Berühmt durch eine simple Fanfare
Obschon er abendfüllende Bühnenwerke wie die Oper «The Tender Land» und die Ballette «Apalachian Spring» und «Billy the Kid» schrieb, mit seinen drei Sinfonien und mit je einem Klavier- und Klarinettenkonzert grossen Erfolg erzielte, wurde der am 14. November 1900 als Sohn russisch-jüdischer Einwanderer in Brooklyn (N.Y.) geborene Musiker mit einer knapp zwei Minuten dauernden Orchesterminiatur weltberühmt, mit der zuerst für Blechbläser und Schlagzeug gesetzten «Fanfare for an Common Man» von 1942, die er in seine 3. Sinfonie aufnahm. Von diesem inhaltlich einfachen, dafür sehr einprägsamen Stück liegen gegenwärtig mehr als zwanzig CD-Einspielungen vor, während so bedeutende Komponisten wie das hochexpressive, aufwühlende Klaviertrio «Vitebsk», eine kammermusikalische Rückbesinnung auf die Herkunft aus Weissrussland, oder die von Bernstein gern aufgeführten «Connotations» für Sinfonieorchester nur gerade in je einer Aufnahme greifbar sind. Dem am 2. Dezember 1990 verstorbenen Amerikaner par excellence nähert man sich am besten über das rhythmisch packende Ballett «El Salón México», die frühe Orgelsinfonie «Danzón Cubano» und über jene vier Hauptwerke, welche das von Michael Tilson Thomas mit einem Höchstmass an Einfühlung und gestalterischer Präzision dirigierte San Fancisco Symphony Orchestra auf der CD RCA/BMG 9026 68541 in einer mustergültigen Interpretation festgehalten hat: Klavierkonzert, Short Symphony, Orchestral Variations, Symphonic Ode. Da sind die epischen Qualitäten einer von der Weite amerikanischer Landschaften inspirierten Musik ebenso gut vertreten wie die Jazzelemente, mit denen das vom Komponisten oft selber gespielte «Concerto for Piano and Orchestra» in einem Satz (1926) randvoll gespickt ist – ein Meisterwerk seiner Art und heute noch elektrisierend, erst recht in der vorliegenden Einspielung unter der Leitung eines der besten Copland-Interpreten, der dem Komponisten persönlich nahestand. Den mit siebzehn Jahren bei Rubin Goldmark, dem Neffen Carl Goldmarks, in seiner amerikanischen Heimat begonnenen Kompositionsunterricht setzte Copland von 1921 bis 1924 bei Nadia Boulanger in der Nähe von Paris fort. Mit seinem dort entstandenen ersten Reifewerk, der «Symphony for Organ and Orchestra», kehrte er in die USA zurück, wo er sich dank eines Stipendiums der Guggenheim-Erinnerungs-Stiftung ganz der schöpferischen Arbeit widmen konnte. Seit den dreissiger Jahren setzte sich Copland als Dirigent, mit Vorlesungen und Büchern («Our New Music», deutsch: «Musik von heute. Führende Komponisten Europas und Amerikas», Wien 1947) unermüdlich für die zeitgenössische Musik ein, indem er auf eine ähnliche Art der Popularisierung abzielte wie sein Berufskollege Leonard Bernstein. Acht Jahre lang war Copland Präsident der «American Composer’s Alliance», er wirkte als Dozent an der Harvard University, erhielt eine Berufung als «Appointed Charles Eliot Norton Professor of Poetry» und wurde als Komponist 1945 mit dem Pulitzer-Preis ausgezeichnet.