss mit seinem Olympique Marseille. Der Aderlass im Teamgefüge (Dalmas, Porato, Luccin sind weg wie auch andere Schlüsselspieler) und die immerzu latente Unruhe sowie der sportliche Misserfolg im Umfelds machen ihm das Leben schwer. Diese Saison wird sehr schwer für ihn.
Besser sieht es hier bei Arsenals General Manager David Dein aus. Sein Club musste zwar Overmars und Petit ziehen lassen, aber mit Lauren, Silvinho, Tomas und Lushny konnte man diese Abgänge wieder auffangen. Sehr gespannt auf die Saison ist Manchester City-Besitzer und GM David Bernstein. Er sanierte die «Hellblauen» und freut sich auf die Derbies gegen das grosse ManU! Und schliesslich strebt das jüdische «Duo Infernale» von Tottenham, Alan Suga und David Pleat, den Sturm auf die Champions League-Plätze.