Blut und Frieden

von Yves Kugelmann, October 9, 2008

Es ist nicht nur die trostlose Zeit von Terror, Tod und Blutvergiessen. Es sind vorwiegend die verlorenen Träume und Hoffnungen, die bitter über die Welt hereingefallene Ernüchterung, dass Friede in Nahost, dass ein Leben fernab von Ideologien, vernichtender Rhetorik, grausamer Gewalt im einst so Heiligen Land kaum möglich sind, die Erkenntnis auch, dass das Volk des Buches sich nach wie vor vom perfiden und dennoch nicht unerwarteten Volkaufstand der Palästinenser wieder zur Waffe zwingen liess. Es ist die bittere Erkenntnis, dass Israels Führung seit dem Beginn der Intifada im Jahre 1986 keine Szenarien und Mittel gegen erneute Aufstände entwickelte, dass Israels Politiker in den letzten Jahren in einer unvergleichlichen Arroganz mehr mit sich selber denn mit der Sachpolitik beschäftigt waren, und es ist die offensichtliche Tatsache, dass Arafats Doppelzüngigkeit den Nahen Osten wieder einmal zum Brandherd werden liess. Die Menschen, die täglich sterben, sie sind auf beiden Seiten verblendet, verblendet durch jahrelange fundamentalistische Hamas-Doktrin, verblendet aber auch von politischer Propaganda. In Israel half die Demokratie einem aufgeklärten Volk nicht, vernünftige Politik heranzubilden. Bei den Palästinensern half die jahrelange Unterdrückung durch arabische Länder und Israel nicht, im Befreiungskampf den Willen zur Demokratisierung und zum Frieden stär-ker werden zu lassen, als der tiefverbürgte Hass gegen den «zionistischen Feind».
Es sind nun also diese Wochen der Wahrheit, nach denen die Lösung des Konflikts nicht mehr ein gemeinsamer Frieden, sondern die gewaltsame Trennung zweier nicht zu vereinbarendender Streithähne heissen dürfte. Israels Souveränität und die palästinensische Mündigkeit sind solche nur noch auf dem Papier. Letztlich wird nur noch internationaler Druck das Blutvergiessen stoppen können und müssen. Denn es geht schon lange nicht mehr um Recht oder Unrecht oder um die Frage, was für politische Lösungen noch ausgeheckt werden könnten, welche Taktik noch zu erwarten ist. Es geht nur noch darum, dass in die Region nach x verpatzten Chancen endlich Vernunft einkehrt.