Brutkästen für innovative Ideen

von Joseph Canaan, October 9, 2008
Wie man aus der Not eine Tugend macht, demonstrierte Rina Pridor vom Büro des wissenschaftlichen Beraters im Ministerium für Industrie und Handel in Jerusalem. Der Anfang war bescheiden, wie in vielen Fällen und wurde von den Vorgesetzten mit viel Skepsis bewertet. Jedoch es waren die objektiven Zwänge, die sie veranlassten, dem Projekt grünes Licht zu erteilen. Denn mit der Einwanderungswelle aus der ehemaligen UdSSR landeten in Israel auch zahlreiche Wissenschaftler, Ingenieure, geschulte Techniker und Menschen mit neuen Ideen, die sie umsetzen wollten. Ihnen wollte man eine Chance geben.
Biochemie: Neue Techniken als Erfolgsgarant.

Das war eigentlich die Geburtsstunde des Projekts «Brutkästen für technologische Initiativen». Dieses Vorhaben hat sich bald zum Testlabor der New Economy gemausert und inzwischen die in ihn gesteckten Hoffnungen übertroffen. Bester Beweis für diese Erfolgsstory ist der massive Einstieg privater Unternehmer und Geldgeber aus dem In- und Ausland. Was noch vor wenigen Jahren als zeitbegrenzter Betätigungsort für aus Russland eingewanderte Wissenschaftler und Experten gedacht war, entwickelte sich zu einem festen Bestandteil des israelischen Silicon Valley. Zwei Brutkasten Start-up Firmen, Poliheal aus Haifa und Itran Telecom aus Beer-Scheba, erhielten vor einigen Wochen eine besondere Auszeichnung für hervorragende Leistungen. Poliheal, ein Biotechnologie-Unternehmen, entwickelte ein Präparat zur beschleunigten Heilung von Schnitt- und Brandwunden sowie Verletzungen bei chirurgischen Eingriffen. Eine Investition von 7,5 Mill. $ ebnete den Weg für klinische Versuche und Anwendungen. Die von Itran Telecom entwickelte Technologie zur Übermittlung von Daten über Elektrokabel veranlasste den US-Flugzeughersteller Boeing mit 7 Mill. $ in ein Joint Venture einzusteigen.
Das europäische Service-Zentrum der US Firma Gillette installierte das von der Firma MER Telemanagment Solutions Ltd. konzipierte TABSweb System in acht verschiedenen Niederlassungen in Deutschland und anderen Ländern. MER ist auf die Herstellung innovativer Management- und Televerrechnungs-Technologien spezialisiert. Die South West Bank of Texas wiederum übernahm das von der israelischen Fundtech Ltd. entwickelte webACCESS System, das dem Kreditinstitut ermöglicht, seinen zahlreichen Kunden einen umfassenden e-banking Service anzubieten, einschliesslich einem voll integrierten und netzgestützten elektronischen Zahlungssystem.
Gegenwärtig sind 220 Kleinstunternehmen in 24 Hochtechnologie-Brutkästen tätig, die zum Grossteil in der Nähe von Universitäten und technischen Hochschulen angesiedelt mit den akademischen Institutionen eng kooperieren. Ihre Aufgabe ist neuen Einwanderern, wie auch Hochschulabsolventen mit innovaten Ideen die Möglichkeit zu bieten, sie auf ihre praktische Machbarkeit zu testen und weiter zu entwickeln. Im Verlauf eines strengen Ausleseverfahren werden jedes Jahr höchstens 100 von ca. 2400 Anträgen in das Brutkastenprojekt aufgenommen. In der auf 24 Monate ausgelegten «Inkubationszeit» hat jeder Teilnehmer einen Anspruch auf 350 000 $ aus öffentlichen Mitteln, davon werden 85% als verlorener Zuschuss angerechnet. Darüber hinaus erhält die Leitung des Brutkastens 180 000 $ zur Finanzierung laufender Ausgaben. Diese Zuwendungen, die sich in diesem Jahr auf 20 Mill. $ summieren, dienen als Anschubmittel, bis sich herausstellt, ob das Projekt praktische Umsetzungschancen hat und befähigt ist, private Geldgeber oder Wagnisfonds zu interessieren. Nach einer verhältnismässig kurzen Zeitspanne der Ignorierung und Geringschätzung haben zahlreiche Venturefonds das wahre Potenzial der Brutkasten-Winzlinge entdeckt und Investitionen in Höhe von 328 Mill. $, davon 113 Mill. $ im Vorjahr getätigt.
Seit seiner Gründung vor acht Jahren zählt das Inkubator-Projekt 592 «Absolventen», davon stuft die Leiterin Rina Pridor 308 technologische Initiativen, oder 52% als kommerziell erfolgreiche Vorhaben ein. Dieses Ergebnis sei im internationalen Vergleich eine beeindruckende Erfolgsquote. Zu den Schwerpunkten der Start-up-Firmen zählen die Branchen Elektronik (27%), medizinische Diagnostika (23%), Software (16%) und Pharmazeutik (12%). Im Verlauf ihrer Inkubationsphase erwirtschafteten 131 Brutkasten-Absolventen Erlöse in Höhe von 98 Mill. $, davon stammten 71 Mill. $ aus dem Exportgeschäft.