Besserer Schutz vor Raketenangriffen
Die israelische Luftwaffe entwickelt ein computerisiertes System, das kurz nach dem Abschuss einer feindlichen Rakete mit beträchtlicher
Genauigkeit bestimmen kann, wo sie in Israel landen wird. Das würde dem Heimfrontkommando ermöglichen, den Aufruf an die Bevölkerung, sich in Unterstände zu begeben, auf einen viel kleineren Raum zu beschränken als es heute noch der Fall ist.
Zurzeit ist Israel, was einfliegende Raketen betrifft, in zehn grosse Distrikte aufgeteilt. Bei jedem Angriff werden alle im betroffenen Distrikt lebenden Menschen aufgefordert, die Luftschutzkeller aufzusuchen. Sobald aber das neue System in schätzungsweise 18 Monaten funktioniert, wird das Land in rund 100 Distrikte unterteilt werden. In einer Zwischenphase hofft die Armee, schon kommendes Jahr Israel in 27 Distrikte zu teilen.
Mit den Attacken leben
Hinter dem neuen Konzept steht die Idee, dass das Land besser imstande sein wird, anhaltende Raketenangriffe zu verkraften, wenn bei jeder Attacke nur relativ wenige Menschen in die Unterstände rennen müssen, während der Rest das normale Alltagsleben fortsetzen kann. Vor dem Hintergrund der Einschätzung der Armee, dass zu jedem künftigen Krieg intensive Raketenangriffe gehören werden, ist jeder Versuch wichtig, die Fähigkeit der Israeli zu verbessern, mit solchen Attacken zu leben.
Es gilt allerdings zu beachten, dass das System vor allem für Mittel- und Langstreckenraketen gedacht ist, wie etwa die syrische Scud oder die iranische Shihab. Bis vor Kurzem benutzte Israel ein während des Golfkriegs von 1991 entwickeltes System, welches die Einschlagstelle einer Rakete nur sehr grob berechnen konnte. Ein leicht modernisiertes System wurde während des zweiten Libanon-Kriegs 2006 in Betrieb genommen. Dann aber beschloss die Luftwaffe, ein ganz neues System zu entwickeln, das imstande sein würde, relativ präzise Voraussagen zu liefern.
Raketen abfangen und die Bevölkerung warnen
Laut israelischen Armeekreisen wird das neue System Daten von verschiedenen Quellen sammeln, darunter Radar und elektro-optische Sensoren. Unter anderem wird das System sich auch des hochmodernen amerikanischen Radars bedienen, der derzeit im Negev installiert und der schon im kommenden Monat einsatzbereit sein wird. Die gesammelten Daten werden analysiert, um die Route der Rakete und den vermuteten Landeort zu bestimmen. Diese Arbeit dient sowohl den Bemühungen, das Geschoss abzufangen, als auch der Warnung der betroffenen Bevölkerung für den Fall, dass das Abfangen misslingen sollte.
Das Heimfrontkommando arbeitet inzwischen auch an einer Verbesserung des Sirenensystems, das vor einfliegenden Raketen warnt. Nach Angaben des Kommandos befinden sich heute fast 100 Prozent der Bevölkerung in Audioreichweite des Warnsystems.