Beeindruckendes Konzert mit drei Chasanim
Die zahlreichen Besucherinnen und Besucher, die der Einladung des Basler Synagogenchors in den Hans-Huber-Saal im Stadt-Casino gefolgt sind, bekamen gleich mehrere Ereignisse zugleich präsentiert: Zum einen stellte der Synagogenchor seine neueste CD «Eitz chaijm» («Baum des Lebens») vor, zum anderen waren zwei namhafte Gastsolisten in Basel zu Gast: Neben dem Oberkantor der Israelitischen Gemeinde Basel (IGB) Issachar Helman beeindruckten Jakob Motzen, Chasan der jüdischen Gemeinde in Bal Harbour (Florida), und Chasan Gedalya Alexander aus London mit ihrem Gesang.
Eine Vielfalt der Stimmen
Der Leiter des Synagogenchors, Michel Uhlman, zeigte sich in der Pause des zweistündigen Konzerts sehr zufrieden. Er betonte gegenüber tachles, dass ihn besonders das Zusammentreffen der drei Chasanim und die grosse Stimmenvielfalt an diesem Abend erfreuten. Tatsächlich ergänzten sich die Solisten, die sowohl einzeln als auch gemeinsam sangen, sehr gut. Ergreifend waren unter anderem die Titel «Marmele», gesungen von Jakob Motzen, «Tania», gesungen von Gedalya Ale-xander, und «Veal jede», das Issachar Helman im Gedenken an das ehemalige Chormitglied Steven Karger sang, der im vergangenen Monat verstorben ist. Dieser Augenblick war ebenso bewegend und eindrücklich wie das Stück «Mimekomecha», das im mexikanischen Stil präsentiert wurde, temperamentvoll war. Am Klavier begleitete die Pianistin Aline König. Insgesamt wurde deutlich, dass das gemeinsame Musizieren sowohl den 14 Mitgliedern des Synagogenchors wie auch den Solisten und dem Chorleiter Freude bereitete – und somit war nicht nur die gesangliche Leistung, sondern auch die Stimmung an diesem Abend ausgezeichnet. Und so steht auch im Beiheft der aktuellen CD geschrieben: «… geht es doch darum, die jüdische Liturgie nicht nur musikalisch dem Publikum näherzubringen, sondern auch für gefühlvolle und glückliche Momente zu sorgen». Diesem Anliegen des Chors, der unter Helman nach «Ma tovu» und «Ya’aleh» nun die dritte CD eingespielt hat, war auf jeden Fall Erfolg beschert. Deutlich wurde dies nicht nur während des Konzerts, sondern auch anhand des grossen Applauses, der dem Publikum gleich mehrere Zugaben bescherte. Zu erwähnen sind auch die Sponsoren des Synagogenchors, ohne die weder das Konzert noch die Aufnahme von «etz chaijm» möglich gewesen wären.
Traditionsreiche Institution
Basel hat eine lange Chasanut-Tradition. Die IGB ist eine der wenigen Gemeinden weltweit, die seit jeher einen vollamtlichen Chasan und einen Synagogenchor einsetzen, die an jedem Schabbat und an allen Feiertagen den Gottesdienst leiten und bereichern. Die meisten Chasanim, die bisher in Basel gewirkt haben, waren in der östlichen Tradition verwurzelt – und somit spiegelt die Chasanut, die in der Basler Synagoge praktiziert wird, die deutsch-aschkenasische Tradition mit östlicher Prägung wider. Oberkantor Is-sachar Helman hat zahlreiche neue Melodien eingeführt, er schlägt so ebenso die Brücke zwischen Altem und Neuen wie zwischen westlichen und östlichen Einflüssen. Der Synagogenchor verfügt über ein beachtliches Repertoire, und er hat am Sonntag bewiesen, dass sich die Lieder nicht nur für den Gottesdienst, sondern auch für Konzerte sehr gut eignen. An diesem gelungenen Anlass wurde auch daran erinnert, dass dass der Basler Synagogenchor seit mehr als 80 Jahren ununterbrochen besteht – eine Tatsache, die in Europa aufgrund des Holocaust leider wohl einmalig ist und als Gnade empfunden werden kann.
Valerie Doepgen