Bye-bye, Bill!

von Gisela Blau, October 9, 2008

Schade, dass er gehen muss! Wann vorher gab es einen amerikanischen Präsidenten, der so viel Lebensfreude ausstrahlte wie Bill Clinton? Und dennoch - meistens - politische und wirtschaftliche Weitsicht zeigte? Er war so ganz anders als seine Vorgänger und sein Nachfolger. Er las nach eigenem Bekunden während seiner beiden Amtszeiten Hunderte von Büchern. Schon vor seiner Wahl war er als leidenschaftlicher Debattierer auf höchstem Niveau beschrieben worden. Beide Clintons gehörten früher zu einem exklusiven Debattierzirkel, geleitet von einem jüdisch-amerikanischen Linksintellektuellen. Ja, da gab es natürlich die Affäre mit der kalifornischen Jewish Princess Monica Lewinsky, die Clinton zu Lügen verleitete. Washington war schockiert; die Amerikaner nahmen es ihm nicht übel, und Europäer sind von ihren Oberhäuptern ohnehin einiges gewöhnt. Clintons Beliebtheitsnoten sind noch jetzt so hoch wie bei keinem Präsidenten zuvor. Er wäre problemlos für eine dritte Amtszeit gewählt worden. Denn sein Leistungsausweis ist beachtlich, auch wenn die Hoffnung auf den Friedensnobelpreis für einen Nahostfrieden buchstäblich in letzter Minute schwand, was seine vielen Kritiker mit Häme kommentieren. Am Freitag übergibt Bill Clinton endgültig das höchste Amt an den Berufs-Sohn George W. Bush, dessen Vater durch Clinton 1992 im Wahlkampf geschlagen wurde und der jetzt mit Daddys alter Garde Staat machen will. Vermutlich müssen sich künftig vor allem die Israelis viel wärmer anziehen als unter der Clinton-Administration, der israelfreundlichsten aller Zeiten. Clinton war der erste amerikanische Präsident, der jünger ist als Mick Jagger. Darauf machte er die Welt vor acht Jahren aufmerksam, in seiner Antrittsrede nach dem ersten Amtseid vor dem Capitol in Washington. Seine Vorliebe für zu kurze Jogging-Shorts und für zu viel Fastfood wurde applaudiert. Wie Jimmy Carter, Präsident von 1977–1981, wollte Clinton nicht einmal als Chef der grössten Weltmacht seinen vollen Vornamen benutzen. Carter wurde 1980 vom Duo Reagan-Bush um eine zweite Amtszeit gebracht; Clintons Vizepräsident Al Gore 2000 durch Bush jr. um die Präsidentschaft. Clinton und Carter, die beiden Südstaaten-Demokraten, werden vielleicht als die am meisten verkannten und unterbewerteten US-Präsidenten des 20. Jahrhunderts in Erinnerung bleiben. Carter gilt heute als politisch-moralische Instanz. Auch für Clinton wäre eine Rolle auf höchster Ebene denkbar. Und was macht Bill Clinton bis dahin? Hillary Clinton ist jetzt Junior-Senatorin von New York mit noblen Residenzen in Washington und in Chappaqua im Staat New York (die ersten eigenen Heime der Clintons, die bisher in Dienstpalästen logierten). Ob der Hausherr zunächst wohl, wie er selbstironisch weissagte, seiner Frau bloss das Pausenbrot zubereiten und mit dem Hund Gassi gehen wird?