Basel / Universität - Symposiun des Instituts für Jüdische Studien
Im Verlaufe der zweieinhalbtägigen Veranstaltung, die von einer angenehm offenen Atmosphäre geprägt war, gab es auch kontroverse Diskussionen. So bemängelte Adel Manna (Hebräische Universität Haifa), der über den Beitrag muslimischer Eliten zur Modernisierung Palästinas sprach, den für ihn einseitig europäischen und jüdischen Blick auf das Palästina des 19. Jahrhunderts. Palästina, so seine Kritik, sei weder ein gleichsam unbevölkertes noch ein nur rückständiges Territorium gewesen. Der Islam als gesellschaftlich prägende Kraft, sei, so Manna, von den Europäern nur als eine antimoderne Religion wahrgenommen worden, und dies sei teils auch noch heute spürbar. Professor Ekkehard Stegemann äusserte in seinem Schlusswort die Hoffnung, auch in Zukunft mit Veranstaltungen wie dem Symposion einer kritischen geschichtlichen Auseinandersetzung mit der Geschichte Palästinas Raum geben zu können.
Der unerwartete Gast
Am Montag abend kamen die Zuhörer in den Genuss eines Vortrages, dessen Redner wohl auf vielen Bühnen zu Hause ist, jedoch kaum mit der Universität in Zusammenhang gebracht wird. Sir Peter Ustinov erzählte unter dem Titel «Mein Opa in Jaffa» aus der bewegten Geschichte seiner Familie - eine Geschichte, die, verwickelt, international und voller Überraschungen, denn auch alle ganz in ihren Bann gezogen hat. Es ist wohl in einem Vorlesungssaal selten so viel gelacht worden wie an diesem Abend. Voller Wärme, Witz und mit viel Verständnis für die menschlichen Schwächen schilderte Ustinov die Reise seines Grossvaters, Baron Plato von Ustinov, von Russland über Württemberg nach Jaffa, porträtierte seinen Vater und andere Familienmitglieder liebevoll und mit einem Augenzwinkern.
Umweg Palästina
Ustinov ist mit seinem Vortrag einer Einladung Professor Alex Carmels gefolgt, der im Verlaufe seiner Forschungen in Plato von Ustinovs Biographie Dinge zutage gefördert hat, die auch seinen Enkel in Erstaunen versetzt haben. Plato von Ustinovs Schwiegervater, von der Familienchronik stets als Protestant ausgewiesen, war ein konvertierter polnischer Jude. Eine Tatsache, die höchstwahrscheinlich aufgrund der politischen Lage 1933-1945 von der Familie Ustinovs verschwiegen wurde - schliesslich war kein geringerer als Joachim von Ribbentrops Sohn der Banknachbar Peter Ustinovs in einer englischen Schule. Wenn Ustinov auch flachste, es würde wohl mit zwölf, acht oder einundzwanzig Jahren noch angehen, solcherlei aus der eigenen Familiengeschichte zu erfahren, jedoch nicht mit achtundsiebzig, ist schnell klar geworden, dass am Rednerpult ein Mann steht, der die Selbstbezeichnung ein «geborener Exilant» zu sein, als eine Auszeichnung versteht. Nirgends zu Hause zu sein bedeutet auch, überall zu Hause zu sein. Es ist wohl gerade diese Freiheit und Ustinovs grosse Gabe, der Humor, die ihm die Fähigkeit geben, Menschen einfach als das zu sehen, was sie sind, unabhängig von Nationalität, Stand und Religion. Lachen zu können und es auch in schwierigen Situationen nicht zu verlernen, spielte denn auch für Ustinovs Betrachtungen der heutigen Lage Israels die wichtigste Rolle, denn, so Ustinov, in einem Land, in dem es Humor gibt, gibt es auch Hoffnung, und es ist niemals alles verloren.