Briten haben kalte Füsse bekommen
Thomson Travel, der grösste britische Anbieter von Reisearrangements nach Israel, hat zum Jahresende alle Israel-Pläne gestrichen, und wegen des gesunkenen Interesses hat die Fluggesellschaft El Al einen Teil ihrer wöchentlichen Flüge annulliert. Thomas Cook, eines der grössten Reisebüros in Grossbritannien, meldet Januar-Zahlen für das Israel-Geschäft, die um zwei Drittel unter den Vergleichswerten des Vorjahres liegen. «Im Januar 2000», sagte ein Sprecher der Firma, «schickten wir rund 700 Personen nach Israel. Dieses Jahr waren es nur etwa 200.» Nach Angaben des offiziellen israelischen Touristik-Büros in London sind rund ein Drittel der britischen Israel-Reisenden jüdisch.
Die orthodoxen und Reformgemeinden Grossbritanniens haben in den vergangenen Monaten Solidaritätsmissionen mit je über 100 Teilnehmern nach Israel geschickt. Der «Millenniums-Effekt» mag die Zahlen des letzten Jahres vielleicht noch etwas verbessert haben, doch der Rückgang ist wesentlich. Nach Ansicht von Thomas Cook dürften Leute, welche die Region schon kennen, sich von der Situation weniger abschrecken lassen als solche, die über den jüdischen Staat wenig Kenntnis besitzen. Touristen, die noch nie in Israel waren, suchen sich heute eher andere Destinationen für ihre Ferien, doch wer schon einmal in Eilat gewesen ist, der weiss, dass der Ort hunderte von Kilometern vom Konfliktherd entfernt liegt. Vom Popularitätsschwund israelischer Ferienorte profitieren heute ägyptische Angebote in Sharm el-Sheik und in der Sinai-Wüste.Harry Helps, ein Pressesprecher von Thomson Travel, enthüllt, dass die Firma kurz nach Ausbruch der Unruhen seine «Holy Land Tour» nach Jerusalem, Bethlehem und Nazareth gestrichen hat, und als die Zusammenstösse anhielten, musste auch Eilat aus dem Angebot genommen werden. «Wir waren uns voll bewusst», sagte Helps, «dass Zeilat von der Gewalt nicht betroffen war, doch nachdem so viele Menschen annullierten, strichen wir das ganze Programm und halfen unseren Kunden, eine andere Destination zu finden.» In normalen Zeiten offeriert Thomson Israel-Pakete in der Zeit vom November bis zum April, und in einer ruhigen Saison schickt die Firma rund 5000 Briten pro Jahr nach Israel. Auch El Al spürt den Rückgang und strich im Januar einen ihrer zwei wöchentlichen Flüge von Manchester nach Israel; vor Pessach dürfte er nicht wieder ins Programm aufgenommen werden. Die Tourismus-Flaute kommt zu einem für El Al besonders schlechten Zeitpunkt, hat die Firma doch für 400 Mio. Dollar drei neue Flugzeuge vom Typ Boeing 777 gekauft, von denen eines auf der London-Route eingesetzt werden soll.
Am 8. Februar hat das Londoner Foreign Office (Aussenministerium) seine Warnung vor Reisen nach Israel zwar aufgehoben, doch die Wirkung der Negativ-Empfehlung hat noch nicht nachgelassen. Die offizielle britische Warnung vor Besuchen in den palästinensischen Gebieten gilt nach wie vor.
JTA