Besorgnis in Israels Luftwaffe

von Amir Oren, October 9, 2008
Ein neues Kapitel im Rüstungswettkampf begann am vergangenen Samstag, als Syrien erfolgreich den ersten Test mit einer nordkoreanischen Boden-Boden-Rakete vom Typ Scud-D durchführte. Die Rakete wurde gegen den Nordwesten des Landes abgefeuert.
Israels Generalstabchef Shaul Mofaz (Mitte): Der Arrow-Radar hat die syrischen Scud entdeckt. - Foto Keystone

Der syrische Raketentest vom letzten Samstag war von Israel erwartet worden, gehörte er doch zur routinemässigen Praxis der Syrer zur Erprobung ihres Potenzials. Hingegen waren die zuständigen militärischen Kreise überrascht vom Typ der getesteten Rakete. Sie betonen aber, die von den USA und Israel gemeinsam entwickelte «Arrow»-Rakete sei imstande, die Scud-D mit einer maximalen Reichweite von 600 km abzufangen. Die Scud-D fliegt weiter als die älteren Modelle des Scud-B oder Scud-C, aber nicht so weit wie die iranische «Shihab 3» und die «No-Dong», die nordkoreanische Rakete, auf welcher die Scud basiert.
Die Schwierigkeit, welche die israelische Armee mit der Scud-D haben könnte, wäre das Aufspüren der Raketenabschussrampen. Die Erhöhung der Reichweite erlaubt der syrischen Armee, Abschussrampen tief im eigenen Territorium aufzustellen und sie aus viel grösserer Distanz zu betreiben als bei den bisherigen Raketen kürzerer Reichweite. Die Bedrohung mit der Scud-D wird die israelische Luftwaffe zwingen, beträchtliche Energien in das Aufspüren und Zerstören der Raketen zu investieren, ähnlichen den Bemühungen gegen die irakischen Raketen «al-Abas» und «al-Hussein», die beide der Scud-Familie angehören. Wie die früheren Modelle kann auch die Scud-D mit chemischen und biologischen, in Syrien hergestellten Sprengköpfen bestückt werden. Es ist nicht genau bekannt, welcher Natur der Sprengkopf der am letzten Samstag getesteten Rakete war. Militärische Kreise in Israel meinten nach dem Test, die Entwicklung in Syrien sowie die Berichte über die Lieferung koreanischer No-Dong-Raketen an Libyen und die kontinuierliche Entwicklung der iranischen «Shihab 3» würden unterstreichen, wie richtig es gewesen sei, die Stärke der israelischen Luftwaffe in den letzten Jahren auszubauen.
Luftwaffenkommandanten hatten in internen Beratungen immer wieder die Notwendigkeit betont, die Truppe müsse über genügend hochmoderne Düsenjäger verfügen, die gegen die Abschussrampen von Boden-Boden-Raketen von kurzer, mittlerer und langer Reichweite vorgehen könnten. Darüber hinaus hat Premier Barak vor zwei Wochen den Kauf zusätzlicher Ausrüstung bewilligt, um sowohl die Abschreckungskraft der Luftwaffe als auch ihre Einsatzfähigkeit tief hinter den feindlichen Linien zu fördern.

Haaretz