Budget angenommen

von Gisela Blau, December 10, 2009
Die Gemeindeversammlung war kurz und das Budget 2010 verweist auf eine finanziell gesunde Israelitische Cultusgemeinde Zürich.

Wohltuend kurz sind die Gemeindeversammlungen der Israelitischen Cultusgemeinde Zürich (ICZ) in ihrer neuen Ära. Etwas weiter als üblich war am Dienstagabend nur der Weg zum Versammlungsort: Wegen des Umbaus im Gemeindehaus fand die GV im Kirchgemeindehaus Enge statt. Etwas länger als sonst fielen aus aktuellem ­Anlass auch die einleitenden Worte des Co-Präsidiums aus. Co-Präsident André Bollag sprach wegen der Annahme des Minarett-Verbots die Befürchtung aus, dass mit diesem Resultat «eine gefährliche Schleuse geöffnet wurde»: «Wer glaubte, dass die Anträge und Vorstösse zur Einschränkung der Religionsfreiheit dann nur die anderen treffen würden, sah sich schon bald getäuscht», weil der CVP-Präsident davon gesprochen habe, künftig auch jüdische Friedhöfe zu verbieten, ­eine Aussage, die er bald zurücknahm.

Ein bedeutendes Thema

«Wir müssen die Entwicklungen aufmerksam verfolgen und uns, wo nötig, zur Wehr setzen», sagte Bollag. Auf nationaler Ebene übernehme der Schweizerische Israelitische Gemeindebund (SIG) die Führung, aber weil der Vorstand das Thema für sehr bedeutend halte, sei die ICZ «im Kontakt mit Politikern aller Couleurs aus dem Kanton und der Stadt Zürich». Der Co-Präsident zitierte aus einer Fraktionserklärung der FDP im Zürcher Kantonsrat vom Montag (siehe S. 5), in der sich die Zürcher FDP trotz der «gewundenen und wenig glaubwürdigen» Entschuldigung von CVP-Präsident Christoph Darbellay der Forderung des SIG anschliesst, die CVP müsse «eine formelle Distanzierung von den Aussagen ihres Präsidenten» abgeben. Die Zürcher FDP forderte dies explizit von der CVP des Kantons Zürich.

Markus Arnold, Präsident der kantonalzürcherischen CVP, entschuldigte sich schriftlich beim Co-Präsidium «für die Entgleisung unseres Präsidenten Chris­tophe Darbellay». Arnold baue «weiterhin auf den konstruktiven Dialog unserer Religionsgemeinschaften», und er wünschte «eine besinnliche Chanukka-Zeit», ­zitierte Bollag.

Viele Rücktritte

Was die Reklamationen von Gemeindemitgliedern wegen der Wahlempfehlung für den Regierungsratskandidaten Daniel Jositsch (tachles berichtete) und Probleme mit der Führung der internen Sicher­heitsorganisation ISO angeht, beweist der Vorstand Standfestigkeit: Es werde weiterhin wie üblich Wahlempfehlungen geben, und Personalfragen seien nach wie vor kein Thema für die GV.

Eines der umfangreichsten Geschäfte des Abends waren viele Rücktritte aus Kommissionen und Neuwahlen für diese Vakanzen. Aus der Jugendkommission traten fünf Mitglieder sowie ihr Präsident Jonathan Kreutner zurück. Diese Positionen konnten bis auf eine Vakanz wieder besetzt werden. Neue JuKo-Präsidentin ist Judith Dolev. Aus den Kommissionen Mitgliederdienste und Kultur trat je ein Mitglied zurück, aus der Friedhof- und Bestattungskommission zwei. Auch in letzterer bleibt ein Platz frei. In der Synagogenkommission erfolgte indes der Rücktritt von einem Rücktritt. Ein neuer Vollzeit-Chasan ist trotz komfortabelster Entlöhnung noch nicht gefunden.

Das Budget 2010 der finanziell noch recht gesunden ICZ wurde durchgewinkt, und die GV war nach einer guten Stunde zu Ende.