Berner Rätselraten
Wer weiss, wann Ilan Elgar, Botschafter Israels in der Schweiz, das Land verlässt (vgl. S. 5)? Diejenigen, die es wissen, hüten die Antwort wie ein Staatsgeheimnis, und wer es nicht weiss, ergeht sich in leeren Spekulationen oder hat sein Interesse an den Vorgehen um die israelische Botschaft in Bern längst verloren. Tatsache ist, dass vor Monaten schon der Botschaft nahestehende Kreise die Allgemeinheit eingeladen hatten, sich an einer Sammlung von Anekdoten und Abschiedsworten an Botschafter Elgar zu beteiligen. Tatsache ist auch, dass es bereits Abschiedsanlässe für den israelischen Botschafter gegeben hat, der vermutlich (hier rücken wir also bereits von den bestätigten Fakten ab) seit Monaten schon auf gepackten Koffern sitzt, zumindest grundsätzlich. Effektiv kann er es noch nicht tun, denn weder das Aussenministerium in Jerusalem noch die Botschaft in Bern, die beiden offiziellen Stellen also, die es eigentlich wissen müssten, konnten (oder wollten) tachles irgendwelche Auskünfte erteilen hinsichtlich des präsumptiven Nachfolgers für Elgar oder hinsichtlich des Termins der Wachtablösung. Hinter vorgehaltener Hand wird gemunkelt, Aussenminister Avigdor Lieberman wolle den Berner Botschafterposten mit einer politischen Ernennung besetzen, und das soll Zeit beanspruchen. Das mag sein, aber an dieser Stelle sei daran erinnert, dass die Ablösung Elgars an sich schon vor Monaten auf dem Programm gestanden hatte. Angesichts dieser linkischen Geheimniskrämerei drängt sich die Frage auf: Wer hat was davon? Mit Wehmut denkt man da an frühere Zeiten zurück als der israelische Botschafterposten in der Schweiz verdienten Diplomaten offeriert wurde, die kurz vor der Pensionierung waren und vorher noch gerne ein paar Jahre eine relativ ruhige Kugel schieben wollten. Löbliche Ausnahmen wie etwa Yohanan Meroz oder Aviv Shir-On haben in diesem Falle nur die Regel bestätigt.
Harren wir also geduldig der Dinge, die da früher oder später sicher kommen werden. [ju]