Beinharter Geschäftsmann und Mäzen

von Joseph Canaan, October 9, 2008
Der am vergangenen Wochenende in Tel Aviv verstorbene israelisch-amerikanische Multimillionär Ted (Theodor) Arison hat noch zu Lebzeiten sein Haus gut bestellt. «Ich habe aus der Tragödie der Familie Eisenberg gelernt und hoffentlich die richtigen Konsequenzen gezogen», sagte er in einem der wenigen Interviews mit dem israelischen Fernsehen. «Nach meinem Tod soll es zwischen den Erben keine Diadochenkämpfe geben, die Familien zerstören und Vermögen vernichten», verkündete der Patriarch hoffnungsvoll. Ob sich seine Erwartungen erfüllen werden, bleibt abzuwarten.
Wirtschaftsmogul Ted Arison: Den richtigen Riecher und die grosse Chance erkannt. - Foto Isranet

Wenige Stunden nach Arisons Ableben übernahm seine Tochter Schari (Scharon) Dorfsman (42) den Vorsitz der Arison-Dankner-Investment-Gruppe, die alle Vermögenswerte und Investitionen in Israel kontrolliert, während Sohn Micky (48) an der Spitze der US-Dependanz steht, die sich hauptsächlich aus der in Miami beheimateten Carnival Corp. zusammensetzt. Beide verwalten ein Unternehmensimperium, das von der renommierten Wirtschaftszeitschrift «Forbes» auf 8 bis 10 Mrd. $ geschätzt wird.
Der vor 75 Jahren in der Siedlung Sichron Jaakov geborene Ted Arison zählte zu den 400 reichsten Personen in der Welt. Nach dem Studium im alten Herzlia-Gymnasium in Tel Aviv und an der amerikanischen Universität in Beirut meldete er sich im Zweiten Weltkrieg zum englischen Militär, war Verbindungsoffizier der 7. Brigade während des israelischen Unabhängigkeitskrieges und versuchte nachher als Zivilist sein Glück als Unternehmer und Geschäftsmann. Nachdem er kläglich gescheitert war und einen Schuldenberg angehäuft hatte, wanderte er nach den USA aus. Auch dort musste er aufreibende Wechselbäder zwischen Erfolgen und Pleiten durchmachen. Nicht immer war ihm die launenhafte Glücksgöttin hold.
Arison hatte den richtigen Riecher, als er 1972 die grossen Chancen erkannte, mit preiswerten Vergnügungsfahrten zwischen den karibischen Inseln ein Massenpublikum anzusprechen. Die geschickte Dosierung und Mischung von attraktiver Freizeitgestaltung, lockenden Vergnügungen, leichter Unterhaltung und winkender Spielbank warf üppige Dividenden ab und brachte die Millionen. Heute umfasst die Schifffahrtsgesellschaft Carnival Cruises Lines ca. 40 elegante und modernste Luxusschiffe, die trotz harter Konkurrenz als ergiebige Goldader fungieren. Nie hat Arison seine Kontakte zu Israel abgebrochen. 1991 beschloss er zurückzukehren und mit grossen Investitionen in Immobilien, Banken und High Tech ein zweites Standbein zu errichten. Er erwarb 1994 vom abgewirtschafteten Gewerkschaftsbund Histadrut 35,1% des Stammkapitals der grössten Baugesellschaft des Landes, Shikun Ufituach. Böse Zungen behaupten, er habe dieses Unternehmen zu einem Schnäppchenpreis erhalten dank der guten Kontakte zum damaligen Histadrutchef Chaim Ramon. Er krönte seine Aktivitäten 1996 mit der Akquisition der Hapoalim-Bankgruppe, indem er an der Spitze eines Konsortiums dem Staat Israel für ein Aktienpaket von 43% den schwindelerregenden Preis von 1,6 Mrd. $ zahlte und brach damit einen einsamen Rekord im Rahmen der Privatisierung verstaatlichter Unternehmen in Israel. Für viele symbolisierte die Akquisition des Instituts auch eine ideologische Zäsur. Schliesslich war die renommierte Hapoalim-Bank (Arbeiterbank) das Flaggschiff der sozialistischen Gewerkschaftsbewegung in Israel. Besonders den Veteranen bereitete die Übernahme der Bank durch den Erzkapitalisten Arison erhebliche Schluckbeschwerden. Der bescheidene und medienscheue Quereinsteiger in den engen Kreis der israelischen Finanzelite betätigte sich auch als grosszügiger Mäzen, der Schecks in Millionenhöhe für den Ausbau von Krankenhäusern, Altersheimen, Museen und viele andere wohltätige Zwecke schrieb. Allein dem städtischen Krankenhaus von Tel Aviv spendete der Philanthrop 17 Mio. $ und finanzierte mit 5 Mio. $ ein Forschungszentrum für Gehirnkrankheiten im renommierten Weizmann-Institut in Rechowot. Er beauftragte Tochter Schari (Scharon) mit der Leitung der Arison-Stiftung für wohltätige Zwecke.
Seit seiner Rückkehr nach Israel zog sich Ted Arison aus dem Tagesgeschäft zurück. Diese Tätigkeit überliess er seinen Kindern und dem Statthalter Schlomo Nachama (44), der als Vorstandsvorsitzender der Bank Hapoalim die Interessen der Familie und der Partner wahrnimmt. Die kurz gefasste Mitteilung, dass Sohn und Tochter als Haupterben die Geschäfte weiterführen, sollte Gerüchten entgegentreten und Kontinuität signalisieren. Jedoch der neuen Chefin der Arison- Investmentgruppe ist keine Schonfrist gewährt. Bis zur Monatsmitte muss sie dem Finanzministerium ihren Entschluss mitteilen, ob sie bereit ist, 349 Mio. Fr. in den Erwerb von noch 7,5% des Aktienkapitals der Bank Hapoalim zu investieren. Diese Herausforderung könnte für die neue Mehrheitsaktionärin zum Bewährungstest dafür werden, wie weit es ihr gelingt, in die grossen Schuhe ihres verstorbenen Vaters zu schlüpfen.